Beschaffung in den Niederlanden: Länderanalyse für den Einkauf
06.02.2018

Beschaffung in den Niederlanden: Länderanalyse für den Einkauf

Deutsche Einkäufer ordern in den Niederlanden vor allem pharmazeutische Produkte, Erdgas und Maschinenbauerzeugnisse. Doch das ist noch nicht alles. Wir nehmen die Niederlande als Beschaffungsland für deutsche Einkäufer unter die Lupe.

In den Niederlanden herrscht Hochkonjunktur. Im vergangenen Jahr wuchs die Wirtschaft in der sechstgrößten Volkswirtschaft der EU um 3,3 Prozent. Dieses Jahr wird der Zuwachs 2,5 Prozent betragen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist mit knapp 43.000 Euro das fünfthöchste in der EU nach Luxemburg, Irland, Dänemark und Schweden.

Knapp 80 Prozent ihres Wohlstands erwirtschaften die Niederländer mit Dienstleistungen. Der Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt beträgt dagegen nur noch 19,7 Prozent.

 

Beschaffung in Südkorea: Länderanalyse für den Einkauf

Beschaffung in den Niederlanden. (Foto: VanderWolf Images/Shutterstock.com)

 

Wirtschaftliche Fakten zur Beschaffung in den Niederlanden

Offizieller Name Nederland, Niederlande
Hauptstadt Amsterdam
Amtssprache Niederländisch, regional auch Westfriesisch, Papiamentu (Bonaire), Englisch (Saint Eustatius und Saba)
Bevölkerung 16,9 Millionen
Bruttoinlandsprodukt 2017 763,9 Mrd. Euro
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 42.986 Euro
Wirtschaftswachstum 2017/2018/2019* 3,3% /2,5% / 2,5%
Inflationsrate 2017 / 2018* 1,3% / 1,5%
Importe 2016 372,7 Mrd. Euro
Exporte 2016 425,0 Mrd. Euro
Freihandelsabkommen EU-Mitglied

* geschätzt

Beschaffung in den Niederlanden: Die wichtigsten Ausfuhrgüter

Da der niederländische Binnenmarkt sehr klein ist, erwirtschaften die Unternehmen des Königreichs einen Großteil ihrer Umsätze im Ausland. Die Niederlande sind der fünftgrößte Exporteur der Welt. Drei Viertel ihrer Ausfuhren gehen in die EU, ein ganzes Viertel allein nach Deutschland. Lediglich die USA und Kanada sind über ihre Handelsbeziehungen so eng miteinander verbunden wie Deutschland und die Niederlande.

Der zweitwichtigste Außenhandelspartner der Niederlande, Belgien, hat mit einem Anteil von zehn Prozent an den Ausfuhren für das Grachtenland nicht annähernd die gleiche Bedeutung wie die Bundesrepublik. Für Deutschland ist das Königreich der viertwichtigste Handelspartner nach den USA, Frankreich und Großbritannien.

Deutsche Einkäufer beschaffen dabei in den Niederlanden neben pharmazeutischen Produkten und Erdgas vor allem Maschinenbauerzeugnisse und Produkte der chemischen und petrochemischen Industrie. Die Chemiebranche ist einer der größten Wirtschaftsbereiche der Niederlande und trägt vor allem mit Basischemikalien knapp ein Fünftel zu den gesamten Exporten des Landes bei.

Von den 25 größten Chemiekonzernen der Welt haben 19 Produktionsstätten in den Niederlanden. Die Maschinenbauunternehmen des Königreichs erwirtschaften bis zu 40 Prozent ihrer Umsätze im Ausland. Insgesamt trägt die Branche zwölf Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Sie ist stark durch kleine und mittelständische Firmen geprägt. Von den rund 2900 Betrieben beschäftigen etwa 1.900 weniger als zehn Mitarbeiter. Auch in acht von zehn Unternehmen der niederländischen Elektrotechnik arbeiten nicht mehr als zehn Angestellte. Viele der Betriebe sind auf die Produktion von Mess- und Kontrollinstrumenten spezialisiert.

Deutsche Importe aus den Niederlanden 2016 83,1 Milliarden Euro
Deutsche Exporte in die Niederlande 2016 78,4 Milliarden Euro
Deutsche Einfuhren aus den Niederlanden nach Warengruppen
(in Prozent der gesamten Importe aus den Niederlanden)
· Nahrungsmittel (13,9%)
· Arzneimittel (9,3%)
· Petrochemie (8,2%)
· Elektronik (6,3%)
· Gas (5,5%)
· Sonstige (56,8%)

Einkauf in den Niederlanden: Die wichtigsten Rohstoffe

Abgesehen von Erdgas verfügen die Niederlande kaum über Rohstoffe. Die Gasförderung jedoch ist beträchtlich. Gut 40 Milliarden Kubikmeter Erdgas brachten die Niederländer 2016 in der Nordsee sowie durch Fracking zu Tage. Insgesamt stammten damit 26 Prozent des in Europa verbrannten Brennstoffs aus dem Königreich.

Die niederländischen Gasreserven gehen jedoch zur Neige. Aktuell beziffert die Regierung in Den Haag die Vorkommen auf 0,9 Billionen Kubikmeter. Im Jahr 1980 waren sie mit 1,9 Millionen Kubikmetern noch mehr als doppelt so groß.

Rohstoffe in den Niederlanden im Überblick:

  • Sand und Kies
  • Salz
  • Kalkstein
  • Torf
  • Erdöl
  • Erdgas

Produktivität, Qualität und Kosten im Beschaffungsland Niederlande

Für das Weltwirtschaftsforum gibt es nur drei Länder, deren Wettbewerbsfähigkeit größer ist als die der Niederlande – Die Schweiz, die USA und Singapur. Für Einkäufer sieht das anders aus. Denn durch den anhaltenden Boom in Deutschlands Nachbarland sind auch dort die Kapazitäten vieler Zulieferer mehr als ausgelastet.

Wenn die Arbeitslosenquote 2018 wie prognostiziert auf 3,5 Prozent sinkt, herrscht Vollbeschäftigung. Dadurch steigen die Arbeitskosten. Zumal vor allem an gut ausgebildeten technischen Fachkräften schon heute Mangel besteht.

 Durchschnittlicher Monatslohn im verarbeitenden Gewerbe 3.020 Euro
Analphabetenquote 1%
Durchschnittliche Dauer des Schulbesuchs 11,9 Jahre
Anteil der Bevölkerung mit sekundärer Schulbildung 88,2%
Anteil der Bevölkerung mit Universitätsabschluss
46,3%
Human Development Index Platz 7 von 188
Global Competitiveness Index
Platz 4 von 138
Offizielle Arbeitslosenquote 2017 4,8%
Arbeitsproduktivität im EU-Vergleich (Durchschnitt der EU-28 = 100; Deutschland = 105,1):
111,6

Beschaffung in den Niederlanden: Infrastruktur und Logistik

Die Niederlande zählen zu den wichtigsten Transportdrehscheiben Europas. Dank seiner erstklassigen Infrastruktur belegt das Land im Logistics Performance Index der Weltbank Platz vier nach Deutschland, Luxemburg und Schweden. Die Logistikbranche trägt ganze sieben Prozent zum niederländischen Bruttoinlandsprodukt bei.

Der größte Hafen des Königreichs, Rotterdam, ist mit einem Güterumschlag von 461 Millionen Tonnen zugleich der größte Hafen Europas. Amsterdams Flughafen Schiphol ist mit über 63 Millionen abgefertigten Passagieren der drittgrößte Airport Europas nach London Heathrow und dem Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle. Über den Rhein sowie die so genannte Betuwe-Linie, die Schienenverbindung zwischen Rotterdam und der deutsch-niederländischen Grenze bei Zevenaar, sind die Niederlande hervorragend an die deutsche Infrafstruktur angebunden. Die Betuwe-Linie wird derzeit auf drei Gleise ausgebaut.

Allerdings ist die Straßeninfrastruktur des Landes überlastet – vor allem in dem als Randstad bekannten Südwesten des Landes. Dort liegen die Städte Rotterdam, Amsterdam, Den Haag, Utrecht, Delft, Dordrecht, Gouda, Leiden und Hilversum.

Wichtigste Seehäfen Rotterdam, Amsterdam
Wichtigste Flughäfen Amsterdam, Rotterdam-Den Haag
Autobahnnetz 2.360 Kilometer
Eisenbahnnetz 2.808 Kilometer

Risiken bei der Beschaffung in den Niederlanden

Das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung der Niederland  geht vom Austritt Großbritanniens aus der EU im März 2019 aus. Die Niederlande sind enger mit dem Vereinigten Königreich verbunden als andere Mitgliedsstaaten. Die niederländische Regierung rechnet daher damit, dass dem Land durch den Brexit 0,4 Prozentpunkte seines Wirtschaftswachstums verloren gehen.

Quellen:gtai, Auswärtiges Amt, UNESCO, UNDP, WEF, Eurostat

Bild:

Autor: Gerd Meyring

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