Ein Roboter hebt Teile für die Autoproduktion an

Investitionen in Automation und Digitalisierung machen sich bezahlt. Werden sie unterlassen, kann das Unternehmen teuer zu stehen kommen. (Bild: Siemens)

Die Meinungen über die wirtschaftliche Prognose für den Produktionssektor gehen auseinander. Daher warten viele Unternehmen bislang noch ab und schieben Umstrukturierungs- und Investitionsentscheidungen auf.

Doch das könnte sich als Fehler herausstellen. Denn Analysten weltweit sind sich einig, dass Investitionen auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten notwendig sind. Nur so erzielen Betriebe ein langfristiges Wachstum und messbare Wettbewerbsvorteile.

Mit welchen speziellen Finanzierungslösungen können Unternehmen den Wandel hin zur intelligenten Fertigung also schnell und kostengünstig vollziehen? Dabei können smarte Finanzlösungen helfen, die eine digitale Transformation ermöglichen und somit für Hersteller einen finanziell nachhaltigen Weg zu bieten, um die Geschäftskontinuität im aktuellen herausfordernden Umfeld sicherzustellen.

Unternehmen können aus jetzt getätigten Investitionen in die digitale Transformation fünf bis sieben Jahre lang eine Rendite ziehen. Das besagt eine aktuelle Studie von Siemens Financial Services (SFS) unter mehr als zehn Vertretern von Fertigungsunternehmen und Wirtschaftsverbänden sowie Akademikern weltweit.

Bis zu diesem Wendepunkt erwartet man, dass 50 Prozent der Hersteller erhebliche Investitionen in Industrie 4.0 getätigt haben werden. Danach werden andere Hersteller Nachholbedarf haben.

Enormes Tempo setzt Fertiger unter Druck

Obwohl die meisten Fertigungsunternehmen die Vorteile einer digitalen Transformation kennen, verlangt die vierte industrielle Revolution transformative Veränderungen mit einer Geschwindigkeit, die die meisten Firmen noch nicht erreichen.

Wenn Unternehmen im aktuellen Tempo fortfahren oder gar stillstehen, dürften sie den Realitäten der Fertigungsbranche von morgen nicht gewachsen sein und könnten von Vorreitern und neuen Marktteilnehmern aus der Bahn geworfen werden. Daher müssen Fertigungsunternehmen die Digitalisierung jetzt realisieren, um die Vorteile der frühzeitigen Umsetzung zu nutzen – andernfalls riskieren sie, ins Hintertreffen zu geraten.

Und wie sollen die Firmen das alles bezahlen? SFS schätzt den Umfang der notwendigen Investitionen für die Smart-Factory-Technologie in der Fertigungsindustrie konservativ auf knapp 400 Milliarden Dollar. Dieses umfasst einen Zeitraum von fünf Jahren, von 2020 bis 2024.

Unternehmerische Ziele einer digitalen Transformation

Neue Finanzierungsmodelle für Industrie-4.0-Investitionen orientieren sich häufig an den Geschäftsergebnissen. Dabei soll die Finanzierung eng auf die erwartete Rendite, die durch die Vorteile der digitalisierten Technologien erzielt wird, abgestimmt werden.

„Angesichts des doppelten Drucks des wachsenden Wettbewerbs in den Binnen- und Exportmärkten für europäische Hersteller sind Investitionen in die digitale Transformation an einem kritischen Punkt angekommen“, sagt Kai-Otto Landwehr, Leiter des Commercial-Finance-Geschäfts von Siemens Financial Services (SFS) in Deutschland.

Smart Finance für die digitale Transformation in der Fertigung kommt von Spezialfinanzierungsanbietern, die sich in der Technologie, den Anwendungen, Märkten und deren Herausforderungen auskennen. Sie sind in der Lage, Finanzierungsstrukturen so zu entwickeln, dass sie sich durch Zugang zu den richtigen Technologien, Dienstleistungen und Beratung auf erkennbare und gewünschte Geschäftsergebnisse konzentrieren.

Welche Ergebnisse sind also typisch für die digitale Transformation in der Fertigungsbranche? Welche unternehmerischen Ziele aus der digitalen Transformation werden durch Smart Finance ermöglicht, ohne an Flexibilität, Beweglichkeit oder kommerzieller Nachhaltigkeit einzubüßen?

Ergebnis #1 Digitalisierungs-Upgrade

Anbieter, die den Erwerb eines Systems oder einer Technologie ermöglichen, haben fundierte Kenntnisse in der Fertigung und passen den Finanzierungszeitraum und die Finanzierungsbedingungen flexibel an, um die wahrscheinlichen Vorteile, die der Hersteller durch die Technologie hat, zu berücksichtigen. Häufig deckt diese Art der Finanzierung die damit verbundenen Betriebskosten, z. B. für die Instandhaltung, in Form einer „gebündelten“ monatlichen Zahlung ab. Um schnelle Kaufentscheidungen zu ermöglichen und Geschäftsentscheidungen zu realisieren, hat ein Anbieter oft eine Rahmenvereinbarung mit einem Hersteller, welche die Vereinbarung zukünftiger Leasingverträge vereinfacht.

Ergebnis #2 Erweiterung der Anlagewerte (Nachrüsten/Retrofit)

echnologische Innovationen und Upgrade-Phasen werden kürzer. Finanzierungslösungen bieten Flexibilität, um im Verlauf eines Finanzierungszeitraums ein Upgrade durchzuführen, und schützen so vor technologischer Überalterung. Upgrades beinhalten oft die Nachrüstung von Hardware und/oder Software auf der wichtigsten Technologieplattform, wodurch sich sowohl die Lebensdauer der Plattform, als auch der Wert und die Funktionen, die sie dem Hersteller bietet, verlängern. Finanzierungsspezialisten kennen die damit verbundenen Risiken und nehmen das Softwareelement in ein Gesamtfinanzierungspaket auf.

Ergebnis #3 Übergangsmanagement

In Anbetracht der Herausforderungen des Übergangs bei bestehenden Technologien oder Fertigungsplattformen, stehen Finanzierungsvarianten zur Verfügung, welche die Zahlung für ein neues System aufschieben, bis es zuverlässig in Betrieb ist. Dadurch entfällt die finanzielle Belastung, für das neue System bezahlen zu müssen, während das alte noch verwendet wird.

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Ergebnis #4 Energieeffizienz

Zahlungen können auf den erwarteten wirtschaftlichen Vorteilen basieren, die durch die Technologie möglich werden5. Einsparungen oder Gewinne aus dem Zugang zur Technologie werden zur Finanzierung monatlicher Zahlungen verwendet, weshalb die Technologie für den Hersteller kostenneutral ist. Vereinbarungen erfassen effektiv zukünftige Einsparungen zur Finanzierung der laufenden Investitionen, ohne dass Kapital gebunden werden muss.

Ergebnis #5 Leistung und Produktivität

Spezialfinanzierungen gibt es in verschiedenen Variationen, in denen die Zahlungen an definierte Produktivitätsziele angepasst werden. Strenge Bedingungen stellen sicher, dass sowohl der Technologielieferant, als auch der Hersteller Mitverantwortung übernehmen, damit die gewünschten Produktivitätsergebnisse erreicht werden können.

Ergebnis #6 Nachhaltiges Wachstum

Erhöhte Produktionskapazität und Produktivität bei gleichzeitiger Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit können dazu führen, dass größere Mengen an Rohstoffen oder Einzelteilen erforderlich sind. Hier stehen Finanzlösungen für die Rechnungslegung zur Verfügung, die bei der Bewältigung der Herausforderungen des Cashflows helfen, die der Erfolg durch die Digitalisierung mit sich bringt. Ebenso können Hersteller aufgrund des schnellen Wachstums durch die Digitalisierung eine Liquiditätsverschärfung erleben. Eine Asset-basierte Kreditvergabe ermöglicht es einem Kreditnehmer, auf die liquiden Mittel zuzugreifen, die im Umlaufvermögen gebunden sein können. Eine revolvierende Kreditlinie, die durch die Forderungen und Bestände des Kreditnehmers gesichert ist, stellt die Liquidität bereit, die zur Deckung des täglichen Liquiditätsbedarfs notwendig ist.

Ergebnis #7 Verkaufsförderung

Relevant für Anbieter von Industrielösungen, wie zum Beispiel Maschinenbauer, die sowohl technische Komponenten von Ihren Lieferanten kaufen, als auch eigene Fertigungstechnologien an andere Hersteller verkaufen. Spezialfinanzierungen bieten integrierte Lösungen, die das Investment für die Kunden des Anbieters attraktiv und finanzierbar gestalten.

Ergebnis #8 Management des Vertriebswachstums

Lösungsanbieter, wie Maschinenbauer, müssen den Anstieg des Umsatzwachstums aufrechterhalten. Entweder in Bezug auf wirtschaftliche Marktherausforderungen oder als Ergebnis der steigenden Nachfrage seitens der Fertigungskunden, die wiederum selbst eine digitale Transformation durchmachen. Spezialfinanzierer bieten Finanzierungsvarianten, die als Extended Payment Terms bekannt sind. Diese helfen Anbietern von Industrietechnologien, Ihre eigene Liquidität im Hinblick der wachsenden Nachfrage zu decken.

Bearbeitet von Dörte Neitzel

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