Studie: Maschinen imitieren moralisches Verhalten von Menschen
09.08.2017

Studie: Maschinen imitieren moralisches Verhalten von Menschen

Kognitionswissenschaftler der Universität Osnabrück legen Studie vor, nach der autonome Systeme moralische Dilemmata lösen könnten.

Für autonome Roboter wie selbstfahrende Autos muss es Regeln und Erwartungen geben, die definieren, wie sich solche Systeme in kritischen Situationen verhalten sollen. Das Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück hat eine Studie auf der Plattform „Frontiers in Behavioral Neuroscience“ veröffentlicht, die zeigt, dass menschlich-ethische Entscheidungen in Maschinen implementiert werden können und autonome Fahrzeuge bald moralische Dilemmata im Straßenverkehr bewältigen können.

“Um Regeln oder Empfehlungen definieren zu können sind zwei Schritte notwendig. Als Erstes muss man menschliche moralische Entscheidungen in kritischen Situationen analysieren und verstehen. Als zweiten Schritt muss man das menschliche Verhalten statistisch beschreiben, um Regeln ableiten zu können, die dann in Maschinen genutzt werden können“, erklärt Prof. Gordon Pipa, einer der leitenden Wissenschaftler der Studie.

Virtuelle Realität simuliert Verkehrssituation

Um beide Schritte zu realisieren, nutzten die Autoren eine virtuelle Realität, um das Verhalten von Versuchspersonen in simulierten Verkehrssituationen zu beobachten. Die Teilnehmer der Studie fuhren dazu an einem nebeligen Tag durch die Straßen eines typischen Vorortes. Im Verlauf der Experimente kam es dabei zu unvermeidlichen und unerwarteten Dilemma-Situationen, bei denen Menschen, Tiere oder Objekte als Hindernisse auf den Fahrspuren standen. Um den Hindernissen auf einer der beiden Spuren ausweichen zu können, war deshalb eine moralische Abwägung notwendig.

Die beobachteten Entscheidungen wurden dann durch eine statistische Analyse ausgewertet und in Regeln übersetzt. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass im Rahmen dieser unvermeidbaren Unfälle moralisches Verhalten durch eine einfache Wertigkeit des Lebens erklärt werden kann, für jeden Menschen, jedes Tier und jedes Objekt.

Algorithmen oder statistische Modelle

Algorithmen können entweder durch Regeln beschrieben werden oder durch statistische Modelle, die mehrere Faktoren miteinander in Bezug setzen können. Gesetze, zum Beispiel, sind regelbasiert. Menschliches Verhalten und moderne künstliche intelligente Systeme nutzen dazu im Gegensatz eher komplexes statistisches Abwägen.

Dieses Abwägen erlaubt es beiden – dem Menschen und den modernen künstlichen Intelligenzen – auch neue Situationen bewerten zu können, denen diese bisher nicht ausgesetzt waren. In der wissenschaftlichen Arbeit von Sütfeld wurde nun eine solche dem menschlichen Verhalten ähnliche Methodik zur Beschreibung der Daten genutzt. Deshalb werden die Regeln nicht abstrakt am Schreibtisch formuliert, sondern aus dem menschlichen Verhalten abgeleitet und gelernt.

„Nun, da wir jetzt wissen, wie wir moralische Entscheidungen in die Maschinen implementieren können, bleiben uns trotzdem noch zwei moralische Dilemmata“, sagt Prof. Peter König, weiterer Autor dieser Veröffentlichung. „Erstens müssen wir uns über den Einfluss von moralischen Werten auf die Richtlinien für maschinelles Verhalten entscheiden. Zweitens müssen wir uns überlegen, ob wir es wollen, dass Maschinen sich (nur) menschlich verhalten sollen.“

Bild: riopatuca-images/Fotolia.de

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