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Zahlungsmoral: Firmen zahlen besser, Verbraucher laxer

Bild: Sebra/Fotolia

19.12.2018

Zahlungsmoral: Firmen zahlen besser, Verbraucher laxer

Die Zahlungsmoral deutscher Firmen lässt nicht zu wünschen übrig. Im Gegenzug verschieben viele Verbraucher die Bezahlung ihrer Rechnungen immer weiter nach hinten. Kommunen sind die schlechtesten Zahler.

Die Inkassounternehmen bewerten die Zahlungsmoral in Deutschland weiterhin mit relativ guten Noten. In ihrer traditionellen Herbstumfrage melden jetzt 81 Prozent der Befragten, dass Rechnungen genauso zuverlässig oder sogar noch besser bezahlt werden als 2017. Das ist das Ergebnis der Umfrage unter den 550 Mitgliedern des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU), Berlin. Es ist schon das neunte Jahr in Folge, dass die Branche eine Verbesserung bei der Zahlungsmoral beobachtet.

Die Verbesserungen bei der Zahlungsmoral sind in diesem Jahr allerdings fast ausschließlich durch Firmenkunden entstanden. Bei privaten Schuldnern beobachtet die Branche dagegen einen leichten Negativtrend: 27 Prozent machen die Erfahrung, dass Verbraucher ihre Rechnungen jetzt laxer begleichen – nur 23 Prozent melden eine bessere private Zahlungsmoral.

Laxes Forderungsmanagement

Es sind aber nicht nur die privaten Schuldner, die den Gläubigern im Moment Probleme bereiten. “Die gute Konjunktur hat leider zur Folge, dass einige Firmen ihr Forderungsmanagement vernachlässigen”, klagt Pedd. “Solange die Geschäfte gut laufen, steigt auch das Vertrauen der Firmen in ihre Partner und sie sind dazu bereit, auf Zahlungseingänge länger zu warten. Sie mahnen zu spät und übergeben Forderungen auch erst viel später an einen Rechtsanwalt oder ein Inkassounternehmen. Wenn aber der Ausgleich für fällige Rechnungen erst später bei ihnen eintrudelt, dann kann es bei finanziellen Engpässen passieren, dass die Firmen nicht genügend Geld in der Kasse haben, um ihre eigenen Zahlungsverpflichtungen pünktlich zu bedienen. Dann kommt es zum Dominoeffekt bei der Zahlungsmoral. Die Firmen setzen sich damit hausgemachten Risiken aus, die sie anfällig für Krisensituationen machen.”

75 Prozent berichten in der Umfrage, dass Zahlungsausfälle bei eigenen Kunden der Grund sind, warum gewerbliche Schuldner Rechnungen derzeit nicht bezahlen. Dieser Wert ist im Vergleich zum letzten Jahr sprunghaft angestiegen. 2017 hatten nur 52 Prozent der Inkassounternehmen diese Angabe gemacht.

Schlechte Auftragslage kein Grund für Zahlungsverzögerungen

“Das ist ein Alarmsignal”, sagt Pedd. “Relevante Zahlungsausfälle in der derzeitigen guten Wirtschaftslage deuten darauf hin, dass viele Firmen ihr Mahnwesen sträflich vernachlässigen. Ein konsequentes Forderungsmanagement ist keine Kann-Maßnahme für ein Unternehmen, sondern ein absolutes Muss. Schlechte Kunden merken sich nämlich, wenn es eine Firma nicht so genau mit dem Einziehen von Forderungen nimmt. Ein schlechter Zahler zieht so noch mehr schlechte Zahler an.”

Weitere Gründe, warum gewerbliche Schuldner schlecht zahlen, sind ein vorübergehender Liquiditätsengpass (73 Prozent der Inkassounternehmen sagen das in der Umfrage), das Ausnutzen eines Lieferantenkredits (49 Prozent), Insolvenz (39 Prozent) sowie zu wenig Eigenkapital (36 Prozent).

Kaum ins Gewicht fallen dagegen eine schlechte Auftragslage (26 Prozent der BDIU-Mitglieder machen eine entsprechende Angabe) und Kundenreklamationen (30 Prozent). Ebenfalls bemerkenswert: Nur 16 Prozent stellen fest, dass gewerbliche Schuldner ihre Zahlungen absichtlich verzögern (6 Prozentpunkte weniger als 2017).

Private zahlen schlechter

Was sind die Gründe für das jetzt schlechtere Zahlungsverhalten der Verbraucher? Kirsten Pedd, Präsidentin des BDIU, hat eine überraschende Erklärung: “Es klingt vielleicht zunächst absurd, aber die anhaltend gute Wirtschaftslage macht die Zahlungsmoral schwächer. Manche privaten Schuldner haben die finanziellen Risiken eines möglichen Fehlverhaltens inzwischen eingepreist. Oder anders ausgedrückt: Diese Verbraucher haben wegen der der guten Wirtschaftslage deutlich mehr Geld zur Verfügung, und genau deshalb bezahlen sie ihre Rechnungen nicht mehr so sorgfältig wie früher.”

Unkontrolliertes Konsumverhalten

In der neuen Inkasso-Umfrage gibt es einige auffällige Verschiebungen. Top-Antwort bei der Frage, warum Verbraucher ihre Rechnungen nicht bezahlen, ist jetzt ein unkontrolliertes Konsumverhalten. 67 Prozent der Inkassounternehmen berichten das. Überschuldung als wichtigen Nichtzahlgrund – in den vergangenen Jahren immer an erster Stelle dieser Liste – melden dagegen nur noch 65 Prozent (11 Prozentpunkte weniger als 2017).

Gläubiger können davon durchaus profitieren. Manche Schuldner mit finanziellen Schwierigkeiten haben wieder einen neuen Arbeitsplatz bekommen und durch die damit fließenden regelmäßigen Einnahmen einen wirtschaftlichen Neuanfang geschafft. Dadurch haben sie die Möglichkeit, auch ältere Forderungen zu begleichen.

Nichtzahlen wird zur Absicht

Trotzdem sendet der Trend für Gläubiger in diesem Herbst eher negative Signale. Das zeigt ein weiterer Blick auf die Statistik der Inkassofirmen. Auf Platz drei der Nichtzahlgründe steht nämlich jetzt ein Phänomen, das es in einer fairen Geschäftsbeziehung gar nicht geben dürfte: Absicht. 57 Prozent der Inkassounternehmen machen aktuell tatsächlich die Erfahrung: Private Schuldner zahlen fällige Rechnungen vorsätzlich erst viel später als vereinbart oder aber auch gar nicht.

Befragt danach, welche Firmen zurzeit besondere Probleme mit dem Zahlungsverhalten ihrer Kunden haben, nennen 55 Prozent den Online- beziehungsweise Versandhandel. Weitere betroffene Branchen sind Energieversorger (42 Prozent), das Handwerk (40 Prozent), die Dienstleistungsbranche allgemein (36 Prozent), die Immobilienwirtschaft (31 Prozent) sowie Betreiber von Fitnessstudios (31 Prozent).

 

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Autor: Dörte Neitzel

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