China-Flagge

Bild: railwayfx/AdobeStock

| von Dörte Neitzel
Aktualisiert am: 22. Okt. 2019

Laut der halbjährlichen Studie von Ernst & Young hat die Kauflust chinesischer Unternehmen in Europa massiv nachgelassen. Zum einen sank der Wert chinesischer Übernehmen im ersten Halbjahr 2019 um 84 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar, zum anderen fiel die Anzahl der Transaktionen um 28 Prozent auf 81.

Deutschland und Großbritannien vorn

Besonders stark sanken die Aktivitäten chinesischer Investoren in Deutschland: die Zahl der Zukäufe und Beteiligungen schrumpfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 25 auf 11, das Investitionsvolumen ging von 10,1 auf 0,5 Milliarden US-Dollar zurück.

Mehr Deals als in Deutschland gab es in Großbritannien, wo chinesische Investoren bei 17 Unternehmen zum Zug kamen. Da es sich allerdings zumeist um kleine Transaktionen handelte, lag die investierte Summe mit 0,4 Milliarden US-Dollar niedriger als hierzulande.

Größter Deal unter einer Milliarde Euro

Der mit einem Volumen von 930 Millionen US-Dollar europaweit mit Abstand größte Deal war der Einstieg der chinesischen Evergrande Group bei Nevs, dem Saab-Nachfolgeunternehmen und heutigen Hersteller von Elektroautos. Anschließend erwarben Evergrande und Nevs für gut 170 Millionen US-Dollar einen Anteil von 20 Prozent bei der schwedischen Supersportwagenmarke Koenigsegg – der zweitgrößte Deal des Halbjahres.

Die größte Transaktion in Deutschland war der Kauf einzelner Geschäftsbereiche des Kupferproduzenten KME durch Zhejiang Hailiang für 136 Millionen US-Dollar.

Konjunktur in China schwierig

“Der Hauptgrund für die Zurückhaltung der chinesischen Investoren ist die Situation auf dem chinesischen Heimatmarkt: Die konjunkturelle Lage in China ist schwierig, die Unsicherheit groß – nicht zuletzt aufgrund des US-chinesischen Handelskonflikts. Zudem sind einige der chinesischen Unternehmen, die in der Vergangenheit auf dem europäischen M&A-Markt sehr aktiv waren, derzeit entweder mit der Integration der erworbenen Unternehmen oder mit dem Weiterverkauf beschäftigt. Neue Zukäufe stehen bei diesen Unternehmen vorerst nicht auf der Agenda“, sagt Yi Sun, Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei EY.

Zudem gäbe es derzeit wenig attraktive Übernahmekandidaten.

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