Produktions- und Auftragszuwächse lassen den EMI steigen
06.08.2018

Produktions- und Auftragszuwächse lassen den EMI steigen

Die deutsche Industrie geht mit Schwung und beschleunigten Wachstumsraten in die zweite Jahreshälfte. Nach der Delle im Vormonat zogen Produktion und Neuaufträge im Juli wieder an. Das signalisiert der Einkaufsmanager-Index EMI.

Der EMI stieg binnen vier Wochen um 1,0 Punkte auf 56,9. Das wichtige Konjunkturbarometer liegt bereits seit mehr als dreieinhalb Jahren über der 50-Punkte-Referenzlinie und ist damit ein Beleg für das anhaltend robuste Wachstum der deutschen Industrie.

Eine EMI-Notierung unter der Referenzlinie von 50 zeigt an, dass die Geschäfte des Verarbeitenden Gewerbes im Vergleich zum Vormonat schrumpften; Werte über 50 signalisieren Wachstum. Ein Index von 50 bedeutet keine Veränderung zum Vormonat.

Kleine Schwächephase überwunden

„Die deutsche Industrie hat ihre kleine Schwächephase im Juni offensichtlich gut überstanden. Das lässt uns hoffnungsvoll nach vorn blicken“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Donnerstag in Eschborn. Erfreulich sei zudem, dass sich die zuletzt etwas eingetrübten Geschäftsaussichten wieder aufgehellt haben. Sorge bereiteten ihm dagegen die wieder anziehenden Einkaufspreise, so Grobosch abschließend.

Streiks und Angst vor Handelskrieg

„Die Industrie gewinnt wieder etwas an Stärke. Im ersten Halbjahr hatten Streiks, die hohe Zahl an Krankheitstagen sowie die Verunsicherung durch einen drohenden Handelskrieg das Wachstum ausgebremst“, bewertete DIHK-Konjunkturexpertin Sophia Krietenbrink am Donnerstag die aktuellen EMI-Daten. Eine Ausweitung der Produktion im Juli könnte ihrer Ansicht nach daher ein wichtiges Zeichen sein. „Angesichts der hohen Kapazitätsauslastung wären auch Erweiterungsinvestitionen angezeigt. Ob diese umgesetzt werden, wird auch davon abhängen, ob die EU eine nachhaltige Einigung mit der US-Administration erzielt. Wichtig ist zudem, dass die Bundesregierung die Zukunftsthemen für den heimischen Standort – wie Digitalisierung und Fachkräftesicherung – entschlossen angeht“, teilte Krietenbrink dem BME mit.

„Nachdem bereits die letzten Industrieaufträge, Produktions- und Außenhandelsdaten für die deutsche Volkswirtschaft wieder positiv ausgefallen sind, ist der Frühjahres-Blues der deutschen Konjunktur nun überwunden. Es wird zwar weiter stürmisch bleiben, aber die deutsche Konjunktur hat eine kräftige Substanz“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Donnerstag dem BME.

Die Ungewissheiten im Zusammenhang mit möglichen Strafzöllen und Handelsbarrieren treiben nach Ansicht von IHS Markit-Volkswirt Sian Jones vielen EMI-Umfrage-Teilnehmern Sorgenfalten auf die Stirn. Auch ein weiterer signifikanter Anstieg der Einkaufspreise sei ein potenzieller Störfaktor für weiteres Wachstum. Negativ bemerkbar mache sich auch der anhaltend hohe Druck auf die Lieferketten – eine Folge der Engpässe bei den Zulieferern.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

Industrieproduktion: Die Produktion wurde im Juli wieder stärker ausgeweitet als in den beiden Vormonaten. Ausschlaggebend hierfür war neben der anziehenden Binnen- und Exportnachfrage auch die gezielte Abarbeitung der Auftragsbestände.

Auftragseingang insgesamt/Export: Der Teilindex Auftragseingang erholte sich von seinem 27-Monatstief im Juni und wies wieder einen soliden Zuwachs aus. Von den hohen Werten zum Jahresbeginn war der Teilindex jedoch weit entfernt.

Die Exportneuaufträge legten zwar wieder stärker zu als zuletzt; die hohen Steigerungsraten vom Jahreswechsel wurden jedoch nicht erreicht. Angezogen hat vor allem die Nachfrage wichtiger Auslandskunden. Spitzenreiter in dieser Kategorie war diesmal der Vorleistungsgüterbereich.

Beschäftigung: Wegen der hohen Produktionsanforderungen wurden im Berichtsmonat unterm Strich fast genauso viele Stellen geschaffen wie beim Viermonatshoch im Juni. Seit 28 Monaten hält der Jobaufbau nun bereits ununterbrochen an. Der Vorleistungsgüterbereich war hier führend, doch auch in den beiden anderen Industriebereichen stieg der Beschäftigungsgrad.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Preiserhöhungen bei den Lieferanten, teurerer Stahl und strengere Umweltauflagen in China ließen die Einkaufspreise im Berichtsmonat abermals kräftig nach oben klettern.

Wie bereits seit September 2016 wurden die Verkaufspreise auch im Juli erhöht. So gaben fast 16 Prozent der befragten Einkaufsmanager die höheren Rohstoffpreise an ihre Kunden weiter, während nur etwa drei Prozent ihre Verkaufspreise reduzierten.

Jahresausblick: Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist stiegen im Juli zwar auf ein Dreimonatshoch, im historischen Kontext blieben sie aber recht verhalten. Für positive Stimmung sorgten neue Projekte und die Einführung neuer Produkte.

Bild: Trueffelpix/Fotolia.de

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