Hans Werner Kocherscheidt
20.04.2017

Ejot trauert um Senior-Chef Hans Werner Kocherscheidt

Die Mitarbeiter der Ejot Gruppe trauern um ihren Senior-Chef. Im Alter von 88 Jahren ist Hans Werner Kocherscheidt am Karfreitag, 14. April, nach kurzer schwerer Krankheit verstorben.

Am 7. Oktober 1928 wurde Hans Werner Kocherscheidt in Werdohl geboren. Von seinen Eltern wurde er im protestantischen Glauben erzogen. Sein Vater war Lehrer und verstarb bereits sehr früh. Seine Mutter stammte aus Berghausen und ermöglichte ihm den Besuch der Oberschule für Jungen in Altena, wo er 1949 das Abitur ablegte. Es folgten das Jura-Studium in Mainz und Bonn, die Referendarzeit im Landgerichtsbezirk Siegen und die Zeit als Assessor in Essen. Ende der 1950er Jahre hat sich Hans Werner Kocherscheidt als Rechtsanwalt in Bad Berleburg niedergelassen. Im Februar 1959 heiratete er seine Frau Gisela.

Sein kinderloser Onkel Adolf Böhl hinterließ seinem Neffen Hans Werner Kocherscheidt 1960 die gleichnamige Schraubenfabrik in Berghausen. „Nagelbude“ nannte der Verstorbene das kleine Unternehmen immer gern, weil seine Wettbewerber sie so bezeichnet hatten. Vier Jahre später erwarb Hans Werner Kocherscheidt die Schraubenfabrik Eberhard Jaeger in Laasphe. Aus beiden Unternehmen formte er die Ejot Gruppe mit den heute weltweit über 3000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 450 Mio Euro. Dazu gehörte Mut, Risikobereitschaft und ein Höchstmaß an persönlichem Engagement.

Hans Werner Kocherscheidt hatte die wunderbare Gabe, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Menschen um ihn herum für sich und seine Ideen zu begeistern. Über die Jahrzehnte hinweg ist es ihm immer wieder gelungen, die richtigen Mitstreiter an seiner Seite zu finden. Dazu gehörte der Ingenieur Hermann Großberndt, der mit Erfindungen wie der ersten selbstfurchenden Schraube für die Kunststoffverschraubung den Erfolg der Ejot Gruppe in den 1970er Jahren maßgeblich mit geprägt hat.

Schon früh erkannte Hans Werner Kocherscheidt die Notwendigkiet, das Unternehmen international aufzustellen. Die ersten internationalen Gesellschaften wurden bereits Anfang der 1980er Jahre gegründet. Heute hat die EJOT Gruppe in mehr als 30 Ländern Produktions- und Vertriebsgesellschaften. Nachhaltiges unternehmerisches Handeln bedeutete für Hans Werner Kocherscheidt stets, Gewinne in das Unternehmen zu investieren und nicht aus dem Unternehmen abzuziehen.

Dieses nachhaltige Wachstum der Ejot Gruppe hat sich nicht nur an betriebswirtschaftlichen Zahlen orientiert, sondern stets auch an den Menschen. Davon zeugt der kontinuierliche Aufbau der Unternehmensstandorte in Wittgenstein ebenso wie auch in Thüringen. In Tambach-Dietharz entwickelte Hans Werner Kocherscheidt das ehemalige VEB Schraubenwerk Tambach zu einem modernen und leistungsfähigen Unternehmensstandort. Auch dort sind die Menschen dankbar, dass ein verantwortungsvoller Unternehmer gekommen ist, der etwas bewegen wollte und auch bewegt hat.

Schon früh hat Hans Werner Kocherscheidt die Weichen dafür gestellt, dass die Familie mit seinem Sohn Christian Kocherscheidt in der Geschäftsführung und seiner Tochter Kathrin Kocherscheidt im Beirat maßgeblichen Einfluss im Unternehmen behält.

Hans Werner Kocherscheidt hatte nicht nur das Wohl seines Unternehmens im Blick. Für ihn bedeutete unternehmerische Tätigkeit immer auch die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung. Das galt ganz besonders bei der Ausbildung junger Menschen. Mit dieser Philosophie sicherte Hans Werner Kocherscheidt bereits frühzeitig Fachkräfte für das Unternehmen. Gleichzeitig bedeutete diese unternehmerische Haltung aber auch die Schaffung von vielen Arbeitsplätzen.

Der Initiative von Hans Werner Kocherscheidt ist es zu verdanken, dass 1975 die Industrielehrwerkstatt als überbetriebliche Ausbildungsstätte gegründet wurde. Die Entwicklung der Lehrwerkstatt, dem heutigen Bildungszentrum Wittgenstein (BZW), hat er viele Jahre als Vorsitzender des Aufsichtsrates begleitet und gefördert.

Als langjähriger Vorsitzender des Industrie- und Forstverbands Wittgenstein hat sich der Verstorbene schon früh für die Belange und Interessen der heimischen Wirtschaft eingesetzt. Nach dem Zusammenschluss mit dem Verband der Siegerländer Metallindustriellen e.V., den er mit initiiert hat, war er stellv. Vorsitzender des Verbandes und Mitglied des Beirates.

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