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Fachkräftemangel und schlechte Infrastruktur bremsen Digitalisierung in der chemischen Industrie

Bild: Air Liquide

06.08.2019

Fachkräftemangel und schlechte Infrastruktur bremsen Digitalisierung in der chemischen Industrie

Eine Studie sagt, dass Fachkräftemangel das größte Hindernis bei der Digitalisierung ist. Dabei wären Kosteneinsparungen bis zu 17 Prozent möglich – vor allem bei der Datenökonomie und Automatisierung.

Die deutsche Chemieindustrie hat erst spät auf die Digitalisierung gesetzt – dafür sind die Hoffnungen jetzt umso größer: 69 Prozent der Chemieunternehmen sehen einen starken bis sehr starken Einfluss der Digitalisierung etwa auf ihren Vertrieb, aber nur 26 Prozent sind bei der Einführung digitaler Technologien und Prozesse in diesem Bereich bereits weit oder sehr weit fortgeschritten.

Viele Lücken, aber auch schon Erfolge

Ähnliche Lücken zwischen Potenzial und Umsetzung gibt es noch bei der Kundenbetreuung und der Logistik, die aus Sicht von 66 Prozent beziehungsweise 63 Prozent der befragten Unternehmen stark oder sehr stark von der Digitalisierung beeinflusst werden.

Doch auch bei der Kundenbetreuung ist die Digitalisierung nur bei 26 Prozent bereits weit oder sehr weit fortgeschritten, in der Logistik ist dies bei 24 Prozent der Unternehmen der Fall.

Bis zu 17 Prozent Kostensenkungen im Schnitt

Die ersten Erfolge sind aus Sicht der Unternehmen dennoch schon sichtbar: 47 Prozent der Unternehmen haben mithilfe digitaler Technologien schnellere Durchlaufzeiten erreicht, für 45 Prozent hat sich der Markt- und Kundenzugang verbessert.

44 Prozent der Unternehmen konnten bereits Kosten senken – durchschnittlich um zwölf Prozent. Künftig erwarten die Unternehmen sogar Kosteneinsparungen von durchschnittlich 17 Prozent.

Hier bringt Digitalisierung am meisten

Und nicht nur bei den Kosten sieht die Chemiebranche noch viel Potenzial: Als die Top-3-Potenziale, die sich in Zukunft mithilfe der Digitalisierung erreichen lassen, nennen die Unternehmen eine verbesserte Datenanalyse (49 Prozent), Automatisierung (34 Prozent) sowie eine Verbesserung des Datenmanagements (32 Prozent).

Das sind Ergebnisse des „DigiChem Surveys“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, für den 101 Unternehmen der chemischen Industrie zum Stand der Digitalisierung in ihrer Branche befragt wurden.

Fachkräftemangel und Infrastruktur größte Barrieren

Wie viele andere Branchen auch, hat die chemische Industrie allerdings mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. 53 Prozent der Unternehmen nennen als größte Barriere für die Umsetzung der Digitalisierung, dass sie zu wenig qualifiziertes Personal finden.

Die unzureichende technische Infrastruktur bremst aus Sicht von 39 Prozent der Unternehmen die Digitalisierung aus und 37 Prozent nennen Sicherheitsbedenken, zum Beispiel in Bezug auf Cyberangriffe oder Datenlecks.

Kleine Unternehmen hinken besonders hinterher

Und es sind vor allem die kleineren Unternehmen, die bei der Umsetzung hinter den größeren Konzernen zurückbleiben: Bei der Selbsteinschätzung auf einer Skala von Null bis Hundert, wobei Null keinerlei Aktivitäten zur Digitalisierung bedeutet und Hundert, dass eine bereits reibungslose digitale Transformation gestartet wurde, beträgt der Durchschnittswert 61.

Während alle Umsatzklassen über 100 Millionen Euro sich knapp über diesem Wert befinden, sind es die Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 100 Millionen Euro, die die Umsetzung der Digitalisierung mit 52,5 mit Abstand am niedrigsten einschätzen.

Bisher seien die Veränderungen eher evolutionär geprägt gewesen. Aber das wird sich ändern. So erwarten die Unternehmen für die kommenden drei Jahre mehrheitlich eine revolutionäre beziehungsweise mit 26 Prozent sogar eine disruptive Weiterentwicklung in der chemischen Industrie.

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Autor: Dörte Neitzel

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