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Verunreinigtes Rohöl: Lieferungen aus Russland gestoppt

Erstellt am 26. April 2019

Verunreinigtes Rohöl: Lieferungen aus Russland gestoppt

Rohöl-Lieferungen über die russische Druschba-Pipeline sind vorerst gestoppt, da Russland verunreinigtes Erdöl geliefert hatte. Das hat Auswirkungen auf den Ölpreis.

Nichts geht mehr – zumindest bei der Druschba-Pipeline, die den Westen mit russischem Erdöl [1] versorgt. Die Einfuhr russischen Rohöls nach Deutschland und in andere europäische Länder wurde teilweise gestoppt – wegen Qualitätsproblemen.

Ausfall von 700.000 Barrel pro Tag

Die Pipeline Druschba („Freundschaft“) läuft durch Weißrussland, Polen und bis ins brandenburgische Schwedt. Ein südlicher Strang versorgt auch die Slowakei, Ungarn und Tschechien. Ob dieser Ast vom Versorgungsausfall betroffen ist, ist nicht klar. Betreiber von Druschba ist der russische Pipeline-Monopolist Transneft.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters dürften durch die Unterbrechung pro Tag insgesamt etwa 700.000 Barrel fehlen, bezogen auf alle Abnehmerländer. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2017 pro Tag alleine rund 2,5 Millionen Barrel Rohöl verbraucht, davon mehr als 30 Prozent aus Russland.

Preisexplosion auf 75 Dollar

Polen hatte den Import zuerst gestoppt, da die Raffinierien der polnischen PKN Orlen und Grupa Lotosdas Öl nicht verarbeiten konnten. Aber auch die ostdeutschen Raffinerien in Schwedt an der Oder könnte nun ein Versorgungsproblem bekommen. Die dortige PCK-Raffinerie versorgt zu 95 Prozent die Räume Berlin und Brandenburg mit Kraftstoffen, also Benzin, Diesel, Flugturbinenkraftstoff und Heizöl.

Zwar sind die Lager gefüllt, dennoch schoss der Rohölpreis auf seinen höchsten Stand in diesem Jahr. Er erreichte einen Wert von rund 75 Dollar je Barrel.  Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zufolge könnte bei Bedarf über die Häfen in Danzig und Rostock zusätzliches Öl angeliefert werden.

Zu viel organisches Chlorid

Offenbar hat ein noch unbekannter russischer Produzent Öl mit überhöhten Mengen an organischem Chlorid eingespeist. Wie die Welt berichtet, wurden in dem jetzt bemängelten Öl Konzentrationen von 150 bis 300 ppm (1 ppm = 0,0001 Prozent) gemessen. Üblich sind nur ein bis drei ppm, maximal dürfen es zehn ppm sein.

Organisches Chlorid wird bei der Ölförderung eingesetzt. Es muss aber vor dem Transport wieder herausgefiltert werden, weil es bestimmte Teile in den Öl-Raffinerien zerstören kann.

Wiederaufnahme der Lieferung angekündigt

Wie die russische Nachrichtenagentur Tass berichtet, will der Betrieber die Lieferung von sauberem Rohöl am 29. April wieder aufnehmen. Trotzdem könnten die Konzerne nach Ansicht von Händlern wegen des Ausfalls Ansprüche gegen Transneft geltend machen.

Eine Annahmeverweigerung ist in der Branche äußerst selten. Der letzte Fall mit einer Verunreinigung russischen Öls soll rund zehn Jahre zurück liegen.

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[1] Erdöl: https://www.technik-einkauf.de/ratgeber/rohstoffe/rohstoff-erdoel-schmierstoff-der-weltwirtschaft/

[2] Erdöl: Die größten Förder- und Exportländer: https://www.technik-einkauf.de/news/maerkte-unternehmen/erdoel-die-groessten-foerder-und-exportlaender/

[3] Hier liegen die größten Erdöl-Reserven: https://www.technik-einkauf.de/news/hier-liegen-die-groessten-erdoel-reserven/

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