Laborutensilien

Die Chemiebranche will - und muss - weiterhin global beschaffen. (Bild: Pixabay)

| von Dörte Neitzel

Die globalen Supply Chains der Chemiebranche benötigen strukturelle Anpassungen, um widerstandfähiger gegen Ausfälle und gleichzeitig nachhaltiger zu werden. Protektionismus und Handelskriege gelten als größte Herausforderung für die internationale Beschaffung - noch vor Pandemien und Naturkatastrophen. Deutsche Chemiemanager schätzen jedoch das nationale politische Umfeld in der Coronakrise und zeigen sich deutlich zufriedener mit dem Standort Deutschland als noch vor sechs Monaten.

Das sind die Ergebnisse der 34. CHEMonitor Trendumfrage von Camelot Management Consultants, für die Top-Manager der deutschen Chemieindustrie zwischen Februar und Mai 2020 befragt wurden. „Die Lieferketten deutscher Chemieunternehmen bleiben auch zukünftig global, werden jedoch neu aufgestellt: Die Post-Corona Supply Chain setzt auf die Balance von Kostenoptimierung auf der einen Seite sowie Sicherheit und Ökologie auf der anderen“, kommentiert Josef Packowski, Managing Partner bei Camelot, die CHEMonitor-Ergebnisse.

Glokalisierung: Globales Netzwerk und lokale Produktion

Die Globalisierung im Sinne einer einfachen Kostenoptimierung weiche dabei einer "Glokalisierung" in Form von lokalisierten Produktionen in globalen Supply-Chain-Netzwerken mit lokal angepassten Produktions- und Distributionsstrategien gemäß den jeweiligen wirtschaftspolitischen Vorgaben.

Die größten Herausforderungen für die globalen Lieferketten sehen die Manager im zunehmenden Protektionismus einzelner Staaten und in Handelskriegen (68 Prozent). Erst an zweiter Stelle folgen Pandemien und Naturkatastrophen mit 63 Prozent der Nennungen.

Befragt nach den Auswirkungen dieser Herausforderungen auf das eigene Unternehmen, gaben 77 Prozent der Manager an, ihr Unternehmen spüre diese bereits, weitere 17 Prozent erwarten dies für die kommenden Jahre. Neben Handelskonflikten und Corona-Pandemie ist der Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft der Europäischen Union ein weiterer Treiber zur Umgestaltung bestehender Lieferketten. 68 Prozent der befragten Chemiemanager stimmen der Aussage „die Rohstoffabhängigkeit der europäischen Chemieindustrie verringert sich durch zirkuläre Supply Chains signifikant“ ganz oder teilweise zu.

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Zuversicht in der Krise

Die befragten Chemiemanager scheinen das Krisenmanagement in Deutschland zu schätzen. So bewerten drei Viertel von ihnen den Standort Deutschland mit „gut“ oder „sehr gut“ – 20 Prozentpunkte mehr als noch vor sechs Monaten. Besonders positiv entwickelte sich die Bewertung des Standortfaktors „politisches und rechtliches Umfeld“ (+12 Prozentpunkte).

„Zwar gehen die Manager der deutschen chemischen Industrie nach dem Lockdown erwartungsgemäß von einem starken Einbruch bei Umsatz und Ertrag aus. Eine im Vergleich dazu geringe erwartete Abnahme der Beschäftigungszahlen und ein deutlich gesteigerter Einsatz von innovativen digitalen Technologien spiegeln jedoch die positive Einstellung wider, diese Krise zu überwinden und gestärkt aus ihr hervorzutreten“, kommentiert Jörg Schmid, Studienleiter des CHEMonitors.

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