Anzeige
Anzeige
Fotolia_Neue_Wege_Stockpics1

05.09.2018

Auch in Industrieunternehmen kann der Einkauf handeln

Nachhaltigkeit ist mehr als ein Schlagwort. Zunehmend misst die Gesellschaft ihre Unternehmen daran, was sie für den Erhalt der Umwelt und die Menschen tun. Auch der Einkauf kann hierzu einen Beitrag leisten.

Mehr noch als für Dienstleister, Behörden und Handwerker gilt für Industriebetriebe: Ihre Einkaufsstrukturen wie auch die zu beschaffenden Produkte tragen maßgeblich zu ihrem Ansehen in der Öffentlichkeit bei. Jedermann erinnert sich an das skandalöse Verhalten von Elektronikkonzernen, die unter unmenschlichen Bedingungen gewonnene Rohstoffe aus Afrika zu Billigpreisen bezogen haben. Gefordert wird heute, dass bereits beim Einkauf von Produkten die Kriterien Umweltfreundlichkeit und Sozialverträglichkeit berücksichtigt werden.

„Was heißt das für die unternehmerische Praxis?“ fragte Prof. Ulrich Brand von der Universität Wien. Man müsse nicht sofort alles ändern, lautete seine Antwort. Doch in der täglichen Arbeit sei stets zu prüfen, woher die Vorprodukte kommen, und wie das Einkaufsverhalten unter ethischen Aspekten zu optimieren ist. Denn zukunftsfähiges Wirtschaften und Klimawandel machen Anpassungen in allen gesellschaftlichen Bereichen erforderlich – auch im betrieblichen Alltag. Zweifellos werden die Unternehmen dabei mit großen Herausforderungen konfrontiert, denn schließlich herrscht in vielen Branchen großer Konkurrenzdruck. Oftmals wird der Wettbewerb brutal über die Preise ausgetragen, und da ist die Versuchung groß, die Kosten durch möglichst billigen Einkauf zu senken. Aspekte der Nachhaltigkeit bleiben hier manchmal auf der Strecke.

Weitsichtige Unternehmen verhindern solche Entwicklungen, weil sie die zunehmende Bedeutung der Nachhaltigkeit als Faktor für ihre Beurteilung erkannt haben. Sie stellen sich so auf, dass ihr längerfristig angelegtes ökologisches und soziales Verhalten im gesellschaftlichen Trend liegt. Entscheidend ist hierbei das eindeutige Engagement der Unternehmensspitze: Gibt der Konzernchef die „Parole“ der Nachhaltigkeit aus und sorgt auch für ihre Durchsetzung, so ist sie für alle Unternehmensbereiche verbindlich – auch für den Einkauf, dem damit die Chance gegeben wird, das Beschaffungskriterium des niedrigsten Preises nicht als unabdingbare Voraussetzung zu postulieren.

Prof. Brand mahnte eindringlich: „Es geht um Glaubwürdigkeit, und es geht um Weitsicht. Ich glaube, dass gerade ganz viele strategische Fehler gemacht werden.“ Die Umsetzung von Nachhaltigkeit im Betrieb müsse überzeugend gelingen. Hierzu existiert eine Vielzahl unternehmerischer Möglichkeiten und Aktivitäten – von der nachhaltigen Unternehmensführung bis hin zum qualitätsbewussten Einkauf. Ziel muss die Verbindung von ökologischem Nutzen und ökonomischem Gewinn unter Einschluss sozialer Belange sein. Bei Ausschreibungen im Rahmen von Beschaffungsmaßnahmen kann es daher nicht automatisch so sein, dass der wirtschaftlichste Anbieter gewinnt. Das gilt nicht nur für die großen Industrieunternehmen, sondern gleichermaßen für kleine und mittelständische Betriebe.

Beim Beschaffungsmanagement sind die Kriterien für nachhaltiges Agieren recht klar festzulegen. Denn im Vergleich angebotener Produkte lässt sich zumeist Transparenz hinsichtlich der Folgen ihres längerfristigen Einsatzes herstellen. Was Ausschreibungen betrifft, stellte Ann Godula von der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers fest: „Umwelt ist das Favoritenthema, das dabei abgefragt wird.“ Es gibt keine Gründe zu zögern, die Lieferanten mit den eigenen, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Anforderungen an ihre Produkte zu konfrontieren. Das kann durchaus bis hin zu Einzelabfragen für bestimmte Erzeugnisse gehen: Welche Eigenschaften haben sie im Hinblick auf Haltbarkeit, Ressourcenschonung, Umweltverträglichkeit? Kann dies durch Zertifizierungen nachgewiesen werden?

Der Einkaufsbereich kann sogar eine Vorreiterfunktion für die Umstellung des gesamten Unternehmens auf Nachhaltigkeitsprinzipien übernehmen. Der Anfang lässt sich beim Ankauf ganz trivialer Verbrauchsmaterialien wie etwa Büropapier machen und ist hier relativ unkompliziert. Schritt für Schritt sollten dann die Forderungen nach ethisch einwandfreien Produkten auf andere Beschaffungsfelder bis hin zu den Rohstoffen und zugelieferten Maschinenkomponenten für die industrielle Fertigung ausgeweitet werden. Ein solcher Strategieansatz in Sachen Nachhaltigkeit strahlt letztlich auf die weiteren Unternehmensbereiche aus. Dazu gehört auch eine regalmäßige Schulung der Mitarbeiter im Einkauf. Sie sind über aktuelle Erkenntnisse der Nachhaltigkeitsforschung – vor allem der Folgenabschätzung für einzukaufende Produkte – nicht nur zu informieren, sondern ihnen müssen auch daraus abgeleitete konkrete Handlungsanweisungen zur Verfügung gestellt werden. Helfen kann dabei „Ökoprofit“, ein öffentlich gefördertes Umweltberatungsprogramm und Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften, das bundesweiten Qualitätsstandards folgt und sich an Unternehmen aller Größen und Branchen richtet.

 

DruckenDrucken


Produkt der Woche

Stoeber_Bild_PdW_2018

Auf Nummer sicher

Mit dem SD6 hat STÖBER Antriebstechnik einen kompakten Stand-Alone-Antriebsregler im Programm, der sich für komplexe Anforderungen und Aufgaben in der Automatisierungstechnik und im Maschinenbau eignet. Die hochdynamische Baureihe reagiert dank   [mehr...]

Präsentiert von:

Stoeber_Logo

 





Anzeige