Gehälter im Einkauf sind unfair verteilt
06.10.2017

Gehälter im Einkauf sind unfair verteilt

Sowohl regional als auch zwischen Männern und Frauen gibt es erhebliche Unterschiede in den Einkäufer-Gehältern.

Kloepfl Consulting hat seinen jährlichen Einkäufer-Gehaltsreport veröffentlicht. Die Umfrage unter 1.712 Einkaufsmanagern zeigt eindeutige Trends.

Zu wenige Frauen im Einkauf – Und dann auch noch schlecht bezahlt

79% der Einkäufer im Teilnehmerfeld sind männlich; nur lediglich 21% sind weiblich. Nur jede zehnte Einkaufsleitung wird mit einer Frau besetzt. Grundsätzlich verdienen männliche Einkaufsleiter auch dieses Jahr mehr als ihre Kolleginnen. Während Einkäuferinnen durchschnittlich 53.158 Euro verdienen, erhalten Einkäufer 63.120 Euro und damit rund 19 Prozent mehr. Bei der Einkaufsleitung ist der Abstand noch dramatischer: Einkaufsleiterinnen erhalten im Schnitt 60.222 Euro, während Einkaufsleiter mit 75.709 Euro fast 25 Prozent mehr verdienen.

Gehälter im Einkauf betrachtet nach Bundesland

Die Gehaltsunterschiede der Einkäufer belaufen sich nach Betrachtung der Bundesländer auf bis zu 37.652 Euro. Hier verdienen Arbeitnehmer in Nordrhein-Westfalen mit 72.659 am meisten und Einkäufer aus Sachsen mit 35.007 Euro am wenigsten. Bei den Einkaufsleitern liegen die Unterschiede bei bis zu 29.926 Euro. Am besten verdienen Einkaufleiter in Baden-Württemberg (80.023 Euro), am schlechtesten werden Einkaufsleiter in Brandenburg (50.097 Euro) bezahlt.

Grundsätzlich sind Einkaufsleiter und Einkäufer aus dem Osten der Republik gegenüber dem Westen deutlich schlechter gestellt.

Bezahlung nach Leistung – Innovationsbeiträge zu wenig wertgeschätzt

Sowohl bei den Einkäufern (37%) als auch bei den Einkaufsleitern (33%) wird die Einkaufsleistung überwiegend an den Einsparungen gemessen.

Auf dem zweiten Platz folgt die Liefertermintreue mit 20 Prozent bei den Einkäufern und 23 Prozent bei den Einkaufsleitern. 11 Prozent der Einkäufer und 13 Prozent der Einkaufsleiter werden an möglichst niedrigen Reklamationsquoten der eingekauften Waren und Dienstleistungen gemessen.

Nur bei rund jedem zehnten Einkäufer und Einkaufsleiter werden Innovationen finanziell honoriert. Diese Gruppe verdient dafür mit am meisten: Einkäufer mit innovativen Ideen erhalten im Schnitt 62.411 Euro und Einkaufsleiter 77.482 Euro. Einkäufer die an Einsparungen gemessen werden, erhalten 61.601 Euro und Einkaufsleiter erhalten in dieser Kategorie 74.730 Euro. Einkäufer und Einkaufsleiter die nach ihrem Global Sourcing Anteil bemessen werden, verdienen mit 65.324 (Einkäufer) und 80.332 (Einkaufsleiter) am meisten.

„Diese Zahlen sind insofern erschreckend, als dass der Einkauf mit seinen zahlreichen Schnittstellen im Unternehmen und mit den Lieferanten im Rahmen der Digitalen Transformation große Chancen hat, als Innovator eine Schlüsselrolle zu besetzen. Viele Umfragen belegen, dass der Einkauf 4.0 für die Unternehmen als Innovationsmotor und Prozessoptimierer gegenüber dem Kostendrücker an Bedeutung gewinnt“, sagt Sebastian Thelen, Geschäftsführer von Kloepfel Digital Transformation.

Einkäufer-Gehälter nach Branche sehr unterschiedlich

Bei den Einkäufern belaufen sich die Gehaltsunterschiede nach den untersuchten Branchen auf bis zu 24.658 Euro. Hier liegen die Möbelindustrie und die Konsumgüterindustrie (Non-Food) am weitesten auseinander. Bei den Einkaufsleitern sind es bis zu 22.641 Euro. Hier zeigen der Handel und die Pharma-Branche die größten Unterschiede im Durchschnittsgehalt auf.

Einkäufer verdienen in der Konsumgüterindustrie Non-Food mit 76.515 Euro am meisten, dicht gefolgt von den Einkäufern aus dem Bereich Sonderfahrzeugbau (73.562 Euro) und der Branche Health Care (73.094 Euro). Schlusslichter bilden der Handel, die Möbelindustrie und Dienstleistungsunternehmen.

Einkaufsleiter hingegen verdienen in der Pharma-Branche mit 90.762 Euro am meisten. Darauf folgen der Sonderfahrzeugbau mit einem Durchschnittsgehalt von 90.620 Euro für  Einkaufsleiter und die Branche Automotive mit 78.782 Euro. Beim Verdienst der Einkaufsleiter rangieren der Handel, die Möbelindustrie und das Baugewerbe auf den letzten Plätzen.

Teilnahme an Fortbildungen

Bei der Erhebung fällt auf, dass nur jeder zweite Einkäufer und nur sechs von zehn Einkaufsleitern 2016 mindestens eine Fortbildung besucht haben. Während sich Fortbildungen bei Einkäufern im Durchschnitt nicht auf das Gehalt ausgewirkt haben, verdienen Einkaufsleiter mit Fortbildungen rund 3.000 Euro pro Jahr mehr als Kolleginnen und Kollegen ohne Fortbildung (72.383 Euro).

Carsten Reetz, Geschäftsführer von Kloepfel Personalmanagement, meint dazu, “Gerade durch den digitalen Umbruch der Wirtschaft, sind Fortbildungen beispielsweise zum Umgang und zur Deutung von Big Data unerlässlich und tragen damit automatisch zu Gehaltsverbesserungen bei.“

Doreen Schlicht, Chief Marketing Officer und HR bei „Wer liefert was“, ergänzt, „Einkäufer, die beispielsweise lernen wie sie ihre Einkaufs- und Lieferantendaten analysieren und interpretieren können, gewinnen in den Unternehmen an Wichtigkeit und damit auch an Wert. Generell gewinnen Business Analysten für Unternehmen an Bedeutung und sind auf dem Arbeitsmarkt aktuell stark nachgefragt.

Verdienst nach Position

Operative Einkäufer verdienen branchenübergreifend im Durchschnitt 51.584 Euro. Projekteinkäufer erhalten 58.279 Euro, Strategische Einkäufer liegen bei 61.070 Euro und Einkaufsleiter verdienen rund 74.144 Euro. Am meisten verdienen die CPO (Chief Procurement Officer) mit einem Jahresgehalt von 141.777 Euro.

Durchschnittsgehalt nach der Art der Aufgabe

Einkäufer, welche im strategischen Bereich und in der Projektarbeit tätig sind, verdienen mit 67.747 Euro am meisten. Ein Einkaufsleiter darf sich im gleichen Tätigkeitsbereich durchschnittlich auf 91.320 Euro einstellen. Wer lediglich im operativen Bereich arbeitet, verdient mit 36.875 Euro bei Einkäufern und 45.525 Euro bei Einkaufsleitern am wenigsten.

Bild: Syda Productions/Shutterstock.com

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Alle Ergebnisse in der grafischen Übersicht:

Gehälter im Einkauf nach Ausbildung

Durchschnittsgehalt von Einkäufern nach Ausbildung.

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