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Einkauf in Polen: Zahlungsverzug ist normal

Bild: Pixabay

10.04.2019

Einkauf in Polen: Zahlungsverzug ist normal

In Polen berichten 99 Prozent der Unternehmen von verspäteten Zahlungen. Das hat eine Umfrage des Bonitätsdienstleisters Coface ergeben.

Polen hat 2018 mit einem BIP von plus 5,1 Prozent einen Höhepunkt der wirtschaftlichen Erholung erreicht. Es war das stärkste Wirtschaftswachstum seit 2011.

Trotz dieses positiven makroökonomischen Umfelds sind Zahlungsverzögerungen auf dem polnischen Markt üblich. 99 Prozent der von Coface befragten polnischen Unternehmen erleben Zahlungsverzögerungen. Nur eins von 100 Unternehmen meldet pünktliche Zahlungseingänge.

Im Schnitt fast 60 Tage Verzögerung

Trotz der wirtschaftlichen Beschleunigung haben sich die ausstehenden Forderungen im Jahr 2018 nur leicht reduziert. Der durchschnittliche Zahlungsverzug liegt nun bei 59,9 Tagen, das sind drei Tage weniger als 2017.

Mit Zahlungsverzögerungen von nur 26 Tagen ist die Textilbranche Klassenbester. Die längsten Zahlungsverzögerungen verzeichneten erneut die Transport- und Bauunternehmen mit 140 bzw. 105 Tagen. In dieser Hinsicht gab es in beiden Sektoren eine leichte Verbesserung gegenüber 2017, aber für dieses Jahr wird wieder eine Verschlechterung erwartet.

Den stärksten Anstieg der Zahlungsverzugszeiten verzeichnete der Einzelhandel von 15 auf 44 Tage.

Ausstehende Forderungen verringern sich

Die Zahlungsumfrage untersuchte Zahlungsverzögerungen der Unternehmen, das sowohl die kurzfristige wirtschaftliche Situation als auch das eher strukturelle Geschäftsumfeld widerspiegelt.

„52 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Profitabilität innerhalb der nächsten sechs Monate steigen wird, während 39 Prozent einen Rückgang erwarten”, kommentiert Grzegorz Sielewicz, Regional Economist Mittel- und Osteuropa bei Coface. „Die Textil-, Automobil- und Energiebranchen erwarten eine Verbesserung des Umsatzes. Umgekehrt prognostizieren die Branchen Pharma, Metall und Bau einen Umsatzrückgang.”

Laut Coface-Umfrage gehen neun von zwölf Branchen davon aus, dass sich die ausstehenden Forderungssummen in den kommenden Monaten verringern werden.

Liquidität leidet unter steigenden Kosten und sinkenden Margen

Die Umfrage zu den Zahlungserfahrungen polnischer Unternehmen bestätigt den Trend zu Zahlungsverzögerungen, der auch in anderen mittel- und osteuropäischen Ländern zu beobachten ist.

„Die robuste Konjunktur könnte die Herausforderungen, die Unternehmen erwarten, überdecken”, erklärt Katarzyna Kompowska, Regional CEO bei Coface für Nordeuropa. Das könnte auch deutsche Exporteure betreffen.

„Denn starker Wettbewerb und steigende Kosten haben die Margen gedrückt, was zudem die Liquidität der Unternehmen und das Zahlungsverhalten beeinträchtigt. Mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums werden die Unternehmen zudem in einem weniger unterstützenden Umfeld agieren.“

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Autor: Dörte Neitzel

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