Blockchain im Einkauf
12.09.2018

Das kann Blockchain im Einkauf

Kaum eine Unternehmenspräsentation zu neuen Technologien im Einkauf kommt ohne einen Verweis darauf aus, dass die Blockchain auf der Agenda steht. Leider sind die Anwendungsszenarien und Potenziale häufig noch diffus, so dass zu befürchten ist, dass  die Erwartungen überborden.

Technisch gesehen, handelt es sich bei einer Blockchain um eine verteilte Datenbank, die auf einer Vielzahl von Netzwerkknoten gespeichert wird. Jeder Rechner verfügt über dieselbe Kopie (distributed ledger). Transaktionen zwischen den Netzwerkpartnern werden in Blöcke zusammengefasst, deren Validität im Rahmen eines Konsensverfahrens (z. B. „proof-of-work“ oder „proof-of-authority“) geprüft wird. Dabei wird ein Hash-Wert erzeugt. Anschließend wird der Block an die Blockchain angehängt und der Hash-Wert später in den darauffolgenden Block integriert. So entsteht eine Kette von Blöcken, die nur dann „zusammenpasst“, wenn die Inhalte nicht manipuliert wurden.

Wissen zu Blockchains eher übersichtlich

In der Studie „Blockchains im Supply Chain Management“ der HTWK Leipzig konnten 132 Personen aus dem Einkauf und dem Supply Chain Management unterschiedlicher Unternehmen und Organisationen zu ihren aktuellen Erwartungen befragt werden. Dabei gaben zunächst nur knapp ein Viertel der Teilnehmer ihren Wissenstand zu Blockchains als (eher) gut an. Es besteht demzufolge noch einen großen Bedarf, sich mit der Thematik inhaltlich auseinanderzusetzen.

Folglich nutzen bisher nur sehr wenige eine Blockchain oder Prototypen (3,8 %). Auf der anderen Seite schließen aber auch nur 4,5 % der Unternehmen eine Nutzung nach fundierter Analyse aus. Fast zwei Drittel der Unternehmen haben sich bisher mit möglichen Ansätzen für das Unternehmen noch nicht beschäftigt, der Rest stellt gerade erste Überlegungen an oder untersucht Anwendungsszenarien. Dem steht gegenüber, dass über 80 Prozent der Befragten eine zukünftige Nutzung der Blockchain-Technologie für ihr Unternehmen sehen.

Es ist schwierig zu beurteilen, ob hier von Anzeichen eines Hypes auszugehen ist. Was dagegen spricht, ist das Ergebnis der Studie, dass mit zunehmendem Wissensstand unter den Teilnehmern auch die Einschätzung der Nutzungsmöglichkeiten steigt.

Daten- und Infoaustausch steht im Vordergrund

Aus Sicht der Befragungsteilnehmer steht der Daten- und Informationsaustausch über Blockchains im Vordergrund (siehe Abbildung 1). Jeweils zwei Drittel sehen die Chance einer gemeinsamen Austauschplattform entlang der Supply Chain und die garantierte Sicherheit der Daten sowie den Schutz vor Manipulation. Weitere 56,6 Prozent erhoffen sich den Abbau von Informationsasymmetrien und höhere Transparenz.

Mit etwas Abstand folgen dann Potenziale, die sich auf die Effizienz der Transaktions­abwicklung beziehen. So sehen etwas mehr als die Hälfte (51,9 %), dass sich Transaktionen beschleunigen lassen, knapp die Hälfte (49,1 %) verweist auf die Automatisierung von Geschäftsvorfällen („Smart Contracts“) und 37,7 Prozent  sehen die Möglichkeit, in den Lieferketten auf Institutionen zu verzichten und so die Beschaffungswege zu verkürzen.

Von lediglich 32,1  bzw. 24,5  Prozent der Unternehmen werden mögliche Zugangskontrollen und das Ver­trauen zu unbekannten Marktteilnehmern genannt. Zwar ist das immer noch jedes dritte respektive vierte Unternehmen, aber die Einschätzung fällt doch klar gegenüber den vorstehend genannten Potenzialen ab. Der technische Aspekt der Netzausfall­sicher­heit wird nur von jedem fünften Unternehmen als Grund für das mögliche Engagement angegeben.
Erwartungen an Blockchain im Einkauf

Automatisierung benötigt mehr strategische Aufgaben

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die Befragten ein sehr hohes Automatisierungspotenzial nicht nur für die eigene Abteilung, sondern auch für andere Prozessbeteiligte im Unternehmen sehen. Eine Verschiebung der Aufgabeninhalte Richtung strategischer Fragestellungen ist die Folge (und die Hoffnung). Explizit wird auch betont, dass weiterhin strategische Lieferantenpartnerschaften eine hohe Bedeutung haben und nicht durch beliebig austauschbare Netzwerkpartner einer Blockchain verdrängt werden.

Interessanterweise scheinen die meisten Unternehmen selber kein gesteigertes Interesse zu besitzen, sich mit eigenen neuen Geschäftsmodellen im Rahmen der Blockchain-Nutzung auseinanderzusetzen. Die Entwicklung selbiger wird eher auf der Seite von Dienstleistern gesehen – zwei Drittel der Unternehmen schätzen dieses Szenario als eher zutreffend ein. Ihnen wird damit aktuell die treibende Rolle zugestanden. Unternehmen sehen sich offenbar vielmehr als „Nutzer“ – eher abwartend und passiv. Dies bestätigt auch der Blick auf die oben genannten Gründe. Hier werden eher  Lösung „klassischer“ Probleme  gesehen als das disruptive Veränderungen erkannt werden.

Kritiker sehen vor allem fehlende Anwendungen

Von den Unternehmen, die sich aktuell keine Nutzung vorstellen können, gaben mehr als die Hälfte als Hauptgrund an, dass die Technologie noch nicht ausgereift ist bzw. konkrete Anwendungsszenarien fehlen. Zudem verweist fast jeder Dritte darauf, dass aktuell Standards fehlen, der Anbietermarkt noch sehr zersplittert und damit die Integrierbarkeit in die eigenen Systeme erschwert sind. Ebenfalls jeweils reichlich 30 Prozent äußern Sicherheitsbedenken oder sehen zu wenige Vorteile gegenüber bestehenden IT-Lösungen.

Zusammenfassend werden hier Gründe aufgeführt, die zum einen die Technologie noch nicht als praxistauglich ansehen, zum anderen fehlt seitens der Anbieter offenbar auch ein klares Aufzeigen von Potenzialen in Anwendungsfällen. Beides ist nicht verwunderlich, da aktuell auch die Blockchain-Anbieter im Einkaufsbereich häufig noch recht experimentell vorgehen müssen. Jedes fünfte Unternehmen vermisst eine staatliche Regulierung in diesem Bereich oder sieht die Dezentralität der Blockchain problematisch hinsichtlich der Umsetzung der Berechtigungskonzepte. Weitere technische Fragestellungen – wie hoher Speicherbedarf, fehlende Archivierungskonzepte, langsame Geschwindigkeit bzw. mangelnde Skalierbarkeit – scheinen wie auch Kostenfragen aktuell keine große Rolle zu spielen bzw. nur vereinzelt Grund zur Besorgnis zu geben.

Fazit: Große Erwartungen, ähnlich wie bei Einführung katalogbasierter Systeme

Zusammenfassend lässt sich aus der Studie herauslesen, dass große Hoffnungen mit der Blockchain-Technologie im Einkauf verbunden werden. Von den Zahlen ist das ungefähr mit den Einschätzungen zu katalogbasierten Systemen vor gut 20 Jahren zu vergleichen, die die erste „Digitalsierungswelle“ in Unternehmen maßgeblich prägten. Es bleibt aber zu konstatieren, dass der Wissensstand sowie die Anwendungsszenarien aktuell noch zu wünschen übrig lassen. Hier ist in den nächsten Jahren einige Grundlagenarbeit zu verrichten.

Eine Blockchain ist kein Allerheilmittel und sie gibt es – zumindest aktuell – nicht „von der Stange“. Es existieren jedoch verschiedene Umgebungen bzw. Plattformen, um Blockchains anwendungsspezifisch zu implementieren. Aber hierzu werden auch Mut zu Innovationen und klare Ideen benötigt.

Bild: iconimage/Fotolia.de

Grafik: HTWK Leipzig

Autoren: Kathrin Meinert, Prof. Dr. Holger Müller (HTWK Leipzig)

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