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Welche Finanzierung ist die richtige für KMU?

Bild: Pixabay

25.02.2019

Welche Finanzierung ist die richtige für KMU?

Wenn Unternehmen eine Finanzspritze benötigen, soll sie vor allem schnell verfügbar, günstig und flexibel in der Rückzahlung sein.Wir stellen vier Möglichkeiten vor.

In der Finanzbranche gab es hier bisher so etwas wie eine Zweiklassengesellschaft: Während Anbieter im Privatkundenbereich online und auf Knopfdruck Kredite vergeben und weltweite Überweisungen ohne horrende Gebühren ermöglichen, ging es im Firmenkundenbereich zunächst nur langsam vorwärts. Der KfW Research zufolge schließt aktuell jedes dritte kleine oder mittelständische Unternehmen (KMU) eine klassische Kreditfinanzierung aus – trotz niedriger Zinsen.

Unterschiedliche Finanzierungen für unterschiedliche Zwecke

Der Bedarf ist klar: Geräuschlos, ohne Hürden und möglichst schnell soll es sein – eben wie aus dem Privatsektor gewohnt. Gibt es solche Alternativen für Firmenkunden? Wer einen Geldgeber sucht, stößt dabei schnell auf verschiedene Varianten. Welche Lösungen gibt es und wie unterscheiden sie sich voneinander?

Will man sich für die passende Finanzierungsform entscheiden, muss man zunächst prüfen, welche Varianten der Markt bereithält: Mit dem Betriebsmittelkredit, dem Kontokorrentkredit und dem Factoring existieren neben der Einkaufsfinanzierung drei Finanzierungsarten für KMUs, die sich von letztgenanntem aber etwa im Hinblick auf Praktikabilität und Kosteneffizienz deutlich unterscheiden.

Betriebsmittelkredit

Ein Betriebsmittelkredit ist ein Kredit, der das Umlaufvermögen eines Unternehmens finanziert. Er ist also zweckgebunden: Von diesem Kapital sollen konkrete Betriebsmittel für ein Unternehmen finanziert werden. Damit können zum Beispiel Rohstoffe, Miete, Beratungskosten oder auch Waren und Vorräte finanziert werden, die für die Führung eines Geschäftsbetriebs unerlässlich sind.

Anders als beim klassischen Kredit wird also die Verwendung vonseiten des Kapitalgebers vorgegeben. Je nach Bonität sind Zinsen zwischen 2,5 und 12% fällig.

Kontokorrentkredit

Ähnlich dem Dispositionskredit für Privatpersonen können Unternehmen den Kontokorrentkredit in Anspruch nehmen, um kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Dieser sieht vor, dass einem Unternehmen von seinem Kreditinstitut erlaubt wird, das Konto bis zu einer vereinbarten Höhe und ohne Ankündigung zu überziehen.

Durch Einzahlungen auf das Kontokorrentkonto können Geldnehmer die Überziehung ihres Kontos jederzeit tilgen. Die Zinsen hierfür sind aber üblicherweise vergleichsweise hoch und liegen zwischen 6 und 15 Prozent.

Factoring

Beim Factoring wird die Liquidität eines Unternehmens durch den Verkauf offener Forderungen für Waren oder Dienstleistungen an einen Dienstleister gesteigert. Bei dieser Finanzierungsform werden bestehende Forderungen gegen eine Gebühr an einen Factorer verkauft. Der Factorer zahlt den Betrag abzüglich einer Gebühr sofort an das Unternehmen aus und übernimmt beim echten Factoring auch das Ausfallrisiko der offenen Forderung.

Die Gebühren setzen sich aus Factoringgebühr, Zinssatz, Prüf- und Risikogebühr zusammen und sind abhängig von Jahresumsatz und Forderungsanzahl. Eine genaue Prüfung der Anbieter ist wichtig. Im Schnitt fallen zwischen Factoringgebühren von 0,1 bis 1,5 Prozent und Zinsen zwischen 2 und 8 Prozent an.

Einkaufsfinanzierung und ihre Vorteile

Hinter dem etwas sperrigen Begriff der Einkaufsfinanzierung steht der Kauf auf Raten für Firmenkunden. „Der maßgebliche Vorteil bei diesem Finanzierungsmodell besteht darin, dass durch den digitalen Kauf auf Raten eine ‚Win-Win-Win-Situation‘ für Unternehmen, Lieferanten und den Anbieter entsteht“, erläutert Garry Krugljakow, Gründer und CEO des Wareneinkaufsfinanzierers VAI Trade.

In der Praxis funktioniert das so: Der Einkaufsfinanzierer bezahlt die Rechnung des Lieferanten sofort. Gegen eine geringe Laufzeitgebühr erhalten Kunden vom Einkaufsfinanzierer ein verlängertes Zahlungsziel von bis zu 180 Tagen. Der offene Betrag wird in monatlichen Raten beglichen. Mittelständler, die sich für dieses Finanzierungsmodell entscheiden, erhalten online bis zu 50.000 Euro zusätzliche Liquidität – oft innerhalb von 24 Stunden.

Der Finanzexperte stellt zwei Vorteile für Unternehmen besonders hervor: „Sie stärken ihre Verhandlungsposition gegenüber ihren Lieferanten und belasten nicht ihre Bonität bei der Hausbank. Technisch gesehen ist die Einkaufsfinanzierungen nämlich ein Handels- und kein Kreditgeschäft“. So verbessern Unternehmen ihre Bilanzen und ersetzen Bankverbindlichkeiten durch Lieferantenverbindlichkeiten.

Ein Händler etwa kann durch eine Einkaufsfinanzierung Ware einkaufen und damit Umsätze generieren noch während er die Ware abbezahlt. Somit kann er Saisonspitzen abfangen und beispielsweise für branchenübliche Hochphasen trotz begrenzter liquider Mittel mehr Ware einkaufen. Preislich gibt es Unterschiede. Einige Anbieter berechnen einen fixen Zinssatz auf den noch ausstehenden Betrag. Bei anderen reduzieren realisierte Skontovorteile die Gebühren und verlängern so das Zahlungsziel auch mal für günstige 0,6 %.

Fintechs – „Banken“ der Zukunft

Ob für einen Kredit oder eine andere Finanzierungslösung: Der wichtigste Parameter bei der Entscheidung für die Zusammenarbeit mit einem Geldgeber ist sowohl für Unternehmer als auch für Privatpersonen noch immer die Vertrauensbeziehung. Zu diesem Ergebnis kam u. a. eine PwC-Studie im vergangenen Jahr. Die Anbieter digitaler, technologiebasierter Finanzierungslösungen, die FinTechs müssen sich diesen Vertrauensvorschuss erst erarbeiten.

Dennoch boomt der Markt für alternative Finanzierungsangebote wie Einkaufsfinanzierung und die Nachfrage auf Kundenseite steigt. Zu attraktiv erscheinen die Vorteile von schneller, entbürokratisierter Finanzierung. Auch traditionelle Banken haben das erkannt und beteiligen sich über ihre Investmentfirmen selbst an den neuen Technologieunternehmen.

Schnell, einfach und flexibel wird in 2019 stärker denn je von Kunden gefordert und von den Fintechs umgesetzt – nun endlich auch energischer für Geschäftskunden. Unternehmen sind gut beraten, die neuen Finanzierungsoptionen für sich zu nutzen. Die Hürden waren noch nie so gering wie jetzt.

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Autor: Dörte Neitzel

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