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EU-Richtlinie legt Standard für elektronische Rechnungen fest

Erstellt am 4. Juni 2019

EU-Richtlinie legt Standard für elektronische Rechnungen fest

Was besagt die EU-Richtlinie 2014/55/EU und worin bestehen die Auswirkungen für Unternehmen im Hinblick auf die elektronische Rechnungsstellung in und außerhalb der EU?

Die EU-Kommission bzw. das Europäische Kommittee für Standardisierung (CEN) haben einen kostenlosen Europa-Standard fürs E-Invoicing [1], also elektronische Rechnungen, ins Leben gerufen. Diesen gibt es zwar bereits seit Oktober 2017, die Deadline, ihn zu implementieren lief jedoch im April ab. Seitdem müssen Mitgliedsstaaten die Direktive umgesetzt haben.

 

Was ist der Zweck der Richtlinie für elektronische Rechnungsstellung (2014/55/EU)?

2014 haben die EU-Länder und die europäische Kommission einen Standard für die elektronische Rechnungsstellung eingeführt. Davor wurden innerhalb der EU verschiedene Formate für elektronische Rechnungen benutzt. Sie zu bearbeiten war zeit- und ressourcenaufwändig und führte zu hohen Kosten für Unternehmen und öffentliche Stellen.

Der 18. April 2019 ist der Stichtag zu dem die Richtlinie in nationale Gesetze innerhalb der EU überführt und umgesetzt wird. Behörden, die öffentliche Ausschreibungen in der EU durchführen, müssen sich dann an den europäischen Standard für elektronische Rechnungsstellung halten und dementsprechend elektronische Rechnungen empfangen und bearbeiten können. So entsteht ein nahtloser Prozess innerhalb der gesamten EU.

Elektronische Rechnungen und Zahlungen von Unternehmen sollen mithilfes des neuen Standards fristgerecht und automatisch bearbeitet werden, so dass Unternehmen ihre Verträge in jedem Mitgliedsland der EU problemlos verwalten können und öffentliche Ausschreibungen attraktiver werden.

Wer ist von der Richtlinie für elektronische Rechnungsstellung betroffen?

Die Richtlinie gilt für alle öffentlichen Stellen der EU, wie Bundes- und Landesregierungen sowie Bildungseinrichtungen. Wichtig ist aber, dass die Richtlinie nicht vorschreibt elektronische Rechnungsstellung selbst zu nutzen.

Öffentliche Einrichtungen dürfen nach wie vor Rechnungen auf Papier akzeptieren. Auch wenn viele Länder versuchen sich langsam, aber sicher davon zu verabschieden.

Geändert hat sich, dass unter der neuen Richtlinie empfangene elektronische Rechnungen, die dem neuen Standard entsprechen, angenommen und verarbeitet werden müssen.

Dies bedeutet, dass alle Lieferanten, die mit öffentlichen Stellen der EU geschäftliche Transaktionen abwickeln, darauf achten sollten, dass ihre elektronischen Rechnungen den Standards der Richtlinie entsprechen.

Vor Einführung der Richtlinie für elektronische Rechnungsstellung – Rechnungsstellung und Betrugsfälle

Unternehmen erhalten Rechnungen auf verschiedenen Wegen – auf Papier, als gescanntes PDF, per Post, als E-Mail, über ein Webportal und so weiter. Kriminelle können folglich eine Rechnung oder auch einen Teil des Prozesses auf unterschiedlichen Wegen fälschen. Sie können zum Beispiel einen Virus in einen Anhang einbetten, Kopien verschicken oder einen Hinweis per E-Mail mit falschen Kontodaten versenden. Je umständlicher der Prozess, desto höher das Risiko.

Laut der Webseite Smallbusiness.co.uk wurden 2018 von Unternehmen 3.280 Betrugsfälle rund um Rechnungen und Bankvollmachten gemeldet. Der durchschnittliche Verlust pro Fall betrug £28.000. Rund £29,6 Millionen des verlorenen Geldes konnten wieder zurück erlangt werden.

Die Aufgabe der MwSt.-Richtlinie – Ursprungsauthentizität und Integrität des Inhalts gewährleisten

Es ist seit Jahren klar, dass elektronische Rechnungen mit Sicherheitsvorkehrungen versehen werden müssen. Sie sollen verhindern, dass Rechnungen korrumpiert werden und die Identität des Rechnungsstellers beweisen. Und genau dafür wurden in der EU-MwSt.- Richtlinie Vorkehrungen getroffen, als diese vor langer Zeit im Jahr 2006 verabschiedet wurde.

Laut Artikel 233 der MwSt.-Richtlinie muss jede steuerpflichtige Person (also sowohl der Anbieter als auch der Käufer) sicherstellen, dass „Ursprungsauthentizität“ (d.h. die Identität des Rechnungsstellers) und „Integrität des Inhalts“ (d.h. der Inhalt der Rechnung wurde nach Erstellung nicht mehr geändert) gewährleistet sind. Dafür empfiehlt die MwSt.-Richtlinie in erster Linie fortgeschrittene elektronische Signaturen.

Die neue Richtlinie für elektronische Rechnungsstellung macht sich diese Bestimmungen der MwSt.-Richtlinie zu Nutze. Auch hier werden fortgeschrittene elektronische Signaturen empfohlen, um Authentizität und Integrität der Rechnung zu gewährleisten. Sie legt aber außerdem fest, dass alle Absender von elektronischen Rechnungen, also nicht nur MwSt.-Einheiten, dies gewährleisten müssen.

Was hat das für Auswirkungen?

Folgende Überlegung: In der EU werden nur Rechnungen in einem bestimmten strukturierten Format als gültige elektronische Rechnungen anerkannt.

Ab 18. April 2019 müssen Behörden in jedem EU-Mitgliedsland in der Lage sein, elektronische Rechnungen zu empfangen und zu verarbeiten, um den Standards der Richtlinie zu entsprechen.

Behörden auf Bundes- und Landesebenen können für ein weiteres Jahr eine Ausnahmegenehmigung beantragen.

Was bedeutet das für Unternehmen außerhalb der EU?

Laut der Richtlinie müssen öffentliche Einrichtungen innerhalb der EU alle elektronischen Rechnungen akzeptieren, die den Standards der Richtlinie entsprechen.
Dies gilt für alle Lieferanten – egal wo sich diese befinden. Unternehmen, die mit öffentlichen Einrichtungen in der EU Handel betreiben, sollten sicher gehen, dass ihre elektronischen Rechnungen den Standards der Richtlinie entsprechen.

Unternehmen, die Teil eines globalen Konzerns sind, der Rechnungen an verschiedene Länder in der EU verschickt, ist es wichtig, den Anforderungen der Richtlinie zu entsprechen.

Quelle: Globalsign

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[1] kostenlosen Europa-Standard fürs E-Invoicing: https://www.technik-einkauf.de/news/maerkte-unternehmen/bundeskabinett-beschliesst-verordnung-zur-elektronischen-rechnungsstellung/

[2] E-Invoicing: So funktioniert die Einführung der E-Rechnung: https://www.technik-einkauf.de/news/e-invoicing-so-funktioniert-die-einfuehrung-der-e-rechnung/

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