Schild mit dem Schriftzug Insolvenz

Zahl der Insolvenzen soll stark zunehmen. (Bild: Pixabay)

| von Dörte Neitzel

Noch im Februar konstatierte das vierteljährliche Risikobarometer des französischen Kreditversicherers Coface, dass die Hauptrisiken für dieses Jahr nicht-ökonomische wären: politische und umweltbezogene Risikofaktoren wie der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt oder Dürren. Drei Monate später hat ein anderes nicht-ökonomisches Risiko das Zepter übernommen: die Covid-19-Pandemie.

Ausgehend von China zwingt das neue Corona-Virus die Bevölkerung in weltweit rund 50 Ländern zum Zuhausebleiben und damit ganze Volkswirtschaften in die Knie. Laut Coface sei der Vergleich mit vorherigen Krisen wie der 2008er-Immobilienblase oder der großen Depression 1929 nicht möglich, da deren Ursprung im Finanzsystem gelegen habe. In diesem Kontext jedoch gehe es nicht mehr darum, welche Länder und Sektoren betroffen seien, sondern vielmehr darum, welche von dem Schock ausgenommen seien. Beispielsweise die Pharmaindustrie und - in einem geringeren Ausmaß - die Lebensmittelbranche.

Ein Viertel mehr Pleiten

Laut Coface-Report werde die Weltwirtschaft in diesem Jahr ihre erste Rezession seit 2009 erleben (-1,3%). 68 Länder würden eine Rezession erleben - gegenüber 11 im letzten Jahr. Zudem werde das internationale Handelsvolumen im zweiten Jahr in Folge sinken (-4,3% gegenüber -0,4% im vergangenen Jahr).

Das bedeutet auch: Unternehmen müssen sich auf steigende Kreditrisiken einstellen. Im gleichen Atemzug rechnen die Coface-Experten mit einem Anstieg der weltweiten Insolvenzen um ein Viertel (25%). Zum Vergleich: Im Januar hatten sie noch mit einem Anstieg von zwei Prozent gerechnet. Allerdings sei das nur unter der Voraussetzung, dass die Wirtschaft im dritten Quartal langsam wieder in Gang komme und es keine zweite Corona-Welle gebe. Im Jahr 2009 gab es einen Anstieg der Unternehmenspleiten um 29 Prozent.

Regionale Unterschiede: USA besonders betroffen

Mit den meisten Insolvenzen (+39%) rechnet Coface in den USA, dicht gefolgt von Großbritannien (+33%) und Spanien (+22%). Italien (+18%), Frankreich (+15%) und Deutschland (+11%) liegen unter oder genau auf dem westeuropäischen Durchschnitt von 18 Prozent.

Den größeren Schock sieht der Kreditversicherer jedoch in den Schwellenländern. Besonders Länder wie Brasilien oder Venezuela sind extrem ölabhängig und kämpfen zusätzlich noch mit dem Preisverfall des Rohstoffs sowie mit dem Abzug von Kapital aus ihren Ländern.

Chart über Insolvenzen 2019 und die erwarteten Pleiten 2020
Erwartete Insolvenzen 2019 und 2020. (Grafik: Coface)

Der Eintrag "freemium_overlay_form_tue" existiert leider nicht.