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Die Lieferkette mit IoT absichern

Erstellt am 28. August 2019

Die Lieferkette mit IoT absichern

Die sinkende Zahl der Lkw-Fahrer bringt Unternehmen in Bedrängnis. Sie müssen ihre Lieferketten vor Ausfällen schützen. Um Risiken besser zu managen und rechtzeitig auf Verzögerungen zu reagieren, können Anwender der Cloud der Dinge ihre IoT-Lösungen jetzt mit ihrem SAP-System verbinden.

Jede Menge Jobangebote, Antrittsgeld und so gutes Gehalt wie nie – für Berufskraftfahrer sieht die Lage am Arbeitsmarkt rosig aus. Und dennoch bleibt das Führerhaus immer häufiger leer. Schon heute fehlen laut Deutschem Speditions- und Logistikverband (DSLV) mindestens 45.000 Lkw-Fahrer. Da in der Republik das Durchschnittsalter von Lkw-Fahrern bei über 47 Jahren liegt, werden bis 2027 circa 40 Prozent von ihnen in den Ruhestand gehen.

Bis zu 185.000 Brummilenker werden fehlen, so der Jahresbericht der International Road Transport Union. Hilfe aus dem Ausland ist nicht in Sicht, denn hier zeigt sich ein ähnlicher Trend. Dem gegenüber stehen nur rund 10.000 Neuanfänger, die das Speditionsgewerbe in den letzten Jahren für den Fahrerjob ausgebildet hat. Verschärfend kommt hinzu, dass die Anzahl der Transporte weiter zunehmen wird, laut Mittelfristprognose des Bundesamts für Güterverkehr [1] um spürbare 1,6 Prozent, Tendenz steigend.

Mehr Störungen in der Lieferkette

Unternehmen müssen mehr denn je dafür sorgen, dass ihre Supply Chain nicht ins Stocken gerät: Laut einer Studie des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und Riskmethods [2] beklagen 77 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihre Lieferkette in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal unterbrochen war.

Knapp 40 Prozent nannten sogar mehr als fünf Störungen des Geschäftsablaufs. Das entspricht einer Steigerung von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei verursachte jede fünfte Unterbrechung Schäden von bis zu einer Million Euro. Ein großes Problem beim Risiko-Management ist die fehlende Transparenz in der Supply Chain. Die Lösung: Die Prozesse der Lieferkette digitalisieren.

Teewurst aus dem Internet der Dinge

Im besten Fall stehen in einer gläsernen Versorgungskette die gesammelten Informationen allen Beteiligten zur Verfügung: Die Lieferanten für Rind- und Schweinefleisch, kalt geräucherten Speck sowie die Gewürzmischung für Teewurst melden, dass die bestellte Ware lieferbar ist. Am Tag darauf folgt die Information aller Zulieferer, dass die Bestellungen kommissioniert und zum Versand vorbereitet sind.

Rollen die Lkw schließlich vom Hof, überwachen mit dem Internet der Dinge (IoT) vernetzte Sensoren das Innere der Lkw. Die Echtzeit-Daten zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Beschleunigung, Erschütterung, Neigung und Position geben Aufschluss, wann und in welchem Zustand die Ware ihr Ziel erreichen wird. Neben der sensorgestützten Überwachung des Transports vom Zulieferer zum Schutz vor Ausfällen und Lieferengpässen reicht die digitale Supply Chain weiter über die Vernetzung von Maschinen in der Produktion, die Wartungsarbeiten und Ausfallzeiten von Anlagen minimiert, bis hin zur Live-Verfolgung der Auslieferung rund um den Globus. So erfassen Unternehmen alle relevanten Produktionsdaten in Echtzeit und steuern die Lieferkette bedarfsgerecht.

Daten intelligent nutzen

Um ihre Geschäftsprozesse mittels IoT möglichst effizient zu gestalten und Fehler zu minimieren, müssen Unternehmen mit großen Datenmengen umgehen: Alle vernetzten Geräte, Maschinen, Sensoren und IT-Systeme sind über Schnittstellen miteinander zu verbinden und die Daten sinnvoll zu kombinieren.

Eine Herausforderung auch für die internen IT-Anwendungen wie Enterprise Ressource Planning (ERP), Warehouse Management (WM) und Supply Chain Management (SCM), die es mit den IoT-Anwendungen zu verknüpfen gilt. Genau dafür haben SAP und die Telekom jetzt eine Schnittstelle entwickelt: Der Cloud-2-Cloud Connector (C2C) ist Verbindungsstück zwischen der Cloud der Dinge, der IoT-Lösung der Telekom, und der SAP-Cloud.

Sie verknüpft Hardware, Sensordaten, Plattformen und die SAP-Landschaft nahtlos miteinander, sodass die Echtzeit-Daten aus der Telekom Cloud direkt in die SAP-Anwendung weiterfließen. Dabei filtert der C2C-Connector die Rohdaten nach individuell festgelegten Parametern, je nachdem, ob Informationen zur Kühlkette oder zum erschütterungsfreien Transport entscheidend für den Produzenten sind.

SAP S/4HANA für schnelle Geschäftsprozesse

S/4HANA, die aktuelle Version der ERP-Suite von SAP, verarbeitet die wachsenden Mengen von Echtzeitdaten automatisiert. Dafür nutzt das System die In-Memory-Technologie. Sie legt die Daten direkt im Arbeitsspeicher ab statt auf Festplatten.

Der Vorteil: Sie stehen dem Anwender schneller zur Verfügung. Und geben eine stets aktuelle Entscheidungsgrundlage, um auf Ausfälle oder Schwankungen zu reagieren. Automatisiert laufende Prozesse vereinfachen die Arbeit zusätzlich und machen sie effizienter: Leert sich der Vorrat an Gewürzmischung, bestellt das System selbstständig bei dem Anbieter nach, der gerade liefern kann.

Mit so exakten Prozessen ist die Logistik flexibel geplant. Die Transporte sind ihrer Ladekapazität entsprechend besser ausgelastet. Und Unternehmen können die Risiken von Lieferengpässen für sich und ihre Kunden minimieren.

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[1] Mittelfristprognose des Bundesamts für Güterverkehr: https://www.bag.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Verkehrsprognose/verkehrsprognose_Winter_2018_2019.pdf?__blob=publicationFile

[2] Studie des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und Riskmethods: https://www.bme.de/supply-chain-risk-management-herausforderungen-und-status-quo-2291/

[3] Telematik: Wie der Einkauf von vernetzten Lkw profitiert: https://www.technik-einkauf.de/technik/telematik-wie-der-einkauf-von-vernetzten-lkw-profitiert-2/

[4] Autonomes Fahren im Einkauf: Selbstlenkende Lkw senken Kosten in der Lieferkette: https://www.technik-einkauf.de/news/autonomes-fahren-im-einkauf-selbstlenkende-lkw-senken-kosten-in-der-lieferkette/

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