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Autohersteller unterschätzen das Tempo der Digitalisierung

Bild: BMW

15.01.2019

Autohersteller unterschätzen das Tempo der Digitalisierung

Dieselskandal, verspäteter Umstieg auf Elektromobilität und verpasste CO2-Ziele: Deutschlands Autohersteller haben viele Projekte versemmelt. Aber Experten sehen das Schlimmste noch auf die Branche zukommen.

In der erfolgsverwöhnten deutschen Automobilindustrie kriselt es. olkswagen als weltgrößter Autoproduzent musste im Dezember einen Rückgang von 9 Prozent beim Absatz vermelden.

Und ein großen Teil daran ist hausgemacht: Zu lange haben sich deutsche Autohersteller auf ihren Lorbeeren der Vergangenheit ausgeruht, nun erhalten sie die Quittung. Während andere Autohersteller wie GM, Mitsubishi und Nissan schon früh E-Autos vorstellten, blieb es ruhig um die Deutschen. Erst der Dieselskandal öffnete den Herstellern die Augen – seitdem wird hektisch investiert.

Meckern über Grenzwerte

Der Dieselskandal hatte auch noch andere Probleme offenbart: Die Autoindustrie verfehlt seit Jahren die Reduktionsziele für Kohlendioxid. Für das Jahr 2021 liegt das bei einem Flottendurchschnitt von 95 Gramm CO2 pro Kilometer. Dieses Ziel dürften einige deutsche Hersteller mit wehenden Fahnen verfehlen, schreibt die WAZ in ihrer Online-Ausgabe. Es drohten Milliardenstrafen. Dabei liegen die künftigen Reduktionen bei weiteren 35 Prozent.

Deutlich wird das auch an der aktuellen WLTP-Problematik. Seit der Umstellung des Abgastestzyklus auf realistische Werte im September 2018 stehen viele der zuvor produzierten Autos auf Halde, weil sie die Abgasgrenzwerte nicht erfüllen. Die neuen Abgasvorschriften wurden übrigens fünf Jahre zuvor beschlossen. Allerdings führt das Dilemma dazu, dass aktuell nicht mehr so viele neue Autos produziert werden.

Absatzmarkt China mit Problemen

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat die Problematik noch befeuert. Die Strafzölle auf aus den USA importierte Autos sorgte für einen starken Absatzrückgang. Das Problem: Deutsche Hersteller verkaufen ihre Autos aus den USA nach China. Zu spüren bekamen das nicht nur die Premiumhersteller, Volkswagen setzte im Dezember 2018 alleine in China 15 Prozent weniger Wagen ab.

Zulieferer unter Druck

Auswirkungen hat das auch auf die Zulieferer von Daimler & Co. Beispielsweise sieht der Geschäftsführer des Leuchtenherstellers Osram, Olaf Berlien, “dunkle Wolken für 2019 am Horizont aufziehen”. Der Zulieferer verzeichnet aktuell einen “spürbaren” Rückgang der Nachfrage nach Leuchtdioden. Das führe Berlien auf die “rückläufige Autokonjunktur” zurück, schreibt das Handelsblatt. Auch der Reifenhersteller Continental hat für das kommende Jahr keine guten Aussichten.

Am deutlichsten hat bislang Roboterhersteller Kuka deutlich gemacht, dass die Zeiten härter werden: Das Augsburger Unternehmen hat sich ein 300-Millionen-Sparprogramm verschrieben – inklusive Stellenabbau. Die Gründe sehen sowohl Wirtschaftsexperten als auch das Unternehmen selbst zum einen in der rückläufigen Auomobilindustrie, zum anderen gingen die Bestellungen von Robotern aufgrund einer weltweiten Konjunkturabkühlung auch bei anderen Herstellern zurück.

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Autor: Dörte Neitzel

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