Lager mit vollen Regalen

Volle Regale? Nicht alle Lieferanten sind über die steigende Zahl an Aufträgen hocherfreut. (Bild: Maik - stock.adobe.com)

| von Dörte Neitzel

Der B2B-Handel wuchs im ersten Quartal 2021 um 10 Prozent, aber der jüngste Anstieg des Auftragsvolumens stellt die Lieferanten nach einem Jahr intensiver Störungen vor neue Herausforderungen. Das zeigen neue Transaktionsdaten von Tradeshift.

Laut dem aktuellen Index of Global Trade Health von Tradeshift ist das Auftragsvolumen im ersten Quartal um 16,9 Prozent gestiegen und jeder fünfte Lieferant macht sich Sorgen, ob er mit der Nachfrage Schritt halten kann. Die Belastung der Lieferketten ist bei den Herstellern besonders akut. Die Auftragsvolumina in diesem Sektor stiegen im März um 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, aber die Rechnungsvolumina wuchsen im gleichen Zeitraum nur um 20 Prozent.

Das sich abzeichnende Delta zwischen Aufträgen und Rechnungen deutet darauf hin, dass das Betriebskapital nicht an die Lieferanten fließt, um den plötzlichen Anstieg der Kundennachfrage zu unterstützen. In einer Umfrage gaben Lieferanten an, dass fast ein Drittel der Befragten in den letzten sechs Monaten eine Verschlechterung ihrer Cashflow-Position festgestellt hat. Fast die Hälfte meldete eine Zunahme verspäteter Kundenzahlungen seit Anfang des Jahres.

EU-Werke laufen auf Hochtouren

„Das Muster, das wir in unseren Daten sehen, deutet darauf hin, dass die Lieferkettenaktivität beginnt, ein Niveau zu finden, das derzeit auf hundert Meilen pro Stunde eingestellt ist“, so Christian Lanng, CEO von Tradeshift. „Viele Zulieferer sind von den Ereignissen des vergangenen Jahres angeschlagen zurückgeblieben. Jetzt werden sie gebeten, einen Marathon zu laufen, ohne Treibstoff im Tank zu haben. Es ist kein Wunder, dass sich Risse zeigen, besonders im verarbeitenden Gewerbe.“

Jüngste Daten von IHS Market deuten darauf hin, dass die Fabriken in den Kernländern der Eurozone im Jahr 2021 mit einem Rekordtempo gelaufen sind. Die eigene Analyse von Tradeshift zeigt, dass das gesamte Transaktionsvolumen in den Lieferketten in der EU-Region im ersten Quartal um 14,5 Prozent anstieg.

Die Transaktionsvolumina in den USA, die im vierten Quartal um 29 Prozent gestiegen waren, fielen im ersten Quartal mit einem Anstieg von 10,2 Prozent wieder auf den globalen Durchschnitt zurück.

In Großbritannien sind die Transaktionsvolumina seit der Pandemie deutlich zurückgegangen. Aber Tradeshift sieht Anzeichen dafür, dass die Handelsaktivität eine Wende nehmen könnte. Ein Anstieg des Transaktionsvolumens um 6 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 brachte die Lieferkettenaktivität auf das Niveau vor der Pandemie im ersten Quartal 2020.

Nicht-transparente Lieferketten sind anfällig

"Vor einem Jahr hat Covid die globalen Lieferketten in Aufruhr versetzt. Heute sorgt der Erholungsansturm für weitere Unterbrechungen“, so Lanng weiter.

„Die fehlende Transparenz in den Lieferketten macht sie extrem anfällig für Volatilität. Die Digitalisierung ermöglicht Unternehmen widerstandsfähigere, kollaborative Lieferketten aufzubauen. Aber wir müssen viel weiter denken: Es gilt nicht nur die Transparenz entlang der Lieferkette für den Einkäufer zu verbessern, sondern vor allem Systeme einzusetzen, die auch Lieferanten unterstützen und Wert für Einkäufer und Lieferant schaffen.“

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