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EMI: Industrieproduktion kühlt im November 2018 weiter ab

Bild: Pixabay

06.12.2018

EMI: Industrieproduktion kühlt im November 2018 weiter ab

Die deutsche Industrie leidet weiter unter einem Herbstblues. Mit 51,8 Punkten gab der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) im November den vierten Monat in Folge nach und fiel auf ein 31-Monatstief.

Die nach wie vor schwächelnde Automobilindustrie sowie die anhaltenden geopolitischen Störfeuer hinterließen erneut deutliche Spuren im Verarbeitenden Gewerbe der größten Volkswirtschaft Europas, teilt der englische Finanzdienstleister IHS Markit mit.

Eine EMI-Notierung unter der Referenzlinie von 50 zeigt an, dass die Geschäfte des Verarbeitenden Gewerbes im Vergleich zum Vormonat schrumpften; Werte über 50 signalisieren Wachstum. Ein Index von 50 bedeutet keine Veränderung zum Vormonat. „Die seit Sommer zu beobachtende Talfahrt des EMI zeigt, dass sich auch die exportorientierte deutsche Industrie den zahlreichen internationalen Krisenherden nicht auf Dauer entziehen kann. Sorgen bereiten uns zudem die hohen Einkaufspreise“, betonte Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Zahlreiche Risiken dämpfen die Stimmung

„Die Stimmung in der deutschen Industrie ist gedämpft. Die zahlreichen Risikofaktoren wie Brexit, Italien und Handelsstreit belasten. Allerdings sind diese Faktoren mittlerweile hinreichend bekannt und es eröffnet sich die Chance, dass es im Laufe des kommenden Jahres wieder besser wird“, kommentierte Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen.

Die jüngste Übereinkunft zwischen Trump und XI auf dem G20-Gipfel stimme hoffnungsvoll. Auch Italien scheine kompromissbereit. Offen sei derzeit noch, ob das britische Parlament dem Einigungsvorschlag zum Brexit zustimmt. Für das kommende sollte auch der derzeit fallende Ölpreis als Unterstützung dienen. „Wir gehen somit optimistisch ins neue Jahr“, teilte die Helaba-Bankdirektorin abschließend mit.

Erwartungen an Exporte sinken

„Die Industriekonjunktur schwächelt. Die Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe ist im dritten Quartal geschrumpft“, bewertet DIHK-Konjunkturexpertin Sophia Krietenbrink die aktuellen EMI-Daten. Diese seien schwach ausgefallen und setzten ein Fragezeichen hinter die Hoffnung auf eine deutlich positive Gegenbewegung im Jahresendquartal. Krietenbrink gegenüber dem BME: „Die Erwartungen der Unternehmen an das Exportgeschäft sinken und liegen in der DIHK-Konjunkturumfrage sogar unterhalb des langjährigen Durchschnitts.“

„Die Unternehmen haben die rosarote Brille abgenommen, durch sie in diesem Jahr lange Zeit geblickt haben, und betrachten die Lage nun realistisch. Es läuft, aber nicht mehr ganz so rund“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Das drücke sich in geringeren Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts aus; aber es würden weiterhin Zuwächse sein und keine Rückgänge.

Rückläufige Preise kommen nicht an

Mit Blick auf die Entwicklung des EMI-Teilindex „Einkaufspreise“ sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director der IKB Deutsche Industriebank: „Die in US-Dollar gehandelten Weltrohstoffpreise gaben im November 2018 zum Teil kräftig nach. Gründe waren vor allem Sorgen über weitere Konjunktureintrübungen infolge des Handelskonfliktes zwischen den USA und China sowie die ungelöste Brexit-Problematik.“

Die Preisrückgänge seien aber nicht voll bei den Industriekunden angekommen. Denn zum einen habe sich der Euro gegenüber dem US-Dollar erneut abgeschwächt, was die Preise in Inlandswährung entsprechend verteuerte; zum anderen zogen vielfach die Liefer- und Logistikkosten kräftig an. Zum anderen sei es zum Teil zu erheblichen Lieferschwierigkeiten gekommen. Dementsprechend hätten sich etliche insbesondere metallische Erzeugnisse verteuert. „Auf das Einlenken im Handelskonflikt zwischen den USA und China während des G20-Treffens zogen die Rohstoffpreise an. Die Absprache zur Förderkürzung zwischen Russland und Saudi-Arabien stimulierte insbesondere den Rohölpreis“, so Büchner abschließend.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

Industrieproduktion: Die November-Daten signalisierten nur noch einen marginalen Produktionsanstieg im deutschen Industriesektor. Es war die niedrigste Steigerungsrate seit Beginn der Wachstumsphase im Mai 2013. Allerdings waren es vor allem die Bemühungen, den Auftragsbestand zu reduzieren, die vielerorts die Produktion ankurbelte. Bei den Teilbereichen der Industrie konnten leichte Zuwächse im Konsum- sowie im Vorleistungsgüterbereich das Minus bei den Investitionsgütern ausgleichen.

Auftragseingang insgesamt/Export: Wie schon im Vormonat war die Anzahl der Neuaufträge bei den Herstellern im November rückläufig. Zudem fiel das Minus noch etwas schlechter aus als im Oktober, was am stärkeren Rückgang bei den Vorleistungsgütern und einer stagnierenden Nachfrage bei den Konsumgütern lag. Vor allem die anhaltenden Unklarheiten innerhalb der Automobilbranche haben die Nachfrage geschwächt, wie viele Umfrageteilnehmer berichteten. Das Minus im Exportordereingang setzte sich im November den dritten Monat hintereinander fort. Zudem verschlechterte sich die Rate gegenüber Oktober weiter und fiel so niedrig aus wie seit Juni 2013 nicht mehr. Viele Umfrageteilnehmer schrieben die gesunkenen Exportzahlen rückläufigen Umsätzen vor allem in China, aber auch in Italien und der Türkei zu. Immerhin konnten einige Unternehmen mehr Aufträge aus den USA an Land ziehen.

Beschäftigung: Der saisonbereinigte Teilindex notierte im November zum dritten Mal in Folge unter dem jeweiligen Vormonatswert. Und auch wenn es der niedrigste Stand seit fast zwei Jahren ist, fiel der Personalaufbau im historischen Kontext immer noch solide aus. Das größte Plus verzeichneten die Hersteller von Vorleistungsgütern, gefolgt von den Konsumgüterproduzenten.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Der saisonbereinigte Teilindex Einkaufspreise gab etwas nach und notierte im November auf dem zweitniedrigsten Wert der vergangenen 14 Monate. Allerdings blieb er im Kontext historischer Daten weiterhin hoch. Einige Unternehmen wiesen in diesem Zusammenhang auf einen Anstieg der Energiekosten hin. Darüber hinaus treiben höhere Transport- und Lohnkosten in der gesamten Wirtschaft die Einkaufspreise ebenfalls auf lange Sicht nach oben. Die Hersteller gaben auch im November einen Teil der Kostensteigerung in Form von höheren Verkaufspreisen an ihre Kunden weiter. Wenngleich erneut hoch, schwächte sich die Inflationsrate leicht auf ein 16-Monatstief ab, was vor allem am zunehmenden Wettbewerbsdruck lag. Der etwas langsamere Anstieg der Angebotspreise wurde vom Investitionsgüterbereich getragen.

Jahresausblick: Der Pessimismus der Unternehmen beim Blick auf die kommenden zwölf Monate hielt auch im November an. Obwohl sich der entsprechende Teilindex leicht vom annähernden 6-Jahrestief im Oktober verbesserte, notierte er unter der Referenzlinie von 50,0. Etwas mehr Firmen rechnen mit einem Rückgang der Produktion binnen Jahresfrist gegenüber denjenigen, die Wachstum erwarten.

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Autor: Dörte Neitzel

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