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Künstliche Intelligenz: Betrüger imitieren Chef-Stimmen

Erstellt am 6. September 2019

Künstliche Intelligenz: Betrüger imitieren Chef-Stimmen

Beim sogenannten CEO-Fraud kommt jetzt auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Ein Algorithmus lernt binnen Minuten, die Stimme eines Menschen nachzuahmen. Damit bekommt die Betrugsmasche eine ganz neue Dimension.

Die Software der Betrüger basiert auf Machine Learning: Mithilfe eines selbstlernenden Algorithmus kann sie innerhalb von einigen Minuten die Stimme eines Menschen erlernen und anschließend nachahmen – inklusive der individuellen Sprachmelodie oder dem landestypischen Akzent.

Stimmimitation als neue Stufe des CEO-Fraud

Erstes Opfer dieser Deepfake-Stimme war ein britisches Energieunternehmen, das einem deutschen Konzern gehört. Wie das Wall Street Journal berichtet, haben die Betrüger durch Vishing (Voice Phishing) in diesem Fall 243.000 US-Dollar erbeutet. Die Kriminellen ahmten dabei Stimme plus Akzent des deutschen CEOs nach und forderten vom Chef der britischen Tochter, dringend das Geld an einen ungarischen Zulieferer zu überweisen.

Die Begründung des falschen Chefs: Er habe den Transaktionszeitraum der Bank am Freitag Nachmittag verpasst. Die Überweisung hätte vor 16 Uhr getätigt werden müssen, damit die Zahlung noch vor dem Wochenende erfolgen kann. Durch die Zeitverschiebung sei die Überweisung deshalb nur noch durch die britische Tochter möglich – denn in Großbritannien war es erst 15 Uhr.

E-Mails als Nachweis für den Betrug

Die neue Variante kombiniert die bisherige E-Mail Kommunikation mit Telefonanrufen. Die Anrufe dienten insbesondere zur Vertrauensbildung und waren maßgeblicher Erfolgsfaktor. Die Zahlungsanweisungen mit den mehrstelligen Kontodaten kamen – wie in der allgemeinen Geschäftspraxis – per E-Mail.

Gut für die britische Tochter, denn die Telefonate des falschen Chefs wurden nicht aufgezeichnet. Durch die E-Mails mit den Zahlungsanweisungen und Kontodaten war der Tathergang und Schaden jedoch eindeutig nachweisbar.“

Fake President ist “Falscher Johannes”

„Bei uns heißt dieser Schadensfall ‚Der falsche Johannes‘: Der falsche Chef hat die richtige Stimme“, sagt Rüdiger Kirsch, Betrugsexperte bei Euler Hermes. Der Versicherer registriert mittlerweile im Schnitt etwa 20 Betrugsfälle pro Jahr.

Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes ist sich jedoch sicher: „Das ist erst der Anfang: Software zur Stimm- oder Handschriftenimitation oder auch Deepfake-Videos eröffnen Betrügern in Zukunft noch viele neue Möglichkeiten. In ein oder zwei Jahren gibt es vielleicht den ersten Fake President Fall, bei dem die Zahlungsanweisung per Deepfake-Video über Whatsapp kam.“

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