Mann am Desktop-PC, im Vordergrund ein Bürostuhl mit einer medizinischen Maske angehängt

Corona hat Pandemien als Risiken ganz nach vorne in die Wahrnehmung gespült. (Bild: nito - stock.adobe.com)

| von Dörte Neitzel

Die Corona-Pandemie stellt eine unmittelbare Bedrohung für die individuelle Sicherheit und für Unternehmen dar. Mit der Konsequenz, dass das Risiko andere Gefahren verdrängt hat und unter die ersten Positionen in der Rangliste des Allianz Riskbarometers 2021 gestiegen ist.

Vor 2021 war es in den zehn Jahren der jährlichen Erhebung nie höher als auf Platz 16 gelandet, was zeigt, dass es ein deutlich unterschätztes Risiko war. Im Jahr 2021 ist es jedoch in 16 Ländern auf Platz 1, in den restlichen landet es unter den drei jeweils am größten wahrgenommenen Risiken. Insgesamt untersucht die Allianz die Risikowahrnehmung in 38 Ländern.

In Deutschland schafft es nach wie vor das Risiko "Betriebsunterbrechungen" mit 50 Prozent auf den ersten Platz. Darunter fasst die Allianz auch Lieferkettenunterbrechungen. Im vergangenen Jahr waren noch 55 Prozent der Befragten der Meinung, dass Betriebsunterbrechungen das größte Risiko darstellen.

Auf Platz 2 bleiben die Cybervorfälle mit 48 Prozent (2020: 44 Prozent). Darunter fallen etwa Cyber-Kriminalität, IT-Ausfälle, aber auch Datenschutzverletzungen und die damit einhergehenden Geldbußen und Strafen. Einen rasanten Aufstieg hat das Risiko "Ausbruch einer Pandemie" erlebt. Von Rang 16 im Jahr 2020 (1 Prozent) auf Platz 3 mit 35 Prozent im aktuellen Ranking. Darunter fallen Gesundheits- und Arbeitskräfteprobleme sowie Einschränkungen der Bewegungsfreiheit.

Auch Marktentwicklungen werden als Risiken wahrgenommen. So gelten Volatilität, ein verstärkter Wettbewerb, neue Wettbewerber, Aufkäufe von Unternehmen und stagnierende Märkte als Unsicherheitsfaktoren, die das Geschäft maßgeblich beeinflussen können. 23 Prozent der Befragten schicken das Risiko auf Platz 4 - gestiegen von Platz 5 im vergangenen Jahr (20 Prozent).

Rechtliche Veränderungen fallen dagegen von Rang 3 auf Rang 5. 18 Prozent der befragten Deutschen nehmen Handelskriege, Zölle, Wirtschaftssanktionen sowie Protektionismus, den Brexit oder einen möglichen Zerfall der Eurozone als hohes Risiko wahr.

Diagramm zu den fünf wichtigsten Geschäftsrisiken
Top 5 Geschäftsrisiken in Deutschland. (Quelle: Allianz Riskbarometer 2021)

Internationale Risikowahrnehmung

Auch im internationalen Durchschnitt ist die Furcht vor Pandemien im Ranking nach oben geschossen. Mit 40 Prozent liegt das Risiko auf Platz 2 - nach Rang 17 im Vorjahr (17 Prozent). Aber auch hier besetzen die Geschäftsunterbrechungen den Spitzenplatz mit 41 Prozent - nach Rang 2 mit 37 Prozent im Vorjahr. 

Platz 3 belegen weltweit mögliche Cyber-Vorfälle mit 40 Prozent. In Europa dagegen schätzt man dieses Risiko besonders hoch ein. Nimmt man die Ergebnisse der EU-Länder, kommen mögliche Cyberattacken, IT-Ausfälle und Datenschutzverstöße mit 45 Prozent sogar auf den ersten Platz.

Auf Platz 1 ist das Pandemie-Risiko zum Beispiel in Russland (53 Prozent), Großbritannien (44 Prozent), Australien (45 Prozent) und China (36 Prozent) geklettert. Besonders im Erdbeben und Tsunami geplagten Japan liegen Naturkatastrophen mit 47 Prozent nach Cyber-Vorfällen auf dem zweiten Rang.

Diagramm mit den 10 größten Geschäftsrisiken weltweit 2021
Top 10 Geschäftsrisiken weltweit. (Quelle: Allianz Riskbarometer 2021)

Betriebsunterbrechungen minimieren

Die Corona-Pandemie hat besonders ab März weltweit für massive Betriebsunterbrechungen gesorgt. Kein Wunder also, dass dieses Risiko als besonders kritisch wahrgenommen wird.

"Die Folgen der Pandemie – eine breitere Digitalisierung, mehr Arbeit von zu Hause und die wachsende Abhängigkeit von Technologie in Unternehmen und Gesellschaft – werden die Betriebsunterbrechungsrisiken künftig wahrscheinlich erhöhen", erklärt Jürgen Wiemann, Regionaler Leiter der Sachversicherung bei der AGCS in Zentral- und Osteuropa. „Traditionelle physische Risiken werden jedoch nicht verschwinden und müssen auf der Risikomanagement-Agenda bleiben. Naturkatastrophen, extremes Wetter oder Feuer bleiben für viele Branchen die Hauptursachen für BU, und wir sehen weiterhin einen Trend zu schweren Schäden.“

Um künftigen Unterbrechungen vorzubeugen, machen viele Unternehmen sowohl ihre Betriebsabläufe als auch ihre Lieferketten robuster. Die am häufigsten genannten Maßnahmen sind laut Allianz Risk Barometer 2021:

  • Ein verbessertes Business Continuity Management (62 Prozent)
  • Alternative oder mehr Lieferanten (45 Prozent)
  • Digitalisierung der Lieferkette für mehr Transparenz (32 Prozent)
  • Verbesserungen bei der Lieferantenauswahl und -prüfung (31 Prozent).

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