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Industrieproduktion schrumpft im April weiter

Erstellt am 7. Mai 2019

Industrieproduktion schrumpft im April weiter

Im Gegensatz zum kräftig expandierenden Servicesektor verharrt die Industrieproduktion in Deutschland weiter tief in der Schrumpfungszone. Das der EMI für den Monat April: Mit 44,4 Punkten den vierten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten.

Die aktuellen Umfrage-Ergebnisse zum IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) verbesserten sich aber im Vergleich zum März (44,1 Punkte) leicht. „Trotz der erneut nur durchwachsenen EMI-Daten sind wir zuversichtlich, dass der deutsche Industriesektor schon bald wieder zulegen wird. Wohin die Reise 2019 letztlich geht, werden uns aber erst die Zahlen der nächsten Vorabschätzung Ende Mai liefern“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME).

„Die Stimmung in Deutschland ist gut – zumindest bei den Konsumenten und im Bausektor. Anders sieht es derzeit noch in der Industrie aus, auch wenn der jüngste EMI leicht höher als im Vormonat ausfiel“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, die aktuellen EMI-Daten. Das Verarbeitende Gewerbe zeige sich derzeit besonders schwach. Dafür sei insbesondere der Automobilsektor verantwortlich. Dies belege wie schnell eine Stärke zu einer Schwäche werden könne. „Es gibt aber Hoffnungsschimmer. Die starken Konjunkturimpulse in China, ein fortgesetztes Wachstum in den USA und Erholungstendenzen bei unseren unmittelbaren Nachbarn bei anhaltend starker Nachfrage in den Servicesektoren sollten auch bald wieder der deutschen Industrie auf die Sprünge helfen“, teilte die Helaba-Bankdirektorin dem BME abschließend mit.

„Die aktuellen Daten zeigen einmal mehr die Probleme der deutschen Industrie auf, die letztlich auf der Gesamtwirtschaft lasten. Dies sind eine generelle Industrieschwäche in der Weltwirtschaft sowie die bekannten Probleme vom immer noch nicht geklärten Brexit bis hin zu den Sonderthemen der Automobilindustrie“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Montag dem BME. So schlimm sehe es seiner Ansicht nach aber gar nicht aus: Die harten Daten deuteten dank starker Binnenkonjunktur auf ein intaktes Wachstum im ersten und im zweiten Quartal hin. Somit müsse der eine oder andere Pessimist seine Wachstumsprognose für dieses Jahr wahrscheinlich wieder nach oben korrigieren.

„Die Industrie verliert weiterhin an Stärke. Die erneute Abnahme der Auftragseingänge sorgt für Unsicherheit bei den Unternehmen über ihre zukünftigen Geschäfte“, teilte DIHK-Außenwirtschaftsexperte Kevin Heidenreich  dem BME mit. Hinzu kämen internationale Handelsstreitigkeiten und der Brexit. „Besser früher als zu spät müssen deshalb die Unternehmen von zu hohen Steuern und zu viel Bürokratie entlastet werden. Das stützt die Konjunktur und hilft den Betrieben im weltweiten Vergleich“, fügte der Leiter des DIHK-Referats Grundsatzfragen der Außenwirtschaft und Entwicklungspolitik hinzu.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Montag dem BME: „Aktuell sorgen die Rohölnotierungen für eine hohe Volatilität. Bereits Anfang April hatten die Preise leicht angezogen. Die Ankündigung der USA, die bisher erteilten und bis Mai 2019 terminierten Genehmigungen zum Bezug iranischen Rohöls nicht zu verlängern, ließen die Rohölpreise kräftig steigen.“ Die Situation habe sich etwas beruhigt, nachdem Präsident Trump ankündigte, Saudi-Arabien wäre bereit die Lücke kurzfristig zu schließen. Das Bezugsembargo treffe insbesondere China, Indien, die Türkei und Südkorea. „Die iranische Regierung ihrerseits drohte zuletzt mit der Blockade der Straße von Hormus, dem wichtigsten Seelieferweg aus der Golfregion. Vor dem Hintergrund der aktuell weiter sinkenden Rohölproduktion in Venezuela – diese liegt nur noch bei gut einem Drittel des Niveaus von 2017 – würde dies die Ölversorgung gefährden“, fügte Büchner hinzu. Da Saudi-Arabien aber aktuell auf das Wohlwollen der USA angewiesen sei, erwarte die IKB, dass die derzeitige Förderbeschränkung der OPEC spätestens im Juni aufgehoben werde. Deshalb sei bis zur Jahresmitte 2019 mit einem Rohölpreis zwischen 70 und 75 US-Dollar je Barrel Brent zu rechnen. Bei einer temporären Schließung der Straße von Hormus hätte der Rohölpreis kurzfristig weiteres Steigerungspotenzial.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick: 

Industrieproduktion: Die April-Daten signalisieren den dritten Rückgang des Produktionsniveaus bei den deutschen Herstellern in Folge. Zwar verbesserte sich der Teilindex Leistung etwas von seinem 80-Monatstief im März, blieb aber nichtsdestotrotz deutlich in der Verlustzone. Unternehmen, die ein Minus verzeichneten, schrieben dies der schwachen Nachfrage zu, und zwar vor allem aus der Automobilbranche.

Auftragseingang insgesamt/Export: Erneut schlug bei den Industrieunternehmen ein deutliches Minus im Auftragseingang zu Buche. Zwar erholte sich die Rate gegenüber dem Vormonat etwas, blieb aber trotzdem die zweitschlechteste seit über zehn Jahren. Damit schrumpfen die Neuaufträge der Global Player und KMU seit mittlerweile sieben Monaten. Am kräftigsten fiel der Rückgang bei den Produzenten von Investitionsgütern aus.

Auch die rückläufige Nachfrage aus dem Ausland ist nach wie vor kennzeichnend für die EMI-Umfrage. Im April wurde bereits das achte Minus hintereinander verzeichnet, das wieder kräftig ausfiel und nur minimal über dem Zehnjahresrekord vom März lag. Die strauchelnde Automobilindustrie wurde abermals von vielen EMI-Umfrageteilnehmern als Hauptgrund für den Rückgang angegeben. Unter anderem wurden in China, den USA und einigen europäischen Ländern geringere Umsatzzahlen registriert.

Beschäftigung: Wie schon im März schrumpfte die Beschäftigung im deutschen Industriesektor im April minimal. Der Rückgang resultierte vor allem daraus, dass befristete Verträge sowie Zeitarbeitskräfte nicht verlängert wurden. Vereinzelt wurde aber auch von Kündigungen und der Nichtbesetzung von Stellen pensionierter Mitarbeiter berichtet. Der Stellenabbau konzentriert sich hauptsächlich auf den Vorleistungs- und Investitionsgüterbereich.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Zu Beginn des zweiten Quartals blieb der Kostendruck gedämpft. Der saisonbereinigte Teilindex Einkaufspreise blieb im Vergleich zum 32-Monatstief vom März praktisch unverändert und damit weiter deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt von 56,0 Punkten. Der Anstieg der Ölpreise und Löhne wurde durch die Verbilligung von Rohmaterialien – insbesondere Stahl – größtenteils überkompensiert. Darüber hinaus berichteten einige EMI-Umfrageteilnehmer aufgrund des niedrigen Nachfrageniveaus erfolgreich günstigere Preise ausgehandelt zu haben.

Aufgrund des momentan schwachen Kostendrucks sowie der nach wie vor rückläufigen Anzahl an Neuaufträgen, waren die Unternehmen im April zurückhaltender bei ihrer Preisgestaltung. Die durchschnittlichen Erzeugerpreise stiegen daher nur moderat an und mit der niedrigsten Rate seit November 2016. Während im Konsumgüterbereich die Preise kräftig angehoben wurden, verbilligten sie sich sogar im Vorleistungsgüter- sowie im Investitionsgüterbereich.

Jahresausblick: Die EMI-Umfrageergebnisse von April zeigen abermals, dass die Geschäftsaussichten im Produzierenden Gewerbe weiterhin eher düster sind. So rutschte der Teilindex Jahresausblick weiter unter die neutrale Referenzlinie von 50 Punkten und signalisierte den stärksten Pessimismus seit November 2012. Am meisten Sorgen bereiten den Einkaufsmanagern nach wie vor die strauchelnde Automobilindustrie, der Brexit sowie die andauernden internationalen Handelsstreitigkeiten.


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