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So verändern Flugtaxis Mobilität und Logistik

Bild: Airbus

27.06.2019

So verändern Flugtaxis Mobilität und Logistik

Autobahnen und Innenstadtringe ohne Stau, Großstädte mit saubererer Luft – ein Traum. Eine Möglichkeit wären elektrische Flugtaxis, an denen fleißig gearbeitet wird.

Wer kennt sie nicht, diese Strecken auf Autobahnen und Straßen in Städten, die einfach immer verstopft sind. Meist gibt es keine oder nur wenige Möglichkeiten, die Straßen auszubauen oder den Verkehr anders zu leiten.

Eine bisher noch völlig staufreie Alternative bietet der untere Luftraum. Zukünftig werden Flugtaxis diesen Raum füllen, um so die Straßen zu entlasten und die Passagiere schneller zum Ziel zu bringen

Per Flugtaxi zum Flughafen?

Eine Studie von Porsche Consulting prognostiziert, dass die ersten Flugtaxis bereits 2025 im Einsatz sein könnten und dass bis 2035 sogar schon 23.000 der elektrisch betriebenen Senkrechtstarter im Einsatz sein werden. Als Beispiel nennt Porsche Consulting die Strecke vom Münchner Marienplatz an den Flughafen München.

Die Beratungsgesellschaft erwartet, dass die Flugdauer bei einer zu erwartenden Geschwindigkeit von 200 km/h circa 10 Minuten dauern wird. Der Preis dürfte bei ungefähr 100 Euro liegen. Das Angebot wird ähnlich werden wie das von Taxis auf der Straße – über eine App können Flugservices für die gewünschte Strecke bestellen und das Lufttaxi holt die Passagiere ab.

Was ist ein Flugtaxi?

Zum Einsatz kommen sogenannte eVTOL-Flugzeuge (electric-powered Vertical Take Off and Landing), die dank des elektrischen Antriebs leiser und emissionsärmer als Helikopter sind. Porsche Consulting nennt sogar Zahlen: viermal leiser, doppelt so sicher und um ein Zehnfaches günstiger sollen die eVTOL-Taxis sein.

Einige Unternehmen in Deutschland haben sich der Entwicklung solcher fliegenden Taxis angenommen. Der europäische Flugzeughersteller Airbus ist gleich in mehrere Projekte involviert. Mit dem CityAirbus, der bei Airbus Helicopters in Donauwörth gemeinsam mit Siemens entwickelt wird, soll der innerstädtische Verkehr entlastet werden.

Asiatische Städte als Vorreiter

„Elektrisch betriebene Luftfahrzeuge für den innerstädtischen Verkehr sind keine Spielerei, sondern sollen Menschen einen Mehrwert bringen“, sagt Marius Bebesel, Programmleiter CityAirbus. „Lufttaxis werden dort zum Einsatz kommen, wo aufgrund erheblicher Verkehrsprobleme am Boden ein hoher Bedarf an städtischem Luftverkehr besteht.“

Megacitys in Asien und Lateinamerika werden laut Marius Bebesel unter den Ersten sein. „In Europa und Deutschland haben wir zum Glück nur wenige Städte, die vor dem Verkehrskollaps stehen“, erläutert er.

Kombination aus E-Auto und Drohne

Gemeinsam mit Audi und Designstudio Italdesign arbeitet Airbus noch an einem weiteren Projekt: dem Pop.Up Next. Dabei handelt es sich um ein etwas anderes Flugtaxi-Konzept, denn das Vehikel kombiniert ein selbstfahrendes E-Auto mit einer Passagierdrohne.

„Mit zunehmender Automatisierung und den wachsenden Ballungsräumen wird die Verkehrsnachfrage weiter steigen“, so Bernd Martens, Audi-Vorstand für Beschaffung/IT. „Daher ist es sinnvoll und notwendig, den Verkehr intelligent auf Schiene, Straße und Luftraum zu verteilen.“

Weitere Konzepte für den innerstädtischen Verkehr

Neben diesen großen Unternehmen arbeiten auch zwei Start-ups an Personendrohnen: Volocopter aus Bruchsal bei Karlsruhe und Lilium Aviation aus Gilching bei München. Beide haben mit ihren Fluggeräten bereits erste Flüge absolviert. Die Konzepte unterscheiden sich allerdings grundsätzlich.

Flugtaxi Volocopter

So könnte das Innere eines Flugtaxis aussehen. (Bild: Volocopter)

Während der Volocopter ein Multicopter (Rotorflugzeug mit mehr als zwei Rotoren) ist, ist das Lilium Jet nach dem sogenannten Tilt-Konzept gebaut, das Flügel und Rotoren kombiniert, die rotiert werden können. Das liegt auch daran, dass die geplanten Einsatzgebiete sich unterscheiden.

Schnellere Shuttle-Transporte

Der Volocopter soll ähnlich wie auch der CityAirbus und Pop.Up Next einen Platz im innerstädtischen Verkehr einnehmen, sprich vor allem kurze Strecken abdecken. „Es geht darum, Strecken, die überlastet sind, um eine Ebene zu erweitern“, so eine Sprecherin des Unternehmens.

Es gibt sogar bereits konkrete Projekte. Beispielsweise arbeitet das Bruchsaler Start-up mit der Flughafen-Betreibergesellschaft Fraport zusammen, um die Frankfurter Innenstadt noch besser an den Flughafen anzubinden. „Klar wird der Flug teurer sein als der Bus oder Zug, aber dafür auch schneller und zuverlässiger“, so die Unternehmenssprecherin.

Lilium Jet mit höherer Reichweite

Das Lilium Jet hingegen soll eher längere Strecken zurücklegen. „Einer der Unterschiede zu den anderen Anbietern ist die Reichweite des Lilium Jets“, erklärt ein Sprecher von Lilium Aviation. „Da es möglich sein wird, bis zu 300 Kilometer mit nur einer Akku-Ladung zurückzulegen, können wir ganze Regionen miteinander verbinden, anstelle von Punkten innerhalb einer Stadt.“

Normen und Zulassung sind die Krux

Bei der Frage, ab wann die ersten Flugtaxis den Betrieb aufnehmen werden, sind sich Studien und Entwickler einig, dass dies bereits im kommenden Jahrzehnt passieren wird. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bis 2021 bereits erste Strecken anbieten können“, so die Sprecherin von Volocopter.

Lilium und Airbus sprechen von 2025. Wann genau es soweit sein wird, hängt weniger von dem Entwicklungsstand der Fluggeräte ab – schließlich sind zwei bereits in Originalgröße sowohl mit Pilot als auch autonom betriebsbereit.

Flugtaxi Volocopter

Landeplätze müssen noch geschaffen werden. (Bild: Volocopter)

Stattdessen geht es nun um diverse Normen und Zulassungsverfahren. „Erst dann, wenn es rechtliche Normen für die Zulassung und den Betrieb von autonomen, elektrischen, senkrecht startenden Luftfahrzeugen im städtischen Luftraum gibt, können Flugtaxis den Betrieb aufnehmen.“

Voraussichtlich zunächst mit Piloten, da die Zulassung dafür schneller gehen wird, in Zukunft dann aber auch autonom. Zuständig für die Zulassungen in Deutschland ist die EASA (European Aviation Safety Agency, Europäische Agentur für Flugsicherheit) sowie das Luftfahrt-Bundesamt. Für die Regulierung des Luftraums ist das die Luftaufsichtsbehörde Eurocontrol. Der Prozess wurde mit der Initiative für städtischen Luftverkehr bereits angestoßen, kann aber eben noch eine Weile dauern.

Autorin: Julia Dusold

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Autor: Dörte Neitzel

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