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USA-China-Konflikt könnte Welthandel schrumpfen

Erstellt am 14. Mai 2019

USA-China-Konflikt könnte Welthandel schrumpfen

Eine Eskalation zum Handelskrieg zwischen USA und China könnte das Wachstum des weltweiten Bruttoinlandsprodukts in den kommenden Jahren um zwei Prozentpunkte kappen. Unsicherheiten fallen dabei bisher stärker ins Gewicht als Strafzölle.

US-Präsident Trump hat Strafzölle von 25 Prozent statt bisher 10 Prozent auf chinesische Importe wahr gemacht. Das betrifft Einfuhren im Wert von rund 200 Milliarden US-Dollar. Damit spitzt sich der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China zu.

Weltweites BIP sinkt durch Zölle

Durchschnittliche Importzölle der Amerikaner lägen damit oberhalb der 6%-Grenze, was sich noch deutlich negativer als bisher auf den Welthandel und das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) auswirken würde: Ein solcher Schritt würde nach Einschätzungen des weltweit führenden Kreditversicherers Euler Hermes in den kommenden zwei Jahren das Wachstum des weltweiten Bruttoninlandsprodukt um 0,5 Prozentpunkte (pp) kappen.

Beim Welthandel wären es im gleichen Zeitraum sogar 2pp.

“Es geht noch schlimmer”

„Wir haben dann einen waschechten Handelskonflikt mit Potenzial zum Handelskrieg“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe und stellvertretender Chefvolkswirt der Allianz. „Es ist aber auch noch Luft nach unten. Ginge die US-Regierung so weit, zusätzliche Zölle auf importierte chinesische Waren im Wert von 325 Mrd. US-Dollar und auf Automobilimporte im Wert von rund 200 Mrd. US-Dollar belegen, wäre das definitiv der Startschuss für einen regelrechten Handelskrieg. Durchschnittlich 12 Prozent Zölle würden die USA dann auf importierte Güter erheben. Das weltweite BIP würde dann um satte 2pp rasiert, der Welthandel würde sogar schrumpfen.“.

Zölle sind bisher nicht einmal das größte Problem

Schon 2018 hat der Konflikt zu erheblichen Einbußen geführt. Das Wachstum des Welthandels ist 2018 von 5,2 auf 3,8 Prozent geschrumpft. Für das erste Halbjahr 2019 sind die Erwartungen ebenfalls gedämpft. Erst im zweiten Halbjahr ist eine leichte Erholung in Sicht – aber nur dann, wenn die USA und China ihren Konflikt bis zum Sommer beilegen und eine Einigung finden. Erschwerend kommt hinzu, dass Welthandel und Weltwirtschaft mit einem erheblichen „Unsicherheits-Abschlag“ zu kämpfen haben.

„Die Zölle sind bisher nicht das größte Problem“, sagt Subran. „Die Unsicherheit durch den schwelenden Konflikt hat die Wirtschaft bisher tatsächlich stärker belastet als die bereits eingeführten Zölle. Das ist ähnlich wie beim Brexit – auch da ist die Unsicherheit und mangelnde Planbarkeit der größte Faktor in der Krise, ganz egal, wie am Ende das Ergebnis aussieht.“

Unsicherheit kostet mehr Wachstum

Die Euler Hermes Volkswirte gehen davon aus, dass die Zölle den Welthandel 2018 rund 0,3 Prozentpunkte (pp) an Wachstum gekostet haben – die Unsicherheit jedoch mit 0,5pp wesentlich mehr. Entspannung zeichnet sich aktuell nicht ab, auch wenn die Experten weiterhin von einer Einigung ausgehen. Euler Hermes rechnet selbst bei einer Einigung mit einem weiteren deutlichen Abflauen des Wachstums beim Welthandel auf 3,0 Prozent im Jahr 2019 und 2,7 Prozent für 2020.

Die mangelnde Planbarkeit ist der Haupttreiber hinter den Einbußen – und diese äußert sich über drei verschiedene Kanäle: Investitionen der Unternehmen werden auf Eis gelegt, der Konsum schwächt sich ab da Anschaffungen verschoben werden. Hinzu kommen hohe Lagerbestände und sinkende Preise.

Teufelskreis: Steigende Lagerbestände, sinkende Produktion und Kampfpreise

„Wenn sich das Wachstum abschwächt und Handelsbarrieren in den größten Volkwirtschaften zunehmen, trifft es die Schwächsten zuerst“, sagt Van het Hof.

„Weniger wettbewerbsfähige Unternehmen haben dann Probleme, ihre Waren an den Mann zu bekommen. Dann fängt ein Teufelskreis an: steigende Lagerbestände, eine verlangsamte Produktion und sinkende Preise. Am Ende heißt es für manches Unternehmen Endstation Insolvenz. Das wiederum geht auch an anderen Firmen nicht spurlos vorbei, auch wenn sie größere Puffer haben. Es zeigt sich einmal mehr, dass es bei Protektionismus und andauernden Handelskonflikten nur Verlierer gibt.“

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