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| von Dörte Neitzel

Lange muss man nicht überlegen, bis einem gängige Klischees zu unseren Nachbarn im Westen einfallen. Doch über die Businesswelt der Niederlande wissen nicht alle richtig Bescheid. Dabei sollten sich gerade Einkäufer für den Umgang mit den geschickten Kaufleuten wappnen, um Fettnäpfchen bestmöglich zu umgehen. Diese Tipps helfen Ihnen dabei.

Unbedingt locker machen

Wenn deutsche Ordnung und Akribie auf die entspannte Herangehensweise der Niederländer treffen, kann das schnell zu Problemen führen. Stellen Sie sich darauf ein, dass es bei Meetings keine feste Agenda gibt. Seien Sie stattdessen flexibel und bringen Sie genügend Zeit mit. Bei aller Lässigkeit: Pünktlichkeit wird trotzdem gefordert.

Generell sollten Besprechungen aber mit genügend Vorlaufzeit geplant werden, damit jeder sich gründlich vorbereiten kann. Und auch wenn der Ton im Meeting mal lockerer ist und man sich über andere Dinge unterhält, arbeiten Niederländer äußerst problem- und zielorientiert. Sie sollten deswegen nie zu ausufernd argumentieren und zügig auf den Punkt kommen.

Auch die getroffenen Vereinbarungen sollten zeitnah umgesetzt werden. Oftmals kann es da zwischen Deutschen und Niederländern zu Missverständnissen kommen.

Während es bei uns üblich ist, alles nochmal schriftlich zu fixieren und zu bestätigen, gilt in den Niederlanden oft bereits die mündliche Zusage als konkreter Auftrag. Im Zweifelsfall sollten Sie also lieber bei Ihrem Geschäftspartner nachfragen, bevor Sie gar nichts tun.

Besonders wichtig: Alle dürfen mitbestimmen

Typisch für unsere niederländischen Nachbarn sind die äußerst flachen Hierarchien innerhalb der Unternehmen. Hier dürfen fast alle mitentscheiden, weshalb Sie nicht nur zu höheren Angestellten freundlich sein sollten. Es kann sein, dass am Ende die Sekretärin oder der Pförtner die Entscheidung kippen können.

In einigen Unternehmen ist es nämlich durchaus üblich, wichtige Geschäfte in Mitarbeiterversammlungen zu debattieren. Generell gilt, dass jeder in solchen Diskussionen ganz offen seine Meinung sagen kann. Das zeigt, wie viel Wert in den Niederlanden auf Teamwork gelegt wird. Für Sie bedeutet das auf jeden Fall: Geduld mitbringen!

Viele Deutsche sind hin und wieder enttäuscht, wenn sie nicht mit leitenden Angestellten verhandeln. Sie können sich aber darauf verlassen, dass Sie immer einen Ansprechpartner vorfinden, der Mitspracherecht hat.

Deutsch oder Englisch?

Diese Frage lässt sich leicht beantworten: Sie sollten nicht pauschal auf Deutsch in ein Gespräch starten. Es gibt zwar einige Niederländer, die Deutsch sprechen, aber manche glauben auch nur, es zu können. Dass das zu Missverständnissen führen kann, ist schon sprachlich vorgegeben.

Beispielsweise bedeutet das Wort „doof“ in den Niederlanden „taub“. Aber es funktioniert auch umgekehrt: Das niederländische Wort „bellen“ heißt übersetzt „telefonieren“. Um solche Verständnisprobleme zu umgehen, empfiehlt sich das Englische als Sprache.

Sie oder Du?

Auch die Geschichte spielt bei der Sprachwahl eine Rolle – gerade bei älteren Niederländern. Schließlich haftet Deutschland durch die Besetzung im 2. Weltkrieg immer noch etwas Negatives an. Durch die deutsche Sprache können geschäftliche Beziehungen unbewusst verschlechtert werden.

Die richtige Anrede hat auch ihre Besonderheiten. „Du“ wird wie das englische „you“ benutzt und ist somit nicht unhöflich. Nur, wenn jüngere Leute mit Älteren sprechen, geht es bei den niederländischen Nachbarn förmlicher zu. Sie sollten aber in jedem Fall zunächst siezen und abwarten. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Bescheidenheit ist gefragt

Wer mit dem teuren Luxusschlitten vorfährt und dann noch die ganze Zeit arrogant und herablassend von seinen Errungenschaften erzählt, ist bei Niederländern schnell unten durch. Das zeigt sich auch darin, dass sie keinen Wert auf Titel legen. In Gesprächen also lieber immer etwas tiefer stapeln als man könnte. So bauen Sie eine gute Beziehung zu Ihrem Geschäftspartner auf.

Mit Ihrer Kleidung sollten Sie ebenfalls vorsichtig sein. Designeranzug und protzige Uhren sowie Schmuck können Sie getrost zu Hause lassen. Ein normaler Anzug für Herren und ein Kostüm für Frauen reicht völlig. Je nach Branche wird der Dresscode sogar noch lockerer gehandhabt.

Small Talk auf Niederländisch

Es sind vor allem die Gespräche neben dem Geschäftlichen, die eine gute Verbindung zum Gegenüber herstellen und am Ende entscheidend sein können. Sollte Ihnen in den Niederlanden etwas besonders gut gefallen, dann erwähnen Sie das auch lobend. Sie können in diesen Situationen nochmal zeigen, dass Sie tolerant und entspannt eingestellt sind.

Trotz aller Toleranz gibt es Themen, die man eher nicht ansprechen sollte. Dazu zählen der 2. Weltkrieg und die Fußballrivalität zwischen Deutschland und den Niederlanden. Man sollte sich auch nicht abfällig zum Königshaus oder zur Nation äußern.

Und bitte sprechen Sie nur von Holland, wenn Sie auch wirklich die Region meinen. Berufliches und Privates wird außerdem eher auseinandergehalten.

Pluspunkt: Die richtige Prise Humor

Wer lachen kann und andere zum lachen bringt, wird mit den Niederländern schnell vertraut sein. Besonders gut kommt es an, wenn Sie über sich selbst lachen können. Legen Sie sich also vielleicht den ein oder anderen Witz über Deutschland zurecht.

Übrigens dürfen Sie Humor auch in Präsentationen oder bei ernsten Entscheidungen einstreuen. Damit treffen Sie genau den Geschmack von niederländischen Geschäftspartnern.

Autor: Thomas Metschl

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