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Krank im Urlaub: Das sollten Sie wissen!

29.06.2016

Krank im Urlaub: Das sollten Sie wissen!

Sehr ärgerlich, wenn man während des Urlaubs krank wird. Bedeutet aber Krankheit im Urlaub persönliches Pech und damit verlorene Urlaubstage?

„Nein“, meint Michael Zaubzer, SBK-Auslandsexperte. „Urlaub ist Urlaub und Krankheit ist eben Krankheit. Wenn es den Arbeitnehmer im Urlaub erwischt, endet aus rein arbeitsrechtlicher Sicht der Urlaub“, erklärt Zaubzer weiter. Aber Sie sollten nicht auch noch Ihre Urlaubstage verschenken. Denn wenn Sie krankgeschrieben sind, bleibt der Urlaubsanspruch erhalten.

Fakt 1: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nötig

Laut Bundesurlaubsgesetz sind krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeitstage im Urlaub nicht auf den Jahresurlaub anzurechnen. Diese müssen allerdings durch ein ärztliches Zeugnis (Attest) nachgewiesen werden. Das heißt, dass der Arbeitnehmer für diese Krankheitstage eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, also einen „gelben Schein“, vorlegen muss. Hier gilt jedoch eine besondere Regelung: Auch, wenn im Arbeitsvertrag der dritte Tag genannt ist, um ein Attest vorzulegen: Nur die Tage, in denen der Arbeitnehmer nachweislich arbeitsunfähig war, werden nicht als Urlaubstage auf den Jahresurlaub angerechnet (§ 9 BurlG). Das heißt: Möglichst ab dem ersten Tag zum Arzt gehen.

Angenommen, ein Angestellter arbeitet fünf Tage die Woche und tritt am 3. August seinen dreiwöchigen Jahresurlaub an. Am 12. August bricht er sich aber auf einer Mountainbike-Tour den linken Arm und ist für mehrere Wochen arbeitsunfähig. Der Angestellte legt dann dem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor. Sie gibt den ersten Krankheitstag mit dem 12. August und das voraussichtliche Ende der Arbeitsunfähigkeit mit dem 23. September an. Die krankheitsbedingt ausgefallenen Urlaubstage vom 12. bis zum 21. August werden nun nicht auf den Jahresurlaub angerechnet. Der Arbeitgeber muss sie nachgewähren.

Fakt 2: Keine eigenmächtige Urlaubsverlängerung

Vorsicht: Auch wenn die nachgewiesenen, krankheitsbedingt ausgefallenen Urlaubstage nicht auf den Jahresurlaub angerechnet werden, darf man sie nicht einfach an den genehmigten Urlaub anhängen. Nimmt der Arbeitnehmer also eigenmächtig Urlaub, darf der Arbeitgeber diesen wegen Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten abmahnen.

Fakt 3: Fristen für die Krankmeldung im Inland

Verbringt ein erkrankter Arbeitnehmer seinen Urlaub in Deutschland, muss er dem Arbeitgeber unverzüglich seine Arbeitsunfähigkeit mitteilen und innerhalb von drei Tagen seine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Original vorlegen – also alles wie gehabt. Es reicht nicht, Kollegen zu informieren!

Fakt 4: Krank im Ausland

Hält sich der Arbeitnehmer aber bei Beginn der Arbeitsunfähigkeit im Ausland auf, gelten Sonderregeln. Der Erkrankte muss die Arbeitsunfähigkeit, die voraussichtliche Dauer und die Adresse am Aufenthaltsort „in der schnellstmöglichen Art der Übermittlung“ mitteilen. Die „schnellstmögliche Art der Übermittlung“ ist heutzutage, im Internetzeitalter, kein Problem mehr. Wichtig dabei ist aber, dass die Botschaft beim Arbeitgeber auch ankommt – und das möglichst zügig: per E-Mail, WhatsApp, SMS, Chat oder was auch immer. Selbst ein Telefonanruf oder ein Fax genügen für die Übermittlung.

Die erforderliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des ausländischen Arztes kann immer noch vorgelegt werden, wenn man wieder in Deutschland ist. Dabei ist wichtig: Der ausländische Arzt muss zwischen einer bloßen Erkrankung und einer mit Arbeitsunfähigkeit verbundenen Krankheit unterscheiden – und soeine den Begriffen des deutschen Arbeits- und Sozialversicherungsrechts entsprechende Beurteilung vornehmen, heißt es in einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (1. Oktober 1997, 5 Az. AZR 499/96). Er muss Ihnen also konkret bescheinigen, dass Sie nicht arbeiten können. Außerdem benötigt der Arbeitgeber die Kontaktdaten, wo der Erkrankte am Urlaubsort oder im ausländischen Krankenhaus erreichbar ist.

Fakt 5: Kosten der Mitteilung

Die durch die Mitteilung entstehenden Kosten trägt der Arbeitgeber.

Fakt 6: Krankenkasse informieren

Ist der Arbeitnehmer Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse wie der SBK, ist er verpflichtet, auch sie schnellstmöglich über die Arbeitsunfähigkeit samt voraussichtlicher Dauer zu informieren. Kommt der Arbeitnehmer wieder nach Deutschland zurück, muss er seinem Arbeitgeber und seiner Krankenkasse unverzüglich die Rückkehr mitteilen.

Fakt 7: Krank während Freizeitausgleich

Wer Überstunden abbummelt und krank wird, ist schlechter dran als bei Urlaub: Denn hier entfällt der Anspruch, auch wenn Sie dem Arbeitgeber ein Attest vorlegen. Mitarbeiter können für die Zeit der Erkrankung keinen zusätzlichen Freizeitausgleich verlangen. Das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden (Urteil vom 31. Mai 1989, Az. 5 AZR 344/88).

Fakt 8: Krankes Kind im Urlaub

Zwar gibt es an normalen Arbeitstagen für Eltern die Möglichkeit, bezahlt freie Tage zu bekommen, wenn sie sich um Ihr krankes Kind kümmern müssen. Dann zahlt der Arbeitgeber den Lohn weiter oder die Krankenkasse zahlt Kinderkrankengeld. Doch das gilt im Urlaub nicht! Wird das Kind während des Urlaubs krank und muss gepflegt werden, lassen sich die Urlaubstage nicht anrechnen und nachholen – auch wenn Sie sich nicht erholen konnten und ein Attest vorlegen. Auch hier gibt es ein Urteil: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 17. Juni 2010 (Az. 2 Ca 1648/10).

 Foto: sudok1/Fotolia.de

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Autor: Dörte Neitzel

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