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Einkaufsführer: Gleitlager richtig einkaufen

Erstellt am 23. August 2019

Einkaufsführer: Gleitlager richtig einkaufen

Gleitlager wirken auf den ersten Blick technisch unspektakulär. Tatsächlich sind sie jedoch präzise Bauteile, bei deren Beschaffung Sie einiges beachten sollten. Wir geben Tipps, wie Sie Gleitlager richtig einkaufen.

Gleitlager sind Bauteile, die gezielte Funktionen in anspruchsvollen Applikationen, wie zum Beispiel Hydraulikpumpen, Kompressoren oder Getrieben erfüllen. Neben Wälzlagern sind sie die im Maschinen- und Gerätebau am häufigsten genutzten Lager

Anforderungen und Einsatz

Gleitlager dienen der Aufnahme und Weiterleitung von Kräften zwischen relativ zueinander bewegten Bauteilen. Dabei wird die Lage der bewegten Bauteile zueinander bestimmt und die Führungsgenauigkeit in der Bewegung sichergestellt. Gleitlager sollen möglichst hohe mechanische Lasten vertragen und gleichzeitig nur einen geringen Verschleiß innerhalb der Lebensdauer aufweisen. Ebenso sollen sie hohe Gleitgeschwindigkeiten ertragen und unempfindlich gegen Störungen aus der Lagerumgebung sein.

Ein Maschinist bestückt eine Maschine mit einem Gleitlager

Ein Maschinist bestückt eine Maschine mit einem Gleitlager. (Bild: KS Gleitlager)

 

Im Vergleich zu Wälzlagern bieten Gleitlager eine Reihe von Vorteilen: geringeren Platzbedarf, leichte Montage, hohe Tragfähigkeit, Geräuschminimierung, Stoßunempfindlichkeit und nicht zuletzt geringere Kosten. Bei ruhenden Anwendungen haben Gleitlager außerdem den Vorteil, dass sie sich nicht eingraben und nicht festrosten. Bei Verwendung in vibrierenden oder schwenkenden Anwendungen entsteht bei Gleitlagern keine Riffelbildung („False Brinelling“, Muldenbildung, Stillstangsmarkierung oder Schwingververschleiß).

Durch ihre spezifischen Eigenschaften werden die Gleitlager in fast allen Industriezweigen eingesetzt und eignen sich insbesondere bei Anwendungen:

  • Mit hohen Geschwindigkeiten in flüssigkeitsgeschmierter Umgebung, z.B. Turbinen, Generatoren, Zentrifugalpumpen, Schiffswellenlager
  • Mit niedrigen Geschwindigkeiten und hohen Pressungen, wobei auch Stöße und Vibrationen auftreten können, z.B. Pressen, Hämmer
  • Bei einfachen Lagerungs- oder Führungsaufgaben, da sie sich mit geringem Aufwand und kostengünstig umsetzen lassen, z.B. bei Hebewerkzeugen, Agrarmaschinen, Küchenmaschinen
  • Im Bereich der Verbrennungsmotoren sind Ölgeschmierte Gleitlager die vorherrschende Lagerungsart für Kurbelwellen.

 

Ein Mann hält ein Gleitlager in Kreisform in die Kamera

KS produziert Gleitlager in verschiedenen Größen. (Bild: KS Gleitlager)

Arten von Gleitlagern

Die Unterscheidung der Gleitlagen erfolgt nach der Beschaffenheit der Werkstoffe in:

  1. Metallische Gleitlager
  • Mono-Metall-Gleitlager: aus Stahl, Bronze, Messing oder Aluminium
  • Bi-Metall-Gleitlager: Stahl-Alu, Stahl-Bronze
  • Dreistoff-Gleitlager: aus Stahl-Alu oder Stahl-Bronze mit einer zusätzlichen Galvanik, Sputter oder Polymer-Laufschicht (speziell für Lager im Kurbeltrieb von Verbrennungsmotoren)
  • Metall-Verbund-Gleitlager: Metall-Kunststoff-Verbundwerkstoffe (PermaglideÒ)
  1. Kunststoff-Gleitlager

Einsatz und Vorteile von metallischen Gleitlagern

Vier verschiedene Arten von Gleitlagern

Es gibt zahlreiche Arten von Gleitlagern. (Bild: KS Gleitlager)

 

Metallische Gleitlager zeichnen sich durch exzellente Korrosionsbeständigkeit in industriellen Außenanwendungen sowie Wasser-, Marine- und Offshore-Umgebungen aus. Sie sind in zahlreichen Größen und Formen erhältlich.

Vorteile:

  • Sehr hohe Belastbarkeit, hoher Verschleißwiderstand und gute Korrosionsbeständigkeit.
  • Die Verwendung von Festschmierstoffen in der Kunststoffmatrix ermöglicht den Einsatz von Lagern auch ohne Öl- oder Fettschmierung.

Einsatzbeispiele:

  • Als Hauptlager und Pleuellager in Otto- und Dieselmotoren
  • Lagerschalen in Radialkolben-Maschinen
  • Getrieberotorwellen
  • Kugelgelenkköpfe

Einsatz und Vorteile von Gleitlagern aus Kunststoff

Bei Kunststofflagern handelt es sich um sogenannte Verbundwerkstoffe, die aus Basispolymer, Verstärkungsstoffen (z.B. Fasern und Füllstoffen) und aus eingebetteten Festschmierstoffen oder Ölen bestehen.

Vorteile:

  • Reduzierung von Wartungsarbeiten
  • Keine Schmierung
  • Kosten senken
  • Lebensdauer erhöhen

Einsatzbeispiele:

  • In Pneumatikzylindern
  • Fluidtechnik
  • Getränketechnik
  • Solaranlagen

Autor: Tobias Hack , KS Gleitlager

Bilder: KS Gleitlager


Checkliste für den Einkauf von Gleitlagern

Haken Welche Lasten und Geschwindigkeiten wirken auf die Lager?
Haken Welche Umgebungseinflüsse (Temperatur, Medien, Schmutz, …) sind zu beachten?
Haken Sollen die Gleitlager mit oder ohne Schmierung betrieben werden?
Haken Welcher Gegenpartner (Welle) wird eingesetzt?
Haken Welche Qualitätsstandards und branchenspezifische Zertifizierungen müssen erfüllt werden?
Haken Ist eine Personalisierung und Individualisierung möglich, z.B. durch individuelle Geometrien und Werkstoffe?
Haken Gibt es eine Mindestbestellmenge?
Haken Werden Prototypen und/oder Kleinstserien gefertigt?
Haken Wie schnell kann eine Auslieferung erfolgen?
Haken Bietet der Hersteller eine technische Beratung (telefonisch/ vor Ort) an?

Einkaufsführer in Zusammenarbeit mit KS Gleitlager GmbH

Die Rheinmetall Automotive AG als Motorenkomponentenhersteller beschäftigt sich bereits seit vielen Jahrzehnten mit Gleitlagern für verschiedenste Anwendungen. Heute ist die Business Unit Bearings als Teil der KS Gleitlager GmbH innerhalb von Rheinmetall Automotive der Spezialist für hochpräzise Gleitelemente. Die Einführung neuer Technologien in Produktion und Oberflächenveredelung, innovative Werkstoffentwicklungen sowie eine klare Kundenorientierung haben KS Gleitlager zu einem weltweit führenden Anbieter für metallische Gleitlager und Metall-Kunststoff-Verbundlager (Permaglide®) gemacht.

Das neue Industriegleitlager Kompetenzzentrum mit eigener Industriezelle am Hauptsitz der KS Gleitlager GmbH in St. Leon-Rot stellt maßgefertigte Gleitlager ab Losgröße 1 für den Industriebereich her. Die Industriezelle mit einer Fläche von mehr als 700 m² ist mit neuesten Fertigungs- und Versuchsanlagen ausgestattet und kann auf das gesamte Gleitlager-Materialportfolio der Marken

Kolbenschmidt und KS PERMAGLIDE ® zugreifen. Außerdem steht ein erfahrenes Vertriebs- und Ingenieursteam mit den kompletten Problemlösungs- und Fertigungskompetenzen sowie dem Werkstoff-Know-How mit direkten Ansprechpartnern persönlich zur Verfügung.

Mehr unter: https://www.rheinmetallautomotive.com/produkte/gleitlager/ [1]


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