Roboter und Mensch begrüßen sich per Faust

Automatisierte Prozesse helfen auch dem Einkauf immer mehr auf die Sprünge. (Bild: Alexander Limbach/Adobestock)

| von Roy Anderson, CPO und Digital Transformation Officer Tradeshift

Wie sieht die Zukunft der Beschaffung aus? Die herkömmliche Ansicht ist:

  • Moderne Technologie wird die traditionell eher schwerfällige, administrative Beschäftigungsstruktur auf den Kopf stellen und
  • in Zukunft werden für die Beschaffung nur Personen in leitenden Positionen mit strategischen Aufgaben benötigt.

Diese Annahme ist jedoch nicht wirklich zutreffend. Die Digitalisierung hat nicht nur Roboter-Prozessautomatisierung (RPA) eingeführt, sondern auch Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen. Diese Lösungen sind in der Lage, kreatives Denken und Verhandeln zu übernehmen und damit auch leitende Positionen teilweise zu ersetzen.

Roboter helfen beim Einkaufsprozess

Ich habe miterlebt, wie ein KI-Roboter eingehende E-Mails las und Verhandlungen mit einem Lieferanten unterstützte, indem er den Empfänger über die Grundaussagen der E-Mail informierte und ihn im Anschluss hinsichtlich der besten Verhandlungsmethode beriet.

Ich habe auch gesehen, wie ein anderer KI-Roboter einen 150-seitigen Vertrag in Sekundenschnelle las und die aussagekräftigsten und wichtigen Bereiche markierte. Wenn Sie statt 150 Seiten plötzlich zum Beispiel nur noch sieben Klauseln lesen müssen, ist das eine sehr effektive Arbeitserleichterung.

Wissen wächst schneller

Und von solchen Beispielen gibt es viele. Das zeigt deutlich, wie KI die Arbeitswelt verändert und effizient auch bei komplexen Entscheidungen unterstützen kann. Nehmen wir an, eine Person hat früher beispielsweise zehn Aufgaben pro Monat erledigen können. Mithilfe von KI sind es dann 500.

Hinzukommt die ständige Weiterentwicklung des Internets. Von uns Beschaffungsexperten wird erwartet, dass wir Experten in verschiedenen Märkten sind. Früher dauerte es Jahre, diesen Wissensstand zu erlangen. Aber im Zeitalter des Internets mit seiner Fülle an Informationen geht es viel schneller.

Der Vorteil dabei: Wir können auf vielen verschiedenen Beschaffungsmärkten arbeiten, statt mit einem kleineren Set. Das ist eine positive Entwicklung, solange die Qualität der Beratung weiterhin auf einem hohen Niveau stattfindet.

Wo sind die Experten für digitale Beschaffung zu finden?

Natürlich kann die Tendenz dahin gehen, dass oben Gesagte zu lesen und etwas in Panik über den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen zu geraten. Ja, irgendwann wird vielleicht weniger Personal benötigt. Aber im Beschaffungswesen müssen immer noch Personen mit den richtigen Fähigkeiten eingestellt werden, um dieses immer komplexer werdende industrielle Ökosystem zu überwachen.

Einkaufsabteilungen werden viel kommerziellere Funktionen innerhalb eines Unternehmens haben, so dass es vielleicht nicht einmal mehr "Beschaffung" genannt wird. Es könnte stattdessen häufiger als "kommerzielle Unterstützung (Commercial Support)" bezeichnet werden oder vielleicht als Teil einer breiteren kommerziellen Gruppe subsumiert werden, die sich aus Lieferanten und Käufer zusammensetzt.

Ähnlich einem Amazon Marktplatz und einer LinkedIn-Plattform, wo sich Unternehmen und Leute aus der ganzen Welt untereinander flexibel, in Echtzeit und komplett digitalisiert austauschen, bestellen und bezahlen.

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Welche Fähigkeiten brauchen Einkäufer in Zukunft?

Für diese Veränderungen braucht es neue Qualitäten beim Personal, um effektiv arbeiten zu können:

  • Erstens ruft der verstärkte Technologieeinsatz mehr digitale Experten auf den Plan. Diese müssen in der Lage sein, fortschrittliche technische Lösungen zu analysieren und für das Unternehmen gewinnbringend einzusetzen und zu nutzen. Diese Experten wissen um die Veränderungen im Beschaffungswesen und können den Entscheidungsträgern die Vorteile der eingesetzten Technologien vermitteln.
  • Auf der anderen Seite der Beschaffung braucht es marktorientierte, innovative Experten. Das bedeutet Menschen, die ihren Ausgabenbereich technisch verstehen, eine Vision für die Zukunft haben und wissen, wie sie Kosten senken können.

Um Personal mit diesen Fähigkeiten zu rekrutieren, müssen die Organisationen nach Fachleuten mit neuen Skills Ausschau halten, die einige Jahre Erfahrung in Funktionsbereichen als Analysten und Ähnlichem gesammelt haben.

Statt Gewicht auf die Einstellung von Personen mit direkter Beschaffungserfahrung zu legen, wäre es ratsam sich an große Beratungsfirmen zu wenden, da solche Organisationen technische Experten hervorbringen, die sowohl über kaufmännische als auch verkaufstechnische Fähigkeiten verfügen.

Dies ist natürlich eine Vision für die Zukunft. Die Unternehmen sollten jedoch ihre vorhandenen Talente auf diesen Wandel vorbereiten, indem sie von der konventionellen Ausbildung weggehen und stattdessen die Ausbildung in Analytik und digitalem Bewusstsein fördern.

Wenn Sie selbst im Beschaffungswesen tätig sind, sollten Sie sich Gedanken über Ihre persönliche Entwicklung machen und überlegen, welche Fähigkeiten Sie in dieser Zukunftsbranche einbringen können. Dazu gehört die Teilnahme an Vorträgen und Konferenzen, bei denen es nicht unbedingt um Beschaffung, sondern mehr um Technologien und Digitalisierung geht.

Irgendwann wird die Beschaffung mit Hilfe von Automatisierung der Vergangenheit angehören. Erfolgreich werden dann diejenigen Unternehmen sein, die die Digitalisierung fördern, vorantreiben und in sie investieren.

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