November 2017: Industrie wächst in rekordverdächtigem Tempo
05.12.2017

November 2017: Industrie wächst in rekordverdächtigem Tempo

Laut Einkaufsmanager-Index EMI ist die deutsche Industrie im November 2017 mit annähernder Rekordrate gewachsen.

Der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gewann gegenüber Oktober 1,9 Punkte und schnellte auf 62,5 nach oben. Damit erreichte der wichtige Konjunkturindikator für das Verarbeitende Gewerbe den zweithöchsten Wert seit Umfragebeginn im April 1996. Höher notiert hatte der Index mit 62,7 Punkten lediglich im Februar 2011.

Zum Vergleich: Der niedrigste, jemals gemessene Wert lag im Januar 2009 auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise bei 32 Zählern.

Zur Erklärung: Eine EMI-Notierung unter der Referenzlinie von 50 zeigt an, dass die Geschäfte in der Industrie im Vergleich zum Vormonat schrumpften, Werte über 50 signalisieren Wachstum. Ein Wert von 50 bedeutet keine Veränderung zum Vormonat.

Die Teilindizes für Auftragseingang, Exportneugeschäft und Beschäftigung wiesen im November Steigerungsraten nahe ihrer Allzeithochs von 2010 und 2011 aus. Allerdings nahm der Kapazitätsdruck weiter zu, was die zweitstärkste jemals gemessene Zunahme der Auftragsbestände und eine abermals drastische Verlängerung der Lieferzeiten nach sich zog. Der Preisdruck fiel indes so hoch aus wie zuletzt vor sechseinhalb Jahren.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

Industrieproduktion: Die Produktion wurde im November so kräftig hochgefahren wie zuletzt im April 2011. Spitzenreiter in dieser Kategorie war diesmal der Investitionsgüterbereich; doch auch im Vorleistungs- und Konsumgüterbereich wurde erheblich mehr hergestellt als im Oktober.

Auftragseingang insgesamt/Export: Die Nachfrage zog enorm an und bescherte sowohl Global Playern als auch KMU das höchste Auftragsplus seit März 2010. Als verkaufsfördernd zeigte sich laut Befragten auch die Neueinführung von Produkten.

Stark nachgefragt waren deutsche Industrieerzeugnisse im November erneut im Ausland, diesmal vor allem in Asien und den USA. Der entsprechende Teilindex erreichte den zweithöchsten Wert seit Umfragebeginn vor 21 Jahren. Höher notiert hatte er lediglich im März 2010.

Beschäftigung: Um die Kapazitäten weiter aufzubauen, beschleunigte sich der Beschäftigungsaufbau im November zum dritten Mal hintereinander und fiel so stark aus wie zuletzt im März 2011. Der entsprechende Teilindex erreichte den zweithöchsten Wert seit Umfragebeginn.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Der Anstieg der durchschnittlichen Einkaufspreise beschleunigte sich im November zum fünften Mal hintereinander und fiel so stark aus wie zuletzt Anfang 2011. Verteuert haben sich laut Befragten vor allem Metalle, Stahl, Elektronikkomponenten und Kunststoffe.

Da die robuste Nachfrage die Preismacht der Unternehmen stärkte, wurden die Verkaufspreise so kräftig angehoben wie seit knapp sechseinhalb Jahren nicht mehr. Spitzenreiter in dieser Kategorie war der Vorleistungsgüterbereich, doch auch in den beiden anderen Industriebereichen erhöhten die Unternehmen ihre Verkaufspreise.

Jahresausblick: Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist trübten sich im Berichtsmonat weiter ein, was den entsprechenden Teilindex auf ein 11-Monatstief sinken ließ. Einige der Befragten befürchten eine Überhitzung des Marktes mit nachfolgender Konjunkturabkühlung, sich verschärfenden Kapazitätsengpässe und Knappheit bei Rohstoffen. Die Optimisten setzen auf die Erschließung neuer Märkte, vor allem auch mit neuen Produkten, und gehen von einer weiter boomenden Wirtschaft aus. Im historischen Vergleich notiert der Teilindex weiter auf ausgesprochen hohem Niveau.

„Die deutsche Wirtschaft ist in prächtiger Verfassung. Das zeigt die anhaltende Flut an Neuaufträgen“, betonte Silvius Grobosch, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstandes des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Montag in Frankfurt. Sorge bereiteten allerdings der Mangel an Ressourcen, sinkende Lagerbestände, wachsende Transportengpässe sowie die erneut deutlich gestiegenen Einkaufspreise.

„Die Stimmung in der deutschen Industrie ist – um das Vokabular des US-amerikanischen Präsidenten zu verwenden – fantastisch. Im Gegensatz zu den Aussagen von Donald Trump stimmt es hier tatsächlich mit den Fakten überein“, kommentierte Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Montag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Die deutsche Wirtschaft brumme und kaum einer bemerke, dass der Preisdruck zunehme. Der jüngste EMI habe diesen Preisdruck, der insbesondere aus den hoch ausgelasteten Kapazitäten erfolge, hingegen gut eingefangen. Während in diesem Jahr der Anstieg der Preis größtenteils auf die Rohstoffe zurückzuführen gewesen sei, „sind es jetzt vornehmlich die leer gefegten Arbeitsmärkte. Inflation wird zunehmend zu einem Thema. Die Kernraten werden 2018 ansteigen“ sagte die Helaba-Bankdirektorin dem BME.

Nach Ansicht von Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, „hört das Jahr auf wie es begonnen hat: mit besser als erwarteten Wirtschaftsdaten“. Das sei ein gutes Sprungbrett für die nächsten Monate“, sagte Kater am Montag dem BME.

„Die Auftragsbücher der Industrie sind überaus gut gefüllt. Angesichts der kräftigen Nachfrage aus dem In- und Ausland wollen die Unternehmen auch verstärkt investieren – vor allem in Erweiterungen und Produktinnovationen“, kommentierte DIHK-Konjunkturexpertin Sophia Krietenbrink am Montag die aktuellen EMI-Daten. Zudem steige die Beschäftigung deutlich. Der DIHK rechne 2018 mit 60.000 Stellen in der Industrie. „Es könnten sogar noch mehr sein, allerdings nimmt die Fachkräfteproblematik zu. Mehr als jedes zweite Industrieunternehmen sieht hierin mittlerweile ein Risiko für seine Geschäftsentwicklung“, teilte Krietenbrink dem BME mit.

Bild: Fiedels/Fotolia.de

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