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Technische Anforderungen für Diesel-Nachrüstungen steht fest

Erstellt am 3. Januar 2019

Technische Anforderungen für Diesel-Nachrüstungen steht fest

Das Bundesverkehrsministerium hat den Weg frei gemacht für die Nachrüstung von älteren Dieselautos. Die Behörde hat die technischen Anforderungen für die allgemeine Betriebserlaubnis für Hardware-Bausätze festgelegt.

In einem 30-seitigen Papier hat das Bundesverkehrsministerium die technischen Anforderungen für die “Allgemeine Betriebserlaubnis” (ABE) festgeschrieben, die für die Zulassung der Hardware-Bausätze durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) nötig seien. Das berichten die Bild-Zeitung sowie der Bayerische Rundfunk. Damit sei zumindest rechtlich ein Schritt für den Umbau älterer Diesel-Pkw erfolgt, um deren Stickoxid-Ausstroß zu verringern.

Folgende Anforderungen sind in der Richtlinie festgeschrieben:

  • Die Hersteller der Nachrüst-Sätze wmüssen garantieren, dass das nachträglich eingebaute technische System zur Abgasreinigung bei Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro 4 und 5 “bis Minimaltemperaturen von -7 Grad (…) wirksam und funktionsfähig” ist.
  • Die Hersteller müssen zusichern, dass für ihre Anlagen “eine Leistung von 100.000 km oder eine Lebensdauer von bis zu fünf Jahren (…) gewährleistet ist”.
  • Der Pkw darf nach der Nachrüstung nicht lauter sein als vorher.
  • Der Stickoxid-Ausstoß (NOx) nachgerüsteter Diesel-Fahrzeuge darf nicht über dem Grenzwert von 270 Mikrogramm pro Kilometer liegen.

Zwar bieten verschiedene Firmen bereits Nachrüstsätze an, doch diese müssen noch vom KBA genehmigt werden. Dort sind sind nach Informationen der Bild allerdings noch keine vollständigen und entscheidungsreifen Anträge eingegangen.

Autohersteller mauern bei Diesel-Nachrüstung

Volkswagen spricht sich allerdings gegen die Umrüstungen aus. Der Autohersteller warnte vor einem höheren Verbrauch nach einer Umrüstung und vor negativen Folgen bei der Zuverlässigkeit der Autos: “Dies können wir als Automobilhersteller im Sinne unsere Kunden weder befürworten noch dafür haften. Deshalb raten wir von Hardware-Nachrüstungen ab.” Volkswagen setzt stattdessen auf Neukäufe.

Das Bundesumweltministerium ist irritiert: “Die Reaktion von VW wundert uns”, so ein Ministeriumssprecher. “Dass VW nun eine Rolle rückwärts macht und wieder ausschließlich auf die Erneuerung der Fahrzeugflotte setzt, ist ärgerlich und wird kaum das verlorene Vertrauen in den Autokonzern wiederherstellen. Denn ein wenige Jahre altes Fahrzeug gegen ein neues einzutauschen, können sich nur die Wenigsten leisten und ist ökologischer Irrsinn.”

Kostenübernahme von Nachrüstungen noch unklar

Unklar ist derzeit noch die Kostenübernahme für den Einbau. Laut ADAC kalkuliert das Verkehrsministerium mit Nachrüstkosten von durchschnittlich 3.000 Euro, jedoch bleibt die Haftungsfrage ungeklärt, sollten Schäden am Fahrzeug entstehen. VW beispielsweise will maximal 80 Prozent der Kosten der Hardware-Nachrüstung übernehmen. BMW lehnt eine Hardware-Nachrüstung ab, will aber den Neukauf mit bis zu 3.000 Euro bezuschussen.

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) warnt Besitzer älterer Diesel könnten bei technischen Problemen nach einer Nachrüstung nicht mit Unterstützung der deutschen Hersteller rechnen. “Wir können keine Garantie für ein Fahrzeug übernehmen, in das nachträglich Abgasreinigungssysteme Dritter eingebaut wurden”, sagte Verbandspräsident Bernhard Mattes der Zeitung Welt. Wenn ein Kunde sein Fahrzeug umbauen lasse, dann trügen er und der Nachrüster auch die Verantwortung für mögliche Folgeschäden.

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[1] Fahrverbote auch für Euro-6-Diesel?: https://www.technik-einkauf.de/news/fahrverbote-auch-fuer-euro-6-diesel/

[2] Abgas-Tests: Das sind die dreckigsten Diesel: https://www.technik-einkauf.de/news/abgas-tests-das-sind-die-dreckigsten-diesel/

[3] VW-Urteil: Kaufverträge mit Schummel-Diesel sind nichtig: https://www.technik-einkauf.de/newsletter/vw-urteil-kaufvertraege-mit-schummel-diesel-sind-nichtig/

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