Eine Person mit Handschuhen kontrolliert Silizium-Wafer in der Halbleiterproduktion

Wafer-Kontrolle in der Halbleiterproduktion. (Bild: I'm Thongchai - stock.adobe.com)

| von Dörte Neitzel

Zwei von drei deutschen Unternehmen (66 Prozent) importieren digitale Bauteile und Hardware-Komponenten wie Chips, Sensoren oder Prozessoren. Je größer die Unternehmen, desto wichtiger sind die Importe. Bei den Unternehmen ab 500 Beschäftigten importieren 83 Prozent solche digitalen Bauteile.

Hardware-Komponenten sind quer durch alle Branchen gefragt. Besonders hoch ist die Nachfrage in der Chemie- und Pharmaindustrie (72 Prozent) sowie in der Finanzbranche (71 Prozent). Auch im Handel (62 Prozent) sowie in der Automobilindustrie und im Maschinen- und Anlagenbau (je 61 Prozent) ist die Mehrheit der Unternehmen betroffen. Das sind Ergebnisse einer Studie zum Thema Digitale Souveränität im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Wasserverbrauch bei Halbleiterfertigung ist hoch

Als ob die weltweite Versorgung der Industrie mit Halbleitern nicht schon angespannt genug ist, droht jetzt ein weiterer Engpassfaktor: Die Chip-Produzenten auf Taiwan leiden zunehmend unter Wassermangel, denn die Produktion von Halbleitern verbraucht viel Wasser.

Wie die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei berichtete, hat die Regierung des Inselstaates verschiedene Unternehmen angewiesen, weniger Wasser zu verbrauchen. Fabriken in Taoyuan, Taichung, Hsinchu und Miaoli müssen ihren Wasserverbrauch um weitere elf Prozent reduzieren - nach sieben Prozent im Januar. Taiwan leidet unter der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten.

Im vergangenen Jahr gab es keinen einzigen Taifun, der die Wasserreserven aufgefüllt hätte. In normalen Jahren sind es mindestens drei. Die Folge: Taiwans Wasserspeicher sind im Schnitt um einen Meter niedriger als vor einem Jahr.

So reagieren die Chip-Hersteller in Taiwan auf die Dürre

Laut Nikkei verbraucht allein die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), der größte Chip-Auftragsfertiger der Welt, täglich 156 Millionen Liter. TSMC hat, wie andere Halbleiterproduzenten auch, bereits Notfallpläne für die Wasserversorgung in Gang gesetzt. In den Städten Chiayi und Tainan gilt ebenfalls eine Pflicht, den Wasserverbrauch um sieben Prozent zu kappen. Dort produziert TSMC Prozessoren für Apples Iphones.

Taiwans Nummer Zwei unter den Chip-Fertigern, United Microelectronics, nutzt mittlerweile Lkws, die Wasser zu den Produktionsstandorten bringen, so Liu Chi-tung, CFO von UM gegenüber Nikkei. Unimicron ist der weltweit größte Fertiger von Ajinomoto Build-up Film (ABF), einem wichtigen Substrat für das Ätzen von 7- und 5-nm-Chips. Das Unternehmen zeigt sich sehr besorgt über den Wassermangel rund um Hsinchu, dem Herz der Chip-Industrie in Taiwan. Laut CFO Michael Shen spart sein Unternehmen ebenfalls Wasser und nutzt die Versorgung per Lkw. Sollte es jedoch nicht bald regnen, werde es schwer.

Auch Winbond, das in Taichung produziert, plant, die Wasserversorgung mithilfe von Lkw stabiler zu machen. Die beiden Wasserreservoirs in Baoshan, die den Taichung Science Park versorgen, waren Ende Februar nur noch zu 16,6 Prozent und 13,9 Prozent gefüllt. Der Speicher für den Tainan Science Park zeigte einen Pegel von 15 Prozent.

Landwirtschaft vs. Industrie

Etwa 70 Prozent von Taiwans Wasserversorgung geht in die Landwirtschaft. Nur rund 20 Prozent verbraucht die Industrie. Den Rest nutzen Einwohner sowie kleinere Unternehmen und Händler.

Die aktuellen Sparmaßnahmen betreffen daher nicht nur die Industrie. Landwirtschaftliche Flächen werden zum Teil brach gelegt. Das hat bislang 701 Milliarden Liter Wasser gespart. Damit sollen die Vorräte nun bis in den Mai hinein ausreichen. Dann beginnt in der Regel die Regenzeit. Insgesamt verbraucht Taiwan pro Jahr etwa 16 bis 17 Billionen Liter Wasser.

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