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Elektroschrott: 1 Millionen Tonnen werden nicht erfasst

Bild: Pixabay/Didgeman

03.06.2019

Elektroschrott: 1 Million Tonnen werden nicht erfasst

Mehr als eine Million Tonnen Elektroaltgeräte wie kaputte Bügeleisen und Smartphones werden in Deutschland im Durchschnitt jährlich nicht getrennt erfasst – das ist das Gewicht von 100 Eiffeltürmen. Diese Menge geht somit dem nachgelagerten Recycling verloren.

Und auch das Recycling schafft nicht die tatsächliche Ausbeute, die berichtete Recyclingquoten von durchschnittlich 80 Prozent versprechen. Die Quoten werden nach Gewicht der Materialien bemessen, die in die Recyclinganlage reinkommen.

60 Prozent Recycling-Ausbeute

Was tatsächlich beim Recycling rauskommt, liegt Hochrechnungen zufolge nur bei 60 Prozent der zugeführten Gerätemasse. Statt ökologisch relevante, wie seltene Erden, werden hauptsächlich die schweren Rohstoffe, wie Kupfer und Aluminium, wiedergewonnen.

Dies zeigt eine NABU-Studie, die vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und dem Institut für Ökologie und Politik GmbH (Ökopol) durchgeführt wurde.

Pfandsystem für ressourcenrelevante Elektrogeräte

In der Studie wurden die aktuelle Erfassungs- und Recyclingpraxis von Elektrokleingeräten analysiert und bewertet sowie bestehende Defizite identifiziert und entsprechende Verbesserungspotenziale aufgezeigt.

„Damit Verwerter mehr Elektroaltgeräte recyceln, muss die  Erfassungsquote der Geräte verbessert werden. Deutschland muss daher ein Pfandsystem für besonders ressourcenrelevante Gerätekategorien im Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) festlegen. Dafür sollten das Bundesumweltministerium und Verbände Forschungsvorhaben fördern, welche offene Fragen wie beispielsweise die Pfandhöhe, wer das System trägt, wohin der Pfandschlupf geht oder auf wen die Kosten verteilt werden, beantworten“, fordert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Strategische Rohstoffe bleiben außen vor

„Wir konzentrieren uns beim Recycling nur auf die einfachsten Materialien, lassen aber strategische Rohstoffe wie seltene Erden außer Acht. Auch die heutige Vielfalt an Kunststoffen und Zusatzstoffen stellt ein hochwertiges Recycling vor kaum lösbare Aufgaben“, so Volker Handke vom IZT.

„Konkrete Anforderungen an ein derartiges hochwertiges Recycling, welches neben der reine Masse auch die Qualität in den Fokus nimmt fehlen bislang in den gesetzlichen Regelungen sowohl auf der EU und auf nationaler Ebene. Hier muss dringend nachgesteuert werden, wenn wirklich ein Kreislauf für die in Elektrogeräten eingesetzten Materialien erreicht werden soll“, sagt Dirk Jepsen, Ökopol-Geschäftsführer.

Elektroschrott am schnellsten wachsende Abfallkategorie

Ein Hauptproblem für den Verbraucher sei auch das Fehlen von leicht erreichbaren Rückgabeorten. „Der Handel, auch der Online-Handel und Discounter mit Aktionswarenangebot, müssen Rückgabeorte für Elektroaltgeräte in der Nähe der Konsumentin und des Konsumenten, auch im ländlichen Raum, mitfinanzieren“, sagt NABU-Ressourcenexpertin Verena Bax.

Elektroschrott ist eine der am schnellsten anwachsenden Abfälle weltweit. „Immer wieder sehen wir Bilder von Elektroschrottdeponien in Ländern des globalen Südens ohne vernünftige Recyclingstrukturen. Einige Wertstoffe werden unter giftigen Dämpfen händisch wiedergewonnen, Restteile werden zu Lasten der Umwelt verbrannt, deponiert oder in Flüssen gelagert. Obwohl E-Schrott hier in Deutschland verwertet werden kann und muss, gelangen immer wieder kaputte Geräte aus Deutschland in diese Länder“, so Bax.

NABU-Forderungen zur Sammlung von Elektroaltgeräten

Damit Verwerter mehr Elektroaltgeräte recyceln, muss die Erfassungsquote der Geräte verbessert werden. Deutschland müsse daher laut NABU mit dem ElektroG3 ein Pfandsystem für besonders ressourcenrelevante Gerätekategorien einführen. Dafür sollten das Bundesumweltministerium Forschungsvorhaben fördern, welche offene Fragen wie die Pfandhöhe, Trägerschaft des Systems, Verteilung der Kosten und Zuführung des Pfandschlupfs beantworten.

  • Das Exportverbot von nicht funktionsfähigen Geräten soll dann durch ein verbessertes Monitoring und die Vernetzung nationaler und internationaler Behörden gestärkt werden. Hierzu müssen das Bundesfinanzministerium und das Bundesumweltministerium separate Codes für Gebraucht- und Neugeräte in die Kombinierte Nomenklatur des Zolls einführen und den Zugang von Abfallüberwachungsbehörden zu Exportdatenbanken sicherstellen.
  • Die Vertreiberrücknahme müsse im neuen ElektroG3 verbraucherfreundlich gestaltet werden, indem auch Läden mit weniger als 400 m² Ladenfläche sowie Lebensmittelhändler mit Aktionswarenangebot Elektrogeräte und Cross-Over-Produkte unabhängig von der Größe und ohne Anreiz zum Neukauf zurücknehmen.
  • Der Handel, auch der Online-Handel, müssten zentrale Rückgabeorte für Elektroaltgeräte in der Nähe der Konsumentin und des Konsumenten, auch im ländlichen Raum, mitfinanzieren. Diese müssen im besten Fall rund um die Uhr erreichbar sein und sollten nicht an Laden-Geschäftszeiten gekoppelt sein.

Der Handel muss schon beim Kauf von Geräten auf Rückgabemöglichkeiten hinweisen und an zentralen Kundenorten sowie über die Marketingkanäle über die Entsorgung von Elektroaltgeräten informieren.

NABU-Forderungen zum hochwertigen Recycling von Elektroaltgeräten

Die Qualität von Sekundärrohstoffen sollte bei der Beurteilung des Recyclings von Elektroaltgeräten einen höheren Stellenwert bekommen. Durch Anforderungen an eine enge Kreislaufführung sollte das Downcycling der Sekundärrohstoffe verhindert werden. Hochwertige Anforderungen an diese Rohstoffen sollten zum Branchenstandard werden.

  • Die Bundesregierung sollte die Berechnung der Recyclingquote bezogen auf den Output aus der Verwertungsanlage in der Novellierung des Elektronikgesetzes festsetzen. Die derzeitige inputorientierte Berechnung erlaubt keinerlei Aussage über die Qualität des Recyclings und die Hochwertigkeit der Menge.
  • Darüber hinaus sollten das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt materialspezifische dynamische Recyclingquoten für kritische Metalle und Kunststoffe in einer Behandlungsverordnung festschreiben.
  • Auch eine Separationsquote für flammgeschützte Kunststoffe und eine Separationsquote für Gerätebatterien und Kondensatoren, um Schadstoffe sicher zu entfernen und technologische Entwicklung in der Recyclingbranche voranzutreiben, müssen Eingang in eine Behandlungsverordnung finden.
  • Deutschland muss eine vorgezogene Recyclinggebühr auf Neugeräte erheben (Schweizer Modell).

Eine Rezyklateinsatzquote für Kunststoffe muss Eingang in die Durchführungsmaßnahmen der EU Ecodesign Richtlinie finden, um die Nachfrage nach Rezyklaten auch im Elektrogerätebereich, in dem der Kunststoffanteil stetig steigt, zu erhöhen.

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Autor: Dörte Neitzel

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