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Frankreich verbietet Titandioxid in Lebensmitteln

Erstellt am 3. Juni 2019

Frankreich verbietet Titandioxid in Lebensmitteln

Titandioxid, ein weißes Farbpigment, kommt unter anderem in Süßwaren, Kosmetika und Pharmazeutika zum Einsatz. Nun hat Frankreich den Einsatz des Zusatzstoffs in Lebensmitteln für eine begrenzte Zeit verboten.

Frankreich hat in einer Verordnung festgelegt, dass Lebensmittel, die den Lebensmittelzusatzstoff E 171 enthalten, ab 2020 für ein Jahr nicht in Verkehr gebracht werden dürfen. Doch unter Umständen bleibt es nicht bei dem einen Jahr.

Zulassung für zahlreiche Produkte

Titandioxid ist als Lebensmittelzusatzstoff E 171 zugelassen und kann als weißes Farbpigment unter anderem in Süßwaren und Überzügen, wie beispielsweise Dragees und Kaugummi, zum Einsatz kommen.

Unter der Bezeichnung CI 77891 ist der Stoff auch in Kosmetikprodukten wie z. B. Zahnpasta oder als Nanopartikel in Sonnencreme enthalten. Der Großteil des hergestellten Titandioxids wird jedoch in technischen Anwendungsgebieten, wie bei der Herstellung von Farben, Lacken, Papier und Kunststoffen, verwendet.

Umstrittener Zusatzstoff Titandioxid

Trotzdem ist der Einsatz von Titandioxid (TiO2) in Lebensmitteln umstritten, da es sogenannte Nanopartikel enthält, die Auswirkungen auf die Gesundheit haben können.

Hintergrund sind mehrere neue Studien sowie der Vorschlag der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), den Stoff als “vermutlich krebserzeugend” (Kategorie 2) einzustufen.

Art der Aufnahme entscheidend

Die Experten unterscheiden bei der Beurteilung zwischen der

  • oralen (durch Verzehr),
  • dermalen (über die Haut) und
  • inhalativen (durch Einatmen) Aufnahme.

Hinsichtlich der Inhalation hat der Risikoausschuss (RAC) der ECHA vorgeschlagen, Titandioxid nach den Kriterien der CLP-Verordnung als Gefahrstoff mit dem Hinweis „vermutlich krebserzeugend bei Inhalation“ einzustufen.

Bei der oralen Aufnahme von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff gilt derzeit laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), dass die verfügbaren Daten keine Hinweise auf Gesundheitsbedenken geben.

Eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge lässt sich derzeit jedoch für den Zusatzstoff nicht ableiten, da insbesondere die Daten zur Reproduktionstoxizität nicht ausreichend bzw. adäquat sind.

Frankreich kann Unbedenklichkeit nicht garantieren

Die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz (ANSES) kam im April 2019 zu dem Schluss, dass es an wissenschaftlichen Daten mangelt, um die Unsicherheiten in Bezug auf die gesundheitliche Unbedenklichkeit des Zusatzstoffs E 171 zu beseitigen.

Die ANSES bekräftigte in ihren Empfehlungen, Daten zur Charakterisierung der verschiedenen physikalisch-chemischen Formen von E 171 und zusätzliche toxikologische Daten über die möglichen Auswirkungen ihrer Aufnahme zu fordern. Die EFSA kam im Mai 2019 zu dem Schluss, dass die ANSES-Stellungnahme keine wesentlichen neuen Erkenntnisse enthält, die die bisherige Einschätzung der EFSA zur Verwendung von Titandioxid (E 171) als Lebensmittelzusatzstoff in Frage stellen (EFSA, 2019).

Verbot auch in Deutschland?

Aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) seien keine belastbaren wissenschaftlichen Argumente erkennbar, die ein Verbot in Deutschland rechtfertigen würden. Die Behörde überlässt die Entscheidung der EU-Kommission, da eine Zulassung für Lebensmittelzusatzstoffe auf EU-Ebene erfolgt.

Trotzdem sind die Auswirkungen des französischen Banns enorm, denn viele Konzerne produzieren für den gesamten europäischen Markt: Eine Umfrage des TV-Magazins Plusminus unter den 15 großen Süßwaren-Produzenten zeigt , dass sich einige Hersteller in Deutschland bereits nach Alternativen umsehen. Danach verwenden folgende Konzerne nach eigenen Angaben kein Titandioxid: Storck, Kellogg’s, Bahlsen, Unilever, Ferrero, Danone, Ritter Sport und Intersnack.

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[1] Lanxess erhöht Preise für Eisenoxid-Gelbpigmente: https://www.technik-einkauf.de/news/lanxess-erhoeht-preise-fuer-eisenoxid-gelbpigmente/

[2] Das sind die größten Chemiekonzerne in Deutschland: https://www.technik-einkauf.de/news/das-sind-die-groessten-chemiekonzerne-in-deutschland/

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