Verantwortungsvolle Lieferkette durch Rekultivierung im Zinnbergbau

Bild: Pixabay/DutchAir

09.07.2019

Verantwortungsvolle Lieferkette durch Rekultivierung im Zinnbergbau

Immer mehr Abnehmer und Verarbeiter von Rohstoffen setzen auf verantwortungsvollen Lieferketten. Noch wenig beachtet werden jedoch die Folgen des Bergbaus nach der aktiven Förderung.

Auch in Entwicklungs- und Schwellenländern werden im Bergbau zunehmend höhere Sozial-, Arbeitssicherheits- und Umweltstandards eingefordert. Recht wenig im Fokus stehen bisher jedoch die Folgen des Bergbaus nach Beendigung der aktiven Förderung.

Rekultivierung im Zinnbergbau

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat jetzt in Indonesien mit lokalen Partnern aus Regierung und Wirtschaft ein 2-jähriges Pilotprojekt zur Rekultivierung im Zinnbergbau durchgeführt.

Diese Maßnahme ist ein Erfolgsmodell für das rohstoffreiche Bergbauland Indonesien und unterstreicht die Bedeutung des nachhaltigen Bergbaus von der Gewinnung bis zur Rekultivierung.

Indonesien ist Deutschlands größter Zinnlieferant

Im indonesischen Zinnbergbau bestehen soziale Herausforderungen und großflächige ökologische Belastungen in den teils ungenügend rekultivierten lokalen Abbaugebieten.

„Deutschland war in den vergangenen fünf Jahren weltweit viertgrößter Importeur von Zinnmetall und Indonesien unser größter Lieferant. Im Sinne einer verantwortungsvollen Lieferkette sollten daher deutsche Firmen auch von ihren indonesischen Zulieferern eine ordnungsgemäße Rekultivierung der dortigen Abbauflächen einfordern“, erläutert Dr. Volker Steinbach, Vizepräsident der BGR.

Zinn wird in einer Vielzahl von Produkten des täglichen Lebens eingesetzt, beispielsweise als Lötzinn in Elektronikprodukten oder als Weißblech in Dosen zur Lebensmittelverpackung.

19 Hektar rekultiviert

Auf praktischer Ebene umfasste das Projekt die Rekultivierung einer 19 Hektar großen Testfläche auf der „Zinninsel“ Bangka östlich von Sumatra sowie die Erstellung eines Handbuchs mit Rekultivierungsstandards für den indonesischen Zinnbergbau.

Das Handbuch wurde von lokalen Expertinnen und Experten auf Basis der Lernerfahrungen im Projekt entwickelt.

Auch soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen

Dr. Philip Schütte, BGR-Projektverantwortlicher, erklärt: „Die Rekultivierung ehemaliger Zinnabbauflächen ist nicht nur auf einzelne technische Fragen beschränkt, sondern muss in ein langfristiges Konzept der Landnutzung eingebettet werden.

Im anderen Fall besteht beispielsweise das Risiko, dass illegaler Kleinbergbau in den ehemaligen Gruben stattfindet. Die Folgen sind häufig Mondlandschaften aus großflächigen Brachen, für deren Sanierung niemand die Verantwortung übernehmen will.“

r. Andreas Möller, bodenkundlicher BGR-Experte des Projekts, ergänzt: „Um wirklich nachhaltig zu sein, müssen bei der Rekultivierung zwingend ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden. Ganz wichtig ist, dass auch die örtlichen Gemeinden in diese Maßnahmen einbezogen werden und Verantwortung übernehmen.“

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Autor: Dörte Neitzel

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