Bierflaschen auf einem Fließband in einer Brauerei

Wo stehen deutsche Brauereien international? - Bild: fotopic - stock.adobe.com

Corona und die damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben der Braubranche weltweit zugesetzt. Das zeigt der Bierabsatz für das Jahr 2020 deutlich: Er sank im ersten Pandemiejahr um 4,9 Prozent auf 1,82 Milliarden Hektoliter. Damit erreicht er das Niveau von 2008. Das geht aus dem Hopfenbericht 2020/2021 des Hopfenhändlers BarthHaas hervor.

Dennoch seien die Aussichten für die Bier- und damit auch die Hopfenbranche gut. Noch im Oktober letzten Jahres sei man aufgrund der Ausbreitung von Covid-19 von einem Minus zwischen 8 und 14 Prozent ausgegangen.

Von der negativen Entwicklung im vergangenen Jahr war, den Erhebungen zufolge, die Mehrzahl der 172 Erzeugerländer betroffen: 97 mussten einen Rückgang hinnehmen, Zuwächse waren nur in 37 Ländern zu verzeichnen.

Deutschland liegt mit Minus im weltweiten Trend

Mit einem Minus von 5 Prozent liegt der deutsche Biermarkt laut dem aktuellen BarthHaas-Bericht im weltweiten Trend und behauptet mit nunmehr 87,0 Millionen Hektolitern Ausstoß seinen fünften Platz im internationalen Ranking der führenden Biernationen.

Die Plätze 1 bis 4 nehmen unverändert China, die USA, Brasilien und Mexiko ein. Etwas mehr als die Hälfte des weltweit erzeugten Bieres wurde 2020 in diesen Ländern gebraut.

Während die Staaten der Europäischen Union 2020 deutlich ins Minus gerieten:

  • Großbritannien: -6,9 Mio. hl
  • Spanien: -4,8 Mio. hl
  • Deutschland: -4,6 Mio. hl
  • Russland: +2,5 Mio. hl

Insgesamt sank der Ausstoß in Gesamteuropa um 29 Millionen Hektoliter bzw. 5,5 Prozent.

In der Liste der größten Brauereien der Welt gab es laut Barth Haas im Jahr 2020 einige Veränderungen in der Reihenfolge. Denn die Märkte der Brauereien waren unterschiedlich stark von der Corona-Pandemie betroffen.

Beispielsweise schob sich die Carlsberg-Gruppe an Chinas CRB vorbei auf Platz 3, während die französische BGI/Groupe Castel auf den 8. Platz vorrückte und Chinas Yanjing auf Platz 10 verdrängte. Unter den Top 490 kam die deutsche Veltins neu hinzu und verdrängte Chinas Gold Star aus der Tabelle.

 

China produziert das meiste Bier

Insgesamt sank die Bierproduktion der 40 größten Brauereien im Jahr 2020 um 6 Prozent im Vergleich zu 2019. Die Brauereien sind für 86 Prozent der weltweiten Bierproduktion verantwortlich.

Das meiste Bier wird in China produziert (341,11 Millionen Hektoliter), gefolgt von den USA (211,166 Millionen Hektoliter) und Brasilien (151,9 Millionen Hektoliter). Deutschland kommt mit 87,027 Millionen Hektolitern auf den fünften Platz, noch vor Russland mit 79,5 Millionen Hektolitern.

 

Wer kauft wen?

Bei den Unternehmenskäufen war Carlsberg aktiv und übernahm die deutsche Wernesgrüner Brauerei von der Bitburger Gruppe (zum 01.01.2021). Auch der britische Betreiber von Brauereien und Pubs Marston's ging an die Dänen.

AB Inbev verabschiedete sich aus Australien und verkaufte die durch die SABMiller-Übernahme erworbene Carlton & United Breweries an den japanischen Brauereikonzern Asahi. Im Gegenzug erwarb AB Inbev die Mehrheitsbeteiligung an der amerikanischen Craft Beer Alliance.

Indien erwies sich erneut als schwieriges Terrain für ausländische Eigentümer: Sowohl die US/kanadische Molson Coors als auch die spanische Brauerei Mahou-SanMiguel veräußerten ihre indischen Tochtergesellschaften an lokale Investoren.

Anheuser-Busch Inbev

Die belgische Unternehmensgruppe AB Inbev ist, gemessen an der jährlichen weltweiten Bierproduktion, die größte Brauereigruppe der Welt. Der belgische Konzern hat seinen Firmensitz in Brüssel, die operativen Zentralen befindet sich jedoch sowohl in Löwen (Belgien) und New York (USA).

Unter dem Dach von AB Inbev versammeln sich mehr als 600 Marken, darunter so bekannte wie Budweiser, Corona und Beck's. In Deutschland bekannt sind auch Diebels, Franziskaner und Hasseröder sowie Löwenbräu und Spatenbräu. Vertreten ist die Gruppe in mehr als 150 Ländern mit rund 260 Brauereien.

In die Schlagzeilen geriet AB Inbev in den 1990er-Jahren mit einem Bierkartell in den Niederlanden. Mitte der 2000er-Jahre war der Konzern auch an einem deutschen Bierkartell beteiligt, ging als Kronzeuge aber straffrei aus.

 

Heineken

Ebenfalls zu den größten Brauereien weltweit gehört die niederländische Brauerei Heineken. Das Markenzeichen ist die grüne Flasche mit dem roten Stern. Eine weitere bekannte Marke hierzulande ist Desperados oder Amstel.

Heineken besitzt weltweit an zahlreichen Brauereien Mehrheitsanteile, darunter in Österreich, Spanien, Italien und Äthiopien. In Deutschland besitzt Heineken keine Brauereien, ist aber zu 30 Prozent an der Paulander Brauerei Gruppe beteiligt.

Bei Cider-Getränken sind die Niederländer Marktführer. Der außerhalb von England bislang noch wenig bekannte Apfelwein soll künftig auch international für mehr Umsatz sorgen. Hauptabsatzregion für Heineken ist Europa.

 

Carlsberg

Im Jahr 2020 schob sich die dänische Brauereigruppe Carlsberg auf den dritten Platz vor. Der Konzern mit Sitz in Kopenhagen ist in Deutschland vor allem durch Marken wie Astra, Lübzer und Holsten bekannt. Seit 2021 gehört auch die Marke Wernesgrüner zum Carlsberg-Imperium.

Für die Hausmarke Carlsberg wirbt das Unternehmen seit den 1970er-Jahren mit dem Slogan "probably the best beer in the world" (wahrscheinlich das beste Bier der Welt). Auch die zweite bekannte dänische Marke Tuborg ist Teil der großen Carlsberg-Familie, ebenso wie die bekannte britische Brauerei Tetley's aus Leeds.

Carlsberg war in Deutschland in ein Bierkartell verwickelt. 2014 verhängte das Bundeskartellamt gegen die deutsche Tochtergesellschaft und andere Beteiligte Geldbußen wegen verbotener Preisabsprachen in der Gesamthöhe von 321 Millionen Euro.

China Resources Breweries

Das chinesische Unternehmen hat seinen Sitz in Hongkong. Ursprünglich war die Brauerei ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen der internationalen Brauerei SABMiller (49 Prozent) und dem chinesischen Mischkonzern China Resources Enterprise (51 Prozent). Als AB Inbev SABMiller übernahm, verkaufte das Unternehmen seine Anteile an den Mehrheitseigner CRB.

Im Jahr 2019 lag der Konzern noch auf dem dritten Platz, 2020 rutscht er einen Rang nach unten. Das produzierte Bier wird fast nur in China verkauft, die bekannteste Marke ist Snow.

 

Molson Coors Beverage Company

Der Brauereikonzern entstand erst 2005 durch den Zusammenschluss der US-Traditionsbrauerei Coors mit der kanadischen Brauerei Molson. Heute zählt das Unternehmen 26 Brauereien, 13 Brauereien für Craft Beer und eine Produktionsstätte für Cider.

Molson Coors ist vor allem in Nordamerika, Mittel- und Osteuropa (Tschechien, Rumänien, Bulgarien) sowie Großbritannien aktiv. In Deutschland sind sowohl das Unternehmen als auch die Marken weitgehend unbekannt.

Es werden unter Lizenz von Anheuser-Busch Inbev jedoch die Marken Beck's, Löwenbräu und Spartenbräu für Mittel- und Osteuropa produziert und vertrieben.

 

Tsingtao Brewery Group

Tsingtao ist eine der beiden größten Brauereien in China. Sie geht zurück auf eine Brauerei in der ehemaligen deutschen Kolonialstadt Tsingtau (heute: Qingdao). Sie wurde von deutschen Siedlern im Jahr 1903 als Germania-Brauerei gegründet. 1949 wurde das Unternehmen verstaatlicht, in den 1990ern jedoch wieder privatisiert.

Rund 60 Brauereien produzieren in China für den inländischen, aber auch ausländischen Markt. In den USA ist Tsingtao die beliebteste chinesische Biermarke. Im Gegensatz zum Konkurrenten CRB exportiert die Tsingtao Brewery Group gut 50 Prozent ihrer Produktion.

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Asahi Group

Der japanische Brauereikonzern sitzt in der Präfektur Tokio, hat aber auch einen Deutschlandsitz in Köln.

Die Besonderheit: Asahi-Bier wird aus Malz, Hopfen Mais und Reis gebraut. Von der Art her erinnert es an amerikanische und internationale Lagerbiere. Außerhalb Japans ist die Marke vor allem in Asien (Südkorea, Taiwan und China) bekannt. Aber auch in Deutschland ist es vereinzelt zu bekommen.

Seit 2000 wird es in Lizenz in England und Tschechien hergestellt

 

BGI/Groupe Castel

Die Société des Brasseries et Glacières Internationales gehört zur französischen Groupe Castel. Der Getränkekonzern BGI betreibt über 40 Brauereien in 20 Ländern in Afrika.

Der Mutterkonzern Castel mit Sitz in Bordeaux ist ein Familienunternehmen, das in Europa vor allem durch seine Weine bekannt ist. Mit Geschäftsergebnisse oder Finanzauskünfte hält sich der über 90-jährige Firmengründer Pierre Castel sehr zurück.

Die Castels gehören zu den zehn reichsten Familien in Frankreich. Sie besitzen Weinberge in Frankreich, Marokko, Äthiopien und Tunesien. Die Geschichte des Konzerns beginnt in den 1950er-Jahren mit Weinverschnitten (Cuveés) und Franchise-Weinhandelsketten. Heute ist die Castel Group der drittgrößte Weinhändler der Welt. Der Umsatz mit Bier wird jedoch in Afrika gemacht.

 

Andalou Efes

Anadolu Efes, bzw. Anadolu Efes Biracılık ve Malt Sanayii A.Ş., wie es vollständig heißt, ist ein türkischer Getränkekonzern mit Sitz in Istanbul. Das Geschäft gliedert sich in das türkische Biergeschäft, das internationale Biergeschäft sowie eine Sparte mit alkoholfreien Getränken.

In der Türkei ist Anadolu Efes Marktführer beim Bier mit einem Anteil von 75 Prozent. Fünf türkische Brauereien brauen für den Markt. Efes deckt aber auch den osteuropäischen Markt mit Russland, Kasachstan, der Ukraine, Moldawien und Georgien ab. Dort besitzt der Konzern eigene Brauereien.

In Deutschland ist Efes Pilsen ebenfalls zu haben. Es wird in der Gilde Brauerei hergestellt. Für den türkischen Markt braut Efes das deutsche Bier Beck's in Lizenz. Der weltweit größte Bierhersteller AB Inbev ist an Andalou Efes zu 24 Prozent beteiligt.

 

Yanjing

Yanjing ist die dritte chinesische Brauerei in der Top 10 der größten Brauereien der Welt. Der Name leitet sich von der früheren Bezeichnung für Peking ab. Exportiert wird das Bier nach Europa (Deutschland, Österreich), Australien, Japan wie in die USA und nach Großbritannien.

Deutsche Brauereien im internationalen Vergleich

Deutschland gilt als das Bierland schlechthin. Und auch, wenn keine deutsche Brauerei die größte Brauerei weltweit stellt, müssen sich die Bierproduzenten hierzulande nicht verstecken. Immerhin schaffen es acht Konzerne unter den Top 10 der größten Brauereien weltweit. Kein anderes Land ist so häufig in den Top 40 des Hopfenspezialisten Barth Haas vertreten.

Dabei spiegelt der deutsche Biermarkt eine Besonderheit wider: Brauereien und Biere sind hierzulande besonders vielfältig. „Wir beobachten eine fortschreitende Konzentration großer Braugruppen auf dem Weltmarkt, während in Deutschland die Zahl privater Brauereien bis zum Beginn der Corona-Krise von Jahr zu Jahr gestiegen ist“, sagt Hauptgeschäftsführer Holger Eichele im Magazin für Hotellerie und Gastronomie Hogapage.

Die Pandemie habe die Brauwirtschaft hart getroffen. Längst seien noch nicht alle Folgen der Krise abzusehen. „Erst im Jahr 2022 dürfte wieder so etwas wie Normalität zu erreichen sein“, so Eichele.

Der Meinung schließt sich auch das neu in die Top 40 aufgestiegene Veltins an: In Deutschland seien größere Übernahmen hingegen schon eine Weile her und absehbar auch nicht in Sicht. Das liege unter anderem an der starken Position regionaler Biere.

Die größten Brauereien weltweit 2020 im Überblick

  1. AB Inbev (Belgien)
  2. Heineken (Niederlande)
  3. Carlsberg (Dänemark)
  4. China Ressources Snow Breweries (China)
  5. Molson Coors (USA/Kanada)
  6. Tsingtao Brewery Group (China)
  7. Asahi Group (Japan)
  8. BGI/Groupe Castel (Frankreich)
  9. Efes Group (Türkei)
  10. Yanjing (China)

Mehr Informationen zu den Brauereien finden Sie in unserer Bildergalerie.

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