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Trumps Handelspolitik verunsichert deutsche Einkäufer in den USA

Trumps Handelspolitik verunsichert deutsche Einkäufer in den USA

14.02.2017

Trumps Handelspolitik verunsichert deutsche Einkäufer in den USA

Wer die USA als Beschaffungsmarkt für iPhones & Co. sieht, reagiert auf Trumps „America first!“ vielleicht mit: „So what?“ Doch Einkäufer deutscher Unternehmen dort sind weniger gelassen.

Bereits an seinem ersten Arbeitstag verfügte der neue Präsident der USA den Austritt seines Landes aus TPP, einem 2016 ausgehandelten Freihandelsabkommen mit zwölf Anrainerstaaten des Pazifik. Einen Tag zuvor hatte er zudem erklärt, „wir verhandeln auch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA neu.“ Bislang blieb es bei dieser Ankündigung. „Zum Glück“, denken viele Einkäufer deutscher Unternehmen in den Vereinigten Staaten.

US-Beschaffung in der NAFTA

Unternehmen mit Standorten in den USA wie Daimler, BMW, Thyssenkrupp oder Siemens sourcen für ihre US-Produktion in ganz Nordamerika. Die hohen Importzölle, die der neue Präsident einführen will, könnten die Lieferketten dieser Unternehmen empfindlich stören oder sie dazu zwingen, ihre Beschaffungsstrukturen neu auszurichten.

Denn ein Ende der NAFTA hätte weitreichende Folgen für ihre Beschaffungsstrukturen in Nordamerika. Schließlich haben sich der Handel und damit die Beschaffung in den USA ansässiger Unternehmen in den anderen beiden NAFTA-Staaten, Mexiko und Kanada, seit Bestehen des Handelspaktes mehr als verfünffacht, so das US-Wirtschaftsforschungsinstitut, Peterson Institute for International Economics (PIIE). „Die Zulieferketten sind dabei besonders in der nordamerikanischen Automobilindustrie im Zuge von NAFTA immer komplexer geworden“, ergänzt Boris Alex von Germany Trade and Invest (gtai) in Toronto. Deutsche Automobilzulieferer seien dabei eng in diese Lieferketten eingebunden, nachdem sie ihre Standorte in den USA in den vergangenen 20 Jahren auf gut 430 gesteigert und damit mehr als verdreifacht haben.

US-Automobilindustrie lebt vom freien Handel

Insgesamt stammen dem Center for Automotive Research (CAR) zufolge heute 60 Prozent der in den Vereinigten Staaten verbauten Motoren und elektronischen Komponenten aus Mexiko oder Kanada. Bei Getrieben und Antriebssträngen liegt der Anteil bei 47 Prozent. Trugen mexikanische Zulieferer bis zum Inkrafttreten der NAFTA lediglich fünf Prozent zur Wertschöpfung eines in den USA montierten Fahrzeugs bei, so kommen heute über 40 Prozent der Bauteile aus dem südlichen Nachbarstaat.

Lieferketten nicht auf Zölle ausgerichtet

Diese Lieferbeziehungen droht Präsident Trump nun zu zerstören. Falls sich Mexiko gegen eine Neuverhandlung des NAFTA-Vertrags sperrt, will er einen Strafzoll in Höhe von 35 Prozent für Einfuhren aus dem mittelamerikanischen Staat erheben. Gleichzeitig sollen importierte Vorleistungen steuerlich nicht mehr abzugsfähig sein. In den USA könnte der Preis eines Neuwagens dadurch um bis 15.000 Dollar steigen, befürchtet Charles Chesbrough, Chefvolkswirt des US-Branchenverbandes der Automobilzulieferer, OESA.

Seine Sorge ist nicht übertrieben: Überqueren einzelne Komponenten vor ihrer endgültigen Montage in einem Fahrzeug doch bis zu achtmal die Grenzen zwischen den NAFTA-Mitgliedsstaaten. Trumps Zollbeamte würden künftig also nicht nur einmal Strafzölle in Höhe von 35 Prozent erheben, sondern mehrmals.

WTO schiebt hohen Zöllen einen Riegel vor

Bislang können Hersteller Fahrzeuge aus einem anderen NAFTA-Staat zollfrei in die USA einführen, wenn sie mindestens die Hälfte der Bauteile in einem Mitgliedsstaat hergestellt haben. Zwar würde der Trump-Regierung auch nach einem Rückzug aus dem Freihandelsabkommen die rechtliche Grundlage für Zölle in Höhe von 35 Prozent fehlen. Die USA müssten Mexiko und Kanada gemäß dem in der WTO geltenden Meistbegünstigungsgrundsatz zunächst die gleichen Zollsätze einräumen wie Staaten, die nicht Mitglieder der NAFTA sind. Derzeit sind dies 3,5 Prozent des Warenwerts.

Lieferkettenabbrüche vergleichbar mit 11. September 2001

Die Auswirkungen solch eines Schritts wären dennoch verheerend. „Am ehesten ließen sie sich mit der Situation direkt nach den Anschlägen vom 11. September 2001 vergleichen“, schätzt PIIE-Vizepräsident, Marcus Noland. „Damals schlossen die USA ihre Grenze zu Mexiko, schnitten so Lieferketten ab und zwangen Automobilhersteller dazu, ihre Produktion anzuhalten.“

Doch obwohl einer aktuellen Umfrage der OESA zufolge 56 Prozent der Automobilzulieferer in den USA einen Zusammenbruch ihrer Supply Chain derzeit für das größte Risiko für ihre Unternehmen halten, würden selbst im Falle von Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko nur wenige Zulieferer ihre Produktion und damit ihre Beschaffung in die USA zurückverlagern, schätzt das CAR. Das liegt zum einen an den dort deutlich höheren Kosten, zum anderen daran, dass es für viele Ausrüstungsgüter in den Staaten überhaupt keine Anbieter mehr gibt.

Beispiel Maschinenbau: „Viele Deutsche Hersteller liefern Maschinen in die USA, die dort nach Jahren der Deindustrialisierung nicht mehr hergestellt werden“, erklärt Carl Martin Welcker, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Das gelte auch für seine eigene Firma, die Alfred H. Schütte GmbH & Co. KG. Die Kölner Werkzeugmaschinenfabrik stellt Drehmaschinen her, auf denen sich unter anderem Zündkerzen, Einspritzdüsen oder Kugellager fertigen lassen.

Zu geringe Investitionen in den USA

Doch in den Vereinigten Staaten fehlt es nicht nur an Herstellern für solche Mehrspindeldrehautomaten. „Insgesamt reicht das US-amerikanische Angebot an Werkzeugmaschinen nicht aus, um den inländischen Bedarf zu decken“, erklärt Wolfgang Boos, Geschäftsführender Gesellschaft der WBA, Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH. Und was angeboten wird, wäre aus Sicht der Einkäufer bei US-amerikanischen Tochterunternehmen deutscher Firmen unattraktiv, da die Maschinen fast so teuer wie in Deutschland gefertigte Anlagen, aber weitaus schlechter in ihrer Funktionalität sind.

Dass in den USA in naher Zukunft Anbieter auf den Markt kommen, die entsprechende Bedarfe decken könnten ist nicht zu erwarten. Dazu investieren vor allem US-amerikanische Mittelständler zu wenig in ihre Produktion. Nach Angaben der gtai gingen die Bruttoanlageinvestitionen im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent zurück. Sollte Präsident Trump sein Land wie geplant vom Welthandel abschneiden, wird die Investitionstätigkeit in den kommenden beiden Jahren um jeweils weitere 3,5 Prozent zurückgehen, befürchten die Experten des PIIE.

Fehlende Fachkräfte als Investitionshindernis

Selbst wenn US-Unternehmer investieren wollten, um Bedarfe zu befriedigen, die im Zuge von Trumps America-first-Politik im Land neu entstehen, hätten sie dafür schlechte Voraussetzungen. Zum einen hat die US-Notenbank angekündigt Kapital zu verteuern und den Leitzins bis 2018 auf zwei Prozent anzuheben. Zum anderen fehlt es den Vereinigten Staaten an qualifizierten Arbeitskräften. „Fünf Millionen Stellen können Arbeitgeber in den USA derzeit nicht besetzen, weil sie keine qualifizierten Kräfte finden“, erklärt Bernard Baumohl, Chefvolkswirt bei der US-Unternehmensberatung Economic Outlook Group.

Wie eine Umfrage des Branchenverbands OESA ergab, geht jeder dritte Automobilzulieferer in den USA davon aus, dass der Fachkräftemangel im laufenden Jahr noch schlimmer wird. Jeder zweite Zulieferer befürchtet deshalb, dass er seine Fertigung drosseln muss, keine neuen Produkte mehr entwickeln kann und die Qualität seiner Erzeugnisse sinken wird.

Ein bis zwei Jahre Alleingang möglich?

Es ist also offen, ob Trump seine handelspolitische Agenda so umsetzen kann, wie er es seinen Wählern versprochen hat. „Ich halte es für ausgeschlossen, dass das, was im Wahlkampf zum Besten gegeben wurde, später tatsächlich so umgesetzt wird“, beruhigt Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Gary Clyde Hufbauer, teilt diesen Optimismus nicht. Der langjährige Mitarbeiter mehrerer US-Regierungen und Wissenschaftler am PIIE warnt: „Die außenpolitischen Befugnisse, die der Präsident nach der Verfassung der Vereinigten Staaten hat ebenso wie die zahlreichen Ermächtigungen, Zölle zu erheben und den Außenhandel zu regulieren, die ihm der Kongress eingeräumt hat, erlauben es Trump, seine handelspolitischen Vorstellungen zumindest ein bis zwei Jahre lang im Alleingang durchzusetzen.“

Autor: Gerd Meyring

Bild: James R. Martin / Shutterstock, Inc.

 

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Autor: Dörte Neitzel

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