
Das Jahr 2009 wurde für die Rohstoffmärkte allgemein und für die Industriemetalle im Speziellen überraschend nicht zum Krisen-, sondern zum Boomjahr. Dies dürfte allerdings nicht ohne Folgen für 2010 bleiben: Denn vieles bzw. unseres Erachtens zu viel von der sich fortsetzenden wirtschaftlichen Erholung sollte mittlerweile in den Metallpreisen eskomptiert sein. Deshalb rechnen wir in den kommenden Monaten mit einer Phase der Ernüchterung und entsprechend mit einer Preiskorrektur. Im zweiten Halbjahr gehen wir dann von einer nachhaltigen Erholung der Metallpreise aus. Nach Ansicht der Commerzbank Analysten sind die Metallpreise deutlich stärker gestiegen als fundamental zu rechtfertigen ist. Vor allem hohe Investmentzuflüsse haben unserer Meinung nach dazu geführt, dass sich die Preise zu stark von den noch immer schwachen Fundamentaldaten gelöst haben. Allen voran verzeichneten Rohstoffinvestments auf Basis der großen Indizes sowie ETFs starke Mittelzuflüsse. Im Zuge dessen stieg auch der Verbund zwischen der Risikoneigung der Finanzmarktteilnehmer und der Preisentwicklung: Je höher der Risikoappetit, desto stärker stiegen die Preise. China dürfte auch im laufenden Jahr eine dominante Rolle an den Metallmärkten einnehmen. Ohne das Reich der Mitte läge die globale Nachfrage nach wie vor am Boden. Das Land hat in 2009 maßgeblich die weltweite Nachfrage gestützt und so zunächst ein massives Auftürmen von Überschüssen verhindert. Dadurch hat China seine Position als größter Konsument von Metallen ausgebaut. Ein Großteil der importierten Metallvolumina in China wurde allerdings nicht sofort verbraucht, entsprechend war in den letzten Monaten ein spürbares Nachlassen des chinesischen Importsogs erkennbar, was wiederum zu steigenden Marktüberschüssen führte. Entsprechend sind auch die Bestände sowohl in börsenerfassten als auch in nicht-offiziellen Lagerhäusern in Schwindel erregende Höhen gestiegen. Im Zuge der deutlich gestiegenen Metallpreise haben viele Unternehmen ehemals stillgelegte Produktionsanlagen und verschobene Projekte wieder reaktiviert. Da die Preise mittlerweile signifikant über den Produktionskosten liegen, dürften die Minenbetreiber weitere Mittel in den Ausbau bestehender bzw. in die Erschließung neuer Minen über das bereits erfolgte Maß hinaus investieren. Dadurch wird jedoch das ohnehin schon hohe Angebot nochmals ausgeweitet. Neben einem weiteren zu erwartenden Lageraufbau dürften damit auch signifikante Überschüsse an den Metallmärkten auflaufen, zumal sich die weltweite Nachfrage außerhalb Chinas noch relativ verhalten zeigt. Bislang wurden diese negativen Fundamentaldaten von den Marktteilnehmern weitgehend ignoriert. Die Euphorie über eine wirtschaftliche Erholung beherrscht seit Monaten das Bild. Dies sollte sich jedoch unserer Meinung nach bald ändern, da die aktuell sehr hohen Metallpreise fundamental nicht zu rechtfertigen sind. Wir sehen daher bei allen Industriemetallen deutliches Korrekturpotenzial und erwarten in den nächsten Monaten signifikant niedrigere Metallpreise. Im weiteren Jahresverlauf rechnen wir mit einer Erholung der Preise. Diese sollte durch eine Manifestierung der Erholung der Weltwirtschaft sowie durch neuerliche Investmentzuflüsse in die Rohstoffmärkte allgemein und die Metallmärkte im Speziellen unterstützt werden.
11.01.2010 - Technik+Einkauf
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