15.03.2012

BME-Stimmungsbarometer Elektronische Beschaffung 2012: KMU sparen im Einzelfall nehr als Große

DÜSSELDORF. Das hat das aktuelle "Stimmungsbarometer Elektronische Beschaffung 2012" ergeben, das vom Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME und der Universität Würzburg auf den eLösungstagen vorgestellt wurde. Dass die Nachfrage an elektronischen Beschaffungslösungen nach wie vor hoch ist, zeigt die hohe Teilnehmerzahl der eLösungstage von 1200 Einkäufern. "Beim Einsatz elektronischer Beschaffungslösungen geht es nicht um Software von der Stange. Es gibt wenige Projekte, die im Einkauf so facettenreich sind", betont BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Holger Hildebrandt. Hauptaspekte der Unternehmen sind – neben Einspareffekten – aber vor allem Prozessstabilität und -transparenz sowie Compliance.

Einsparungen Prozesse: Im Mittel reduzieren die Unternehmen ihre Prozesskostenbei dezentralen Bestellprozessen  (über Katalogsysteme) um 27%, bei Ausschreibungsprozessen um 14,3% und bei Verhandlungsprozessen (Auktionen) um 16,2%.

Einsparungen Einstandspreise (Anschaffungskosten): Bei C-Gütern (Katalogsysteme) sparen die Einkäufer insbesondere durch Reduktion des Maverick Buyings (unkoordinierte Bestellungen anderer Abteilungen am Einkauf vorbei) und Bündelung bzw. Straffung des Sortiments im Schnitt 9%, bei A- und B-Gütern durch Erweiterung des Arbeitskreises und intensiierten Wettbewerb durch Ausschreibungssysteme 8,7% sowie durch Auktionsergebnisse 12,5%.

Elektronische Kataloge: Haben sich als einziges Tool auf breiter Basis durchgesetzt. Drei von vier Firmen setzen diese Lösungen ein, Große gar zu  90%. Vermutlich werden nur 10 bis 20% der KMU mittelfristig keine entsprechenenden Systeme nutzen.

Elektronische Ausschreibungen: Mit 24% die geringste Nutzungsrate aller untersuchten Tools. Nur jedes zehnte KMU auktioniert elektronisch, über 60% sehen für sich langfristig keinen Einsatz. Immerhin fast 40% der Großen nutzen Auktionen. Bei keiner anderen Lösung ist das in Frage kommende Beschaffungsvolumen so maßgebend. Auktionen als Tool zur Unterstützung des Verhandlungsprozesses werden auch zukünftig ein Auf und Ab erleben, das insbesondere an die Situation der Machtverhältnisse auf dem jeweiligen Beschaffungsmarkt gekoppelt ist.

Lieferantenmanagement/E-SRM: Der Einsatz von Lieferantenmanagement/E-SRM dürfte oftmals in enger Verbindung mit elektronischen Ausschreibungen erfolgen. Die nutzungsquote von 33,1% scheint sich auf lange Sicht den Ausschreibungen anzugleichen. Jedes fünfte Unternehmen (sowohl bei KMU als auch bei Großen) plant aktuell die Einführung. Dieses Thema bleibt – neben Ausschreibungen – die größte Baustelle in den Unternehmen in nächster Zeit.

Supply Chain Management/E-SCM: Beim internetbasierten Datenaustausch zwischen Einkäufern und Lieferanten zur Besseren Abstimmung über Produktionspläne und Bedarfe etc. besteht weiterhin Nachholbedarf. 60% der Unternehmen sieht die Relevanz der Systeme, nutz diese aber noch nicht. Aktuell setzen 29,3% entsprechende Systeme ein und 10,3% planen die Einführung.

Servicequalität: Die Benutzerfreundlichkeit wird als "zufrienen stellend" betrachtet; allerdings hat sich die Einschätzung über die Jahre deutlich verschlechtert. Viele der Befragten wünschen eine verbesserte Handhabung der Systeme. Mit Abstand am häufigsten genannt wurde die durchgängige Einbindung in die EDV-Landschaft unter Reduktion der wahrnehmbaren Systemvielfalt. Probleme mit Schnittstellen, fehlende Standardisierung und Integration sind ebenso für die oftmals noch geringe Nutzungsintensitätverantwortlich. Hier sind die Lösungsanbieter gefordert.

Nutzungsintensität: Über die Jahre betrachtet hat ie überzeugende Mehrheit oftmals deutlich weniger als die Hälfte des – selbst geschätzten – Potenzial erreicht, auch wenn Jahr für Jahr Steigerungen der Intensität prognostiziert wurden und werden. Nach ersten Erfolgen immer weitere Materialgruppen oder Lieferanten – insbesondere global _ einzubeziehen, ist oftmals eine große herausforderung, die im Tagesgeschäft gescheut wird bzw. nicht nebenbei realisiert werden kann.

Kleine/mittlere Unternehmen: KMU weisen bei allen untersuchten Lösungen die höchsten Quoten von projekten im Planungsstadium auf. Ob alles in Systemeinführungen mündet, ist fraglich. Hier wurden im vergangenen Jahr nur marginale Raten erzielt. KMU wiesen zudem bei fast allen Systemen die höchste Quote derer auf die grundsätzlich die Relevanz der Lösungen für das eigene Haus erkennen, die aber kurzfristig keine Umsetzungsmöglichkeiten sehen. Zur Amortisation der Lösungen wird ein "Grundumsatz" benötigt, den KMU nicht immer vorweisen können.

Neue Ansätze: Inwieweit Cloud Procurement (beliebig skalierbare Nutzung von IT-Infastrultur) finanzielle Eintrittsbarrieren senkt, bleibt abzuwarten. Die Mehrheit der Befragten ist skeptisch, vor allem auf Grund der Sicherheitsfragen bei geschäftskritischen Daten. Vielen erschließt sich zudem nicht, was Cloud Procurement gegenüber bekannten Hosting-Konzepten auszeichnet. Wen 2.0-Technologien wie Wikis, Blogs oder Professional (Social) Networks sollten im Zusammenspiel mit "traditionellen" Beschaffungstools parallel verfolgt werden.

Fazit: Elektronische Beschaffungslösungen sind ein diffiziles Feld. Zu betrachten sind Organisation und Prozesse, Datebasis, Software, Syste-Schnittstellen und nicht zuletzt das Change Management, also die Abstimmung mit Unternehmensführung und Mitarbeitern der eigenen, aber auch mit Teams anderer Abteilungen, mit Lieferanten, Logistik- und Finanzsdienstleistern, Behörden etc. Das einzelne Tool ist wichtiger Bestandteil eines immer komplexer werdenenden (globalen) Prozessnetzwerks, dessen Management wettbewerbsentscheidend ist und bei dem alle Rädchen optimal ineinander greifen müssen. "Eine funktionierendes System ist kein Ruhekissen; Projekte sind nicht damit beendet, dass die Software eingeführt ist", sagt Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky von der Universität Würzburg.

DruckenDrucken


Produkt der Woche

Hochfrequente Radarfüllstandmessung für Flüssigkeiten mit 80 GHz

Hochfrequente Radarfüllstandmessung für Flüssigkeiten mit 80 GHz

VEGAPULS 64 bewährt sich erfolgreich in zahlreichen Anwendungen weltweit Mittlerweile ist die Radartechnologie in der Füllstandmessung von Flüssigkeiten nicht mehr wegzudenken. Während bisherige Radarsensoren bei Medien mit sehr schlechten Reflexionseigenschaften   [mehr...]

Präsentiert von:

Logo

Onlineshop der Woche

www.hahn-kolb.de – Intuitiv, individuell, schnell – das ist der HAHN+KOLB Onlineshop!

www.hahn-kolb.de – Intuitiv, individuell, schnell – das ist der HAHN+KOLB Onlineshop!

HAHN+KOLB steht für höchsten Anspruch an Service, Lieferfähigkeit und Produktqualität und ist einer der weltweit führenden Werkzeug-Dienstleister und Systemlieferanten. Im Direktvertrieb verkauft HAHN+KOLB Zerspanungs- und Spannwerkzeuge, Mess- und Prüftechnik, Betriebseinrichtungen,   [mehr...]

Präsentiert von:

Logo

 





Anzeige


Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie weiterhin auf dieser Website bleiben, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close