Mann in Schutzkleidung überprüft einen Wafer aus Siliziumkarbid

Die USA wollen den strategischen Chip-Markt nicht den Asiaten überlassen. (Bild: Bosch)

| von Dörte Neitzel

Amerika sieht seine Felle davonschwimmen - im übertragenen Sinn. Denn eigentlich ist es die Halbleiterindustrie, um die sich Präsident Joe Biden sorgt. Die Produktionsausfälle der letzten Wochen und Monate und die Bestrebungen Chinas zum Halbleiteranbieter Nummer Eins aufzusteigen, gefährden langfristig die nationale Sicherheit.

Daher lud das Weiße Haus, namentlich Jake Sullivan, Joe Bidens Nationaler Sicherheitsberater, die US-Halbleiterhersteller und deren wichtigste Kunden zum Gespräch. Biden macht das Thema zur Chefsache. Zum einen müssen schnelle Lösungen für den akuten Mangel an Mikrochips in der Autoindustrie her. Der dortige Lobbyverband der Autobauer errechnete, dass die fehlenden Bauteile alleine in den Vereinigten Staaten dazu führen, dass 1,3 Millionen Autos nicht gebaut werden können.

Nach Angaben der Technology & Innovation Foundation (ITIF) fahren heutige Verbrennerautos mit 50 bis 150 Halbleitern. Bei Elektroautos schnellt die Zahl auf bis zu 3.000 in die Höhe. Dabei verwendet die Automobilbranche gerne Chips der älteren Generation, sie gelten als sehr zuverlässig. Doch Auftragsfertiger investieren lieber in Chip-Werke, die Halbleiter der neuen Generation herstellen können. Diese gehen vornehmlich an die Telekomkonzerne und IT-Riesen.

Kuchendiagramm mit den Zulieferern von Microcontrollern für Audi
Audi setzt bei der Produktion seiner Luxus-SUVs auf 38 Microcontroller von sieben Zulieferern. (Grafik: IHS Markit)

Anteil der US-Halbleiterproduktion schrumpft

Wer sich die größten Halbleiterhersteller ansieht, stellt fest: Die meisten der Unternehmen kommen aus den USA. Dort findet vor allem ein Großteil der Forschung und Entwicklung statt. Die Fertigung übernehmen dagegen zunehmend Auftragsfertiger aus Asien. Der größte darunter ist TSMC in Taiwan.

Während im Jahr 1990 noch 37 Prozent der globalen Halbleiterfertigungskapazitäten in den USA lagen, sind des derzeit nur noch magere zwölf Prozent. Zum Vergleich: Europa kommt auf zehn Prozent.

Das Kritische daran: China baut seine Kapazitäten massiv aus. 70 neue Fabs, also reine Produktionsstätten, entstehen über direkte Subventionen und andere Förderungen. So stieg der Anteil der 300-nm-Wafer-Produktion Chinas in den vergangenen sieben Jahren um fast 16 Prozent jährlich. Mittlerweile kommt das Land auf einen Anteil von zwölf Prozent an der weltweiten Kapazität. Das Ziel: 28 Prozent.

Einer Studie von Boston Consulting zufolge ist die Halbleiterproduktion in den Vereinigten Staaten um 50 Prozent teurer als in China. Etwa die Hälfte davon sei auf staatliche Subventionen zurückzuführen.

Produktion soll zurück in die USA

Biden will diesen Punkt mit seinem 2,2 Billionen schweren Investitionsprogramm angehen. 100 Milliarden Dollar davon sollen in den nächsten zehn Jahren in die Infrastruktur sogenannter "kritische Güter" fließen. Dazu zählt auch die heimische Produktion von Microcontrollern.

Doch das ist die langfristige Perspektive. Das kurzfristige Problem lösen die USA damit nicht - zumal der Aufbau neuer Produktionsstätten Jahre dauert. Die Herstellung von MCUs selbst nimmt mindestens 26 Wochen, wenn nicht länger, in Anspruch. So rechnen die Experten von IHS Markit etwa damit, dass die von TSMC angekündigte Fab in Nordamerika erst im Jahr 2024 ihren operativen Betrieb aufnimmt.

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