| von Gerd Meyring
Aktualisiert am: 29. Jun. 2020

Insolvenzen sind – leider – normal und gehören zum täglichen wirtschaftlichen Geschäft. Doch nicht immer heißt "Insolvenz" gleich Pleite. Beantragt ein Unternehmen Insolvenz, bezeichnet das zunächst erstmal eine Situation, in der der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber seinen Gläubigern nicht mehr nachkommen kann. Das heißt aber eben nicht automatisch, dass es das Unternehmen kurze Zeit später nicht mehr gibt. Oft findet der Insolvenzverwalter neue Investoren oder Eigner oder ein Sanierungsplan wird erstellt, der den Geschäftsbetrieb am Laufen halten soll.

Große Namen, große Pleiten

Doch auch das klappt nicht immer. Und wenn es dann noch ein besonders großes oder prominentes Unternehmen ist, sind die Folgen verheerend. Solche Pleiten wirbeln dann mehr Staub auf als andere, etwa die der Fluggesellschaften Germania und Air Berlin oder des Drogeriediscounters Schlecker. Findet sich dann kein Investor, der der Überschuldung mit einer neuen Strategie zu Leibe rückt, sind oft sind Tausende Mitarbeiter betroffen.

Im Jahr 2019 waren erneut große Namen betroffen: Gerry Weber, Thomas Cook, Germania oder das Windanlagenunternehmen Senvion mussten Insolvenz anmelden. Auch der Automobilzulieferer Eisenmann, Loewe und Kettler waren überschuldet. "Das wirklich Dramatische an diesen großen Insolvenzen ist der Dominoeffekt auf viele Unternehmen in der gesamten Lieferkette", sagte Ron van het Hof, Chef von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Andere Unternehmen würden mitgerissen und könnten selbst in einer Pleite enden. Der durchschnittliche Umsatz der insolventen Großunternehmen liege 2019 bei 339 Millionen Euro, das sind 81 Prozent mehr als der durchschnittliche Umsatz der im Vorjahr pleitegegangenen Konzerne.

Wirecard - Größte Pleite Deutschlands 2020

Nun hat es im Jahr 2020 das DAX-Unternehmen Wirecard erwischt: Der Bezahldienstleister wickelte bargeldlose Zahlungen an Ladenkassen und im Internet ab - ist also eine Schnittstelle zwischen Händlern und Banken bzw. Kreditkartenfirmen. Was führte zur Insolvenz von Wirecard? Einen Teil seines Geschäft hatte das Unternehmen in Asien und im Mittleren Osten an Drittfirmen ausgelagert, die Zahlungen - angeblich - im Auftrag von Wirecard abwickeln sollten. Ein großer Teil dieses Drittgeschäfts bestand allerdings wohl aus Luftbuchungen. Nach aktuellem Stand (Juni 2020) soll es sich um rund 1,9 Milliarden Euro handeln.

Den Skandal aufgedeckt hatte die britische Zeitung Financial Times (FT). Erste Verdachtsmomente gab es bereits 2019. Erst danach fand die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG heraus, dass ein Milliardenbetrag nicht nachgewiesen werden konnte und es sich wahrscheinlich um kriminelle Manipulation handelt.

Die FT-Journalisten hatten es mit ihren Recherchen jedoch nicht leicht: Die deutsche Finanzaufsicht BaFin stellte sich zunächst schützend vor Wirecard und bezichtigte die Rechercheure der möglichen Marktmanipulation. Man hätte einen Kursrutsch auslösen wollen und sich anschließend durch Wetten auf einen fallenden Kurs bereichern wollen. BaFin-Chef Felix Hufeld hat mittlerweile eingestanden, dass es sich dabei um ein "komplettes Desaster" gehandelt habe.

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Mehr Pleiten für 2020 erwartet

Nach jahrelangem Rückgang bzw. Stagnation bei den Pleiten erwarten sowohl Creditreform als auch Euler Hermes für 2020 wieder einen Anstieg der Unternehmenspleiten. Das Magazin Wirtschaftswoche hat einige der Krisenkandidaten ermittelt: Nicht weiter überraschend gehören die Automobilzulieferer dazu - Absatzprobleme der OEMs, der Strukturwandel oder auch zu schnelles Wachstum machen Unternehmen wie Weber Automotive, Avir Guss und der Schlemmer Group zu schaffen. Aber auch Umzugstransportunternehmen und Sicherheitsdienste seien "risikobehaftet", heißt es von Creditreform.

Wir haben die zehn größten und für die Mitarbeiter bittersten Firmenpleiten der vergangenen Jahr zusammengestellt - gerankt nach Anzahl der betroffenen Arbeitsplätze. Hier konnte auch der Insolvenzverwalter nichts mehr machen.

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