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Rohstoffe: Einkaufen oder selbst gewinnen?

Rohstoffe: Einkaufen oder selbst gewinnen?

29.01.2018

Rohstoffe: Einkaufen oder selbst gewinnen?

Viele Rohstoffe werden teurer oder schwerer beschaffbar. Sollten also mehr Unternehmen den Schritt hin zur eigenen Rohstoffgewinnung wagen? Wir stellen vier Beispiele vor.

Praktisch alle deutschen Unternehmen setzen auf den Einkauf von Rohstoffen über Zwischenhändler. Das Problem dabei, Zukunftsrohstoffe wie Selen, Tellur, Kupfer, Seltene Erden verteuern sich weiter.

Zahlen der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) zufolge sind derzeit nur rund 70 deutsche Unternehmen und Staatsbürger im Rohstoffabbau tätig; 54 davon für den internationalen Rohstoffhandel. Sie engagieren sich vor allem im osteuropäischen Ausland und sind derzeit in 68 Ländern aktiv. Allerdings geht die Zahl der Unternehmen, die sich in Entwicklungsländern engagieren, stetig zurück. Praktisch alle anderen deutschen Produzenten also setzen auf den Einkauf, der sich vor allem bei Rohstoffen für Zukunftstechnologien, wie Selen, Tellur, Kupfer, Seltene Erden, weiter verteuert.

„China und die USA sind die wichtigsten Player und beeinflussen massiv das Geschehen“, konstatiert Peter Buchholz, Leiter der DERA. Bei Silizium sei durch die Elektromobilität eine Verdopplung der Preise zu beobachten, auch Kobalt wird erheblich teurer. Die Umweltgesetzgebung in China greife massiv in den Kapazitätsabbau ein. Das bekämen einige Hersteller bereits bei Magnesit und Graphitelektroden zu spüren, so Buchholz.

Die Agentur will dazu ermutigen, sich an eigene Projekte heranzutrauen. Einige Beispiele zeigen sowohl die Chancen, als auch den Aufwand und die Risiken entsprechender Auslandsaktivitäten. Vor allem machen sie bewusst, wie unterschiedlich sich kulturelle Herausforderungen in den Ländern gestalten.

Australien

Im letzten Jahr hatte die DERA in einer Studie die Rohstoffsituation und Chancen zum Absatz von Maschinen und Anlagen in Australien unter die Lupe genommen: Der Kontinent gilt aufgrund des sozialen Friedens als gute Alternative. In Westaustralien wurden 60 Lagerstätten für „critical minerals“ identifiziert. Die Situation verändert sich dort rasch, erläuterte DERA-Analyst Siyamend Al Barazi. Bei Lithium zum Beispiel herrsche angesichts einer Verdreifachung der Preise seit 2000, es herrsche „Goldgräberstimmung“. „Bei dieser Preisentwicklung macht es Sinn, in diese Projekte schnell reinzugehen, wenn man in diesem Bereich tätig ist“, so Al Barazi. Zwar engagierten sich bisher nur wenig deutsche Unternehmen selbst, er sieht jedoch eine steigende Bereitschaft, dort Lieferanten aufzubauen.

Das Land ist auch aus der Sicht des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus relevant. Bernd Loose, Geschäftsführer des Anlagenbauers Actemium BEA GmbH: „Australien ist im Bergbaubereich sehr konservativ was Sicherheit betrifft und sehr innovativ mit neuen Technologien – das ist durchaus anders als in Deutschland“. Doch der Blick auf das Land, das sehr wenig Korruption aufweist und vom Lebensstandard her an Platz zwei weltweit steht, lohne sich. In Europa hängt die Referenz am Unternehmen, in Australien hingegen an einzelnen Experten und deren Know-how, erklärte Bernd Loose. Discontinous Mining werde bevorzugt; hohe Aufwendungen für Sicherheit und lokale Standards müsse man einplanen, um wirtschaftlich produzieren zu können. Die Zusammenarbeit vor Ort laufe jedoch sehr angenehm und effizient. „Aber wir beobachten auch, dass chinesische und indische Unternehmen Minen kaufen und ihre Anlagenbauer mitbringen“, äußert sich Loose besorgt.

Island

Fast exotisch erscheint ein Projekt von PCC SE. Das Unternehmen war 1993 als Rohstoffhandelshaus mit Schwerpunkt Osteuropa gegründet worden. Weil klassische Rohstoffhändler immer mehr an Bedeutung verlieren, will man sich stärker in der Rohstoffindustrie engagieren. Das Unternehmen erwarb eine Mine in Polen, doch man entschied sich aufgrund hoher Energiepreise dagegen, eine Anlage für die energieintensive Herstellung von Siliziummetall in Polen zu bauen. Stattdessen entsteht eine solche Produktionsstätte mit einer Kapazität von 32 000 Tonnen Siliziummetall und 16 000 Tonnen Micro Silicium Dust pro Jahr in Island. Die Ramp-up-Phase soll bis Mitte 2018 abgeschlossen sein.

Das akribisch geplante Vorhaben stellte PCC SE dennoch immer wieder vor neue Herausforderungen. So musste ein Geothermiekraftwerk gebaut, der Hafen ausgebaut und eine Infrastrukturmaßnahme für den LKW-Transport auf einer neu gebauten Straße umgesetzt werden. „Es rechnet sich trotz der Transportkosten von Polen aus“, stellte Dembek klar. Er sieht Island als Boom-Land für energieintensive Industrien: „Wir haben hier eine verlässliche Versorgung ausschließlich aus erneuerbaren Energien und günstigen Preisen mit Verträgen über ein Jahrzehnt hinaus und damit langfristige Sicherheit“. Das Siliziummetall wird zu hundert Prozent an deutsche Kunden verkauft.

Südafrika

„Alles beginnt mit einer langfristigen Vision und Strategie. Eigene Werte spielen eine große Rolle als Erfolgsfaktor“, sagt Philipp Kistner, Commercial Director Cronimet Mining AG. Das mittelständische Familienunternehmen baut Kupfer in Armenien und Südafrika ab. Um Konzentrate im Kupfergruppenbereich anzubieten, wurden in Südafrika 340 Leute angestellt. Aufgrund der hohen Energiekosten investierte man in ein Solarkraftwerk, das innerhalb von drei Monaten entstand. Diese Energielösung will man auch anderen Bergbauunternehmen anbieten.

„Wenn Sie gewisse mineralische Erze oder Metallrohstoffe suchen, werden Sie auch in schwierige Länder vordringen müssen. Aber man sollte sich einer nachhaltigen Strategie verschreiben – damit kann man in allen Ländern Erfolg haben“, konstatierte Kistner. Das Unternehmen investiert in soziale Partnerschaft, mit Blick auf Ausbildung, Schule und Waisenkinder. In Südafrika hätten Ausländer generell politisch mit Gegenwind zu rechnen. „Man kann etwas erreichen, aber Sie brauchen viel Managementkapazität und viel Kapital“, sagte Kistner.

Türkei

Die Osthoff-Omega-Gruppe kaufte vor ein paar Jahren eine Mine in der Türkei. Grund für das Engagement war Sepiolith, ein auch als Meerschaum bekanntes Material, das in Katzenstreu, Tierfutter, Pflanzenschutzmitteln und Molekularsieben in Fenstern Verwendung findet. Double-Sourcing-Strategien sind hier wichtig, weil wegen der wenigen Vorkommen eine kritische Versorgungslage zum Beispiel durch politische Umstände nicht auszuschließen ist.

Die Endfertigung von hochwertigen Produkten fand in Deutschland statt, um das Abgreifen von Know-how vor Ort zu vermeiden. „Als wir angefangen haben, war die Regierung sehr deutschfreundlich, leider hat sich das drastisch geändert“, berichtete der Thomas Osthoff-Petrasch, Geschäftsführer der Osthoff-Omega-Gruppe. Trotz der positiven Erfahrungen hinsichtlich Gastfreundschaft, guter Infrastruktur und vereinfachter Import/Export-Regeln, endete das Projekt dramatisch. Als sich die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei verschlechterten, bekam das Unternehmen Probleme mit einem gefälschten Wechsel. Nachdem sich die Gerichtsverhandlungen endlos hinzogen, entschied man, das Projekt zu beenden. Die Anlage wurde verpfändet, das Unternehmen bekam sein Eigentum nicht zurück.

Für mittelständische Unternehmen seien die Energiepreise für Gas und Diesel sehr hoch, Transporte von der Türkei in andere Länder im Verhältnis deutlich teurer. Zudem seien die Löhne stark gestiegen, die Sozialleistungen liegen bei 30 Prozent und qualifizierte Mitarbeiter sind schwer zu finden.

Bild: Imarc/Fotolia.de

Autor: Daniela Hoffmann

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Autor: Dörte Neitzel

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