Intelligente C-Teile-Behälter

Der Grundsatz des aus Japan stammenden Kanban-Prozesses ist einfach: ein rollierendes Zwei-Behältersystem, das C-Teile „Just-in-time“ direkt am Verbrauchsort zur Verfügung stellt, ein hohes Anpassungspotenzial bei Änderungen des Materialbedarfes und eine größtmögliche Liefersicherheit bei reduzierten Lagerbeständen und geringstmöglicher Kapitalbindung aufweist. (Bild: Würth Industrieservice)

| von Dörte Neitzel
Aktualisiert am: 28. Nov. 2019

Festo hat ein Ziel: maximale Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit von Kunden in der Fabrik- und Prozessautomatisierung. Eine Herausforderung, denn immerhin ist das Unternehmen in 176 Ländern weltweit tätig. Automatisierte Nachbestellungen, frühzeitige Identifikation von Bedarfsschwankungen, verkürzte Reaktionszeiten – das bedeutet Versorgungssicherheit mit C-Teilen.

Automatische Auffüllung der Artikel

Wie im Märchen fühlen sich die Mitarbeiter von Festo in der Abteilung Produktion Linearantriebe im Werk Rohrbach. Auf wundersame Weise wird ein Teil der dort gelagerten Artikel immer wieder aufgefüllt. Möglich macht das eine neue Art Lagerhaltung, das RFID-Kanban-Lager der Würth Industrie Service. Das Werk in Rohrbach dient seit Ende Juli dieses Jahres als Leitwerk für das Pilotprojekt. Johannes Fettig, Leiter Beschaffungsprozesse Rohrbach, ist verantwortlich für die Umsetzung des Projektes: „Für die Lagerung der C-Teile kommt ein spezielles Kanban-Regal zum Einsatz. Der Unterschied zu einem klassischen Kanban-Regal ist jedoch, dass alle Behälter mit einem RFID-Tag ausgestattet sein müssen.“

 

Intelligente Behälter

RFID steht für Radio Frequency Identification und ermöglicht die funkgesteuerte Datenerkennung und automatisierte Übertragung der Bestellungen von der Produktion des Kunden zum Zentrallager der Würth Industrie Service. Der Einsatz von Standard-Behältern von Festo ist daher nicht möglich. Steht ein leerer Behälter auf dem obersten, intelligenten Regalboden, wird der RFID-Tag automatisch ausgelesen und der Status per Funk an die Firma Würth gemeldet.“

C-Teile sind Teile mit geringem Wert – in diesem Fall DIN-Artikel wie Schrauben, Stifte und Sicherungsringe. Der Bereich Montage der Linearantriebe wurde aus einem bestimmten Grund für die Testphase des C-Teile-Managements ausgewählt, wie Johannes Fettig verrät: „Wir haben hier eine komplexe Umgebung mit einer extrem hohen Produktvarianz und benötigen somit viele verschiedene Teile der DIN-Familie. Funktioniert das C-Teile-Management in diesem Bereich, sind wir sicher, dass es auch auf andere Bereiche übertragbar ist.“

Rollierendes Zwei-Behältersystem

In einem 14-tägigen Zyklus liefert eine Spedition Ware in räumlicher Nähe des Kanban-Regals an. Ein Systembetreuer von Würth befüllt das Regal zwei Tage später mit dieser Ware und nimmt die leeren Behälter zur Reinigung und Neuetikettierung wieder mit.

Johannes Fettig ist überzeugt, dass dieses Lagersystem viele Vorteile bietet: „Durch die autonome Versorgung über Würth sinkt die Belastung der Lagerstellplätze im Lager sowie in der internen Logistik. Zusätzlich können sämtliche Wareneingangsprozesse, Kommissionierungen, innerbetriebliche Transporte etc. eingespart werden.“

Abstimmung mit Einkauf und Logistik

Viele Fachbereiche wie der Einkauf, die Rechtsabteilung und Logistik mussten in die Planung und Durchführung des Projektes eingebunden werden. Johannes Fettig erklärt: „Gerade im Hinblick auf Finanzen, Qualität und Vertragswesen waren enorm viele Abstimmungen erforderlich, da es so etwas bisher noch nicht gab. Der Aufwand hat sich gelohnt. Kaum ist das Lager on Betrieb, laufen Planungen, um weitere Kanban-Lager im Rahmen des C-Teile-Managements großflächig im Werk auszurollen.“

Spezielle Kanban-Behälter mit Funk-Chip

Die Grundlage für RFID-Kanban stellt der im Kanban-Behälter integrierte CPS®RFID-Tag (Datenträger) dar. Dieser speichert relevante Informationen wie Behältertyp, Artikelnummer, Bezeichnung, Füllmenge und Charge und kann mit den verschiedenen RFID-Formen der Würth Industrie Service kombiniert werden, die für jegliche Kundenanforderung die passende Lösung bieten.

Die RFID-Lösungen gehören mittlerweile zur Standard-Abwicklung innerhalb der Kanban-Belieferung der Würth Industrie Service. Gemeinsam ist den RFID-Systemen das zielgenaue Steuern der Warenflüsse. Die permanente Übertragung der Daten mittels RFID an das Warenwirtschaftssystem der Würth Industrie Service ermöglicht einen schnellen, transparenten Informationsfluss und eine reibungslose Projektabwicklung. Belieferungszyklen können so auf ein Minimum reduziert und die Behälteranzahl pro Artikel optimiert werden. Andererseits können Bedarfsschwankungen, insbesondere Bedarfsspitzen sowie Saisongeschäft, zeitpunktgenau analysiert und die Disposition im Zentrallager der Würth Industrie Service für die Kunden kontinuierlich angepasst werden.

iSHELF mit 1000 Produkten

Unter der Marke CPS RFID verwendet die Würth Industrie Service die RFID-Technologie seit dem Jahr 2011. Aktuell beliefert die Würth Industrie Service über 300 produzierende Industrieunternehmen mit Systemen des RFID-Kanban. Beim intelligenten Regalboden iSHELF handelt es sich mit nunmehr 1000 Lösungen um das meist eingesetzte Modell.

Schlanke Prozesse

Auch in Zukunft wird die Weiterentwicklung der RFID-Technologien in Bezug auf das C-Teile-Management fokussiert werden und maßgeblich für neue Innovationen sein. Zudem eröffnet die Digitalisierung der Produktionsprozesse und der Materialversorgung neue Möglichkeiten, die das C-Teile-Management einem Wandel unterziehen werden. Schlanke Prozesse werden in Zukunft nicht mehr ausreichen, stattdessen wird die Nachfrage nach individuellen Lösungen steigen, die sich mit dem Gesamtsystem und dem Menschen vernetzen.

Der intelligente Kanban-Behälter iBin und das digitale Regaletikett iDISPLAY der Würth Industrie Service stellen die Weichen für Industrie 4.0 im C-Teile-Management.