Beschaffung in Rumänien: Länderanalyse für den Einkauf

Beschaffung in Rumänien: Länderanalyse für den Einkauf

07.05.2018

Beschaffung in Rumänien: Länderanalyse für den Einkauf

In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres wuchs die Wirtschaft Rumäniens um 8,6 Prozent. Doch nicht nur das macht Rumänien als Beschaffungsland interessant. Was Einkäufer über die Beschaffung in Rumänien wissen müssen, zeigt unsere Länderanalyse.

Rumänien stellt alle in den Schatten. In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres wuchs die Wirtschaft des Landes um 8,6 Prozent. Ein  Zuwachs, mit dem selbst Indien und China nicht mithalten konnten. Im gesamten Jahr 2017 dürfte die rumänische Wirtschaft Schätzungen zufolge um gut sechs Prozent gewachsen sein. Damit war der zweitärmste Mitgliedsstaat der Europäischen Union zugleich dessen dynamischste Volkswirtschaft.

Beschaffung in Rumänien: Länderanalyse für den Einkauf

Foto: Pixabay

Rumänien hat die industriellen Kompetenzen, die es zu Zeiten des Sozialismus erworben hat, seit dessen Fall genutzt, um zu einem der führenden europäischen Zulieferstandorte aufzusteigen. Angeführt von der Automobil- und Kfz-Teileproduktion trägt das produzierende Gewerbe gut ein Drittel zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Allein 13 Prozent der Wertschöpfung erbrachten dabei mit einem Umsatz von 22 Milliarden Euro im Jahr 2017 die in Rumänien ansässigen Automobilproduzenten und ihre Lieferanten.  Rund um die Werke von Dacia/Renault und Ford haben sich rund 470 Zulieferbetriebe niedergelassen. Etwa ein Drittel der Betriebe kommt dabei wie Bosch, Continental, Dräxlmaier, Eberspächer, Leoni oder ZF Friedrichshafen aus dem Ausland. Insgesamt betreiben 13 der 20 größten Autozulieferer der Welt eigene Werke in Rumänien.

Neben der Autoindustrie gibt es in dem Karpatenland einen großen Maschinenbausektor sowie eine bedeutende Textilindustrie. Außerdem produziert das erdöl- und erdgasfördernde Land eine breite Palette an petro- und agrochemischen Produkten, Farben, Lacken und Schmierstoffen sowie Generika und Kosmetika.

So wichtig jedoch die Industrie für die rumänische Wirtschaft ist, der Dienstleistungssektor stellt dies mit einem Anteil von 60,5 Prozent am Bruttoinlandsprodukt weit in den Schatten. Neben dem Tourismus trägt hier vor allem die IT-Branche zur Wirtschaftsleistung bei.

Wirtschaftliche Fakten zur Beschaffung in Rumänien

Offizieller Name România, Rumänien
Hauptstadt Bukarest
Amtssprache Rumänisch
Bevölkerung 19,87 Millionen
Bruttoinlandsprodukt 2017 190,2 Mrd. Euro
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf
8.464 Euro
Wirtschaftswachstum 2017/2018 5,7 % /4,4%
Inflationsrate 2017 / 2018 1 % / 2,9%
Importe 2016 67,4 Mrd. Euro
Exporte 2016 57,4 Mrd. Euro
Freihandelsabkommen EU-Mitglied

Beschaffung in Rumänien: Die wichtigsten Ausfuhrgüter

Drei Viertel seiner Ausfuhren liefert Rumänien in die Europäische Union – vor allem nach Deutschland. Ein Zehntel der Exporte gehen in die Bundesrepublik. An erster Stelle der Exporte stehen mit einem Anteil von knapp einem Drittel Produkte der Elektrotechnik, gefolgt von Autos und Kfz-Teilen, auf die fast ein Fünftel der deutschen Importe aus Rumänien entfällt.

Deutsche Importe aus Rumänien 2016 12,5 Milliarden Euro
Deutsche Exporte nach Rumänien 2016 13,55 Milliarden Euro
Deutsche Einfuhren aus Rumänien nach Warengruppen
(in Prozent der gesamten Importe aus Rumänien)
· Elektrotechnik (27,7%)
· Kfz und -teile (18,4%)
· Maschinen (11,5%)
· Textilien/Bekleidung (5,6%)
· Kautschukerzeugnisse (4,5%)
· Sonstige (32,3%)

Einkauf in Rumänien: Die wichtigsten Rohstoffe

In Rumänien finden sich beträchtliche Vorkommen an Kohle, Salz und Erdöl. Außerdem verfügt das Land über das drittgrößte Erdgasvorkommen aller EU-Staaten. Anders als viele andere Exporteure fossiler Brennstoffe kann das Land seine Förderung weiter ausbauen. Im laufenden Jahr rechnet die rumänische Regierung mit einer Steigerung von 1,8 Prozent. Der österreichische Energiekonzern OMV entscheidet 2018 über eine milliardenschwere Investition in die Erschließung des Gasfeldes Deep Neptun im Schwarzen Meer. Insgesamt investieren internationale Rohstoffkonzerne derzeit hohe Summen in die Exploration neuer Erdgas- und –ölvorkommen in Rumänien

Rohstoffe: Salz, Eisenerz, Kohle, Erdgas, Erdöl

Produktivität, Qualität und Kosten im Beschaffungsland Rumänien

Mit durchschnittlich 5,50 Euro liegen die Kosten für eine Arbeitsstunde in Rumänien fast 80 Prozent unter dem Durchschnitt der EU Der gesetzliche Mindestlohn, nach welchem viele Industrieunternehmen ihre Arbeiter bezahlen, liegt derzeit bei 322 Euro. Allerdings will ihn die rumänische Regierung bis 2022 fast verdoppeln. Insgesamt steigen die Lohnkosten in Rumänien seit Jahren rasant. Berechnungen der österreichischen Raiffeisen Bank zufolge legten sie 2017 um elf Prozent zu. In Boombranchen wie der Automobilindustrie und IT-Branche betrugen die Zuwächse in den vergangenen Jahren teilweise sogar bis zu 30 Prozent.

Da immer mehr Rumänen trotz des Booms ihre Heimat verlassen und die rumänische Bevölkerung zugleich altert, haben Arbeitgeber vor allem in wachstumsstarken Sektoren Probleme, ausreichend Fachkräfte zu finden. Egal, ob es sich dabei um ungelernte Arbeiter oder Ingenieure handelt. Sechs von zehn Unternehmen sehen im Fachkräftemangel inzwischen ein erhebliches Risiko für ihre Entwicklung, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Auslandshandelskammer in Bukarest.

Durchschnittlicher Bruttomonatslohn eines Arbeiters
716 Euro
Analphabetenquote 1,2%
Durchschnittliche Dauer des Schulbesuchs 10,8 Jahre
Anteil der Bevölkerung mit sekundärer Schulbildung 89,1%
Anteil der Bevölkerung, die sich für ein Hochschulstudium einschreibt
25,6%
Human Development Index Platz 50 von 188
Global Competitiveness Index
Platz 62 von 138
Offizielle Arbeitslosenquote 2017 5,1%
Arbeitsproduktivität im EU-Vergleich (Durchschnitt der EU-28 = 100; Deutschland = 105,1) 66,8

Neben den Problemen am Arbeitsmarkt setzen auch die in vielen Betrieben veraltete Technik und die indische Bürokratie der Produktivität des Landes Grenzen. Vor allem im Bergbau, der Eisen- und Stahlverarbeitung sowie der Bauwirtschaft sind viele Betriebe so hochverschuldet, dass sie sich Investitionen in moderne Anlagen nicht leisten können. Zugleich schützt der Staat als Eigentümer viele Unternehmen in diesen Branchen ebenso wie im Transportwesen und der Schwerindustrie vor dem Wettbewerb.

Legendär ist auch die indische Bürokratie. Allerdings hat die Regierung von Premierminister Narendra Modi im Sommer 2017 eine wegweisende Reform in die Wege geleitet. Durch die Einführung einer allgemeinen Mehrwertsteuer entstand auf dem indischen Subkontinent erstmals ein einheitlicher Binnenmarkt. Da Unternehmen Güter beim Transport von einem Bundesstaat in einen anderen nun nicht mehr deklarieren und verzollen müssen, erwartet die Weltbank, dass die indische Wirtschaft künftig allein durch den Wegfall des mit dem Transport verbundenen bürokratischen Aufwands um bis zu einem Prozentpunkt stärker wachsen wird.

Beschaffung in Rumänien: Infrastruktur und Logistik

Rumäniens Verkehrsinfrastruktur ist erneuerungsbedürftig und kann mit dem starken Wirtschaftswachstum des Landes vielerorts nicht mithalten. Vor allem das nur 749 Kilometer umfassende Autobahnnetz wird immer mehr zum Bremsklotz der wirtschaftlichen Entwicklung. Doch auch das übrige Straßen- und Schienennetz kann mit der Infrastruktur in anderen osteuropäischen Staaten nicht mithalten.

In Tschechien, Ungarn oder Polen etwa geben die Regierungen pro Bürger gut ein Drittel mehr für den Ausbau und die Erhaltung ihrer Infrastruktur aus. Rumänien hingegen hat seit der globalen Finanzkrise kaum mehr in sein Straßen- und Schienennetz investiert. Im Logistics Performance Index der Weltbank landet das Land daher auf dem 60. von 160 Plätzen weit hinter Ägypten, Kenia, Botswana oder Uganda.

Bis 2030 will Rumänien zwar gut 37 Milliarden Euro in den Ausbau des Schnellstraßen- und die Sanierung sowie Elektrifizierung des Schienennetzes investieren, dazu ist das Land jedoch auf Fördermittel der EU angewiesen. Allerdings gelingt es Rumänien kaum, Infrastrukturprojekte so vorzubereiten und zu planen, dass es Gelder auch abrufen kann, die ihm zustehen. So konnte die rumänische Regierung bislang nur knapp elf Prozent der Mittel beanspruchen, die in der noch bis 2020 laufenden Förderperiode für das Land reserviert sind. In der vorangegangenen Förderperiode von 2007 bis 2013 rief kein EU-Staat weniger Mittel ab wie Rumänien.

Wichtigste Seehäfen Konstanza
Wichtigste Flughäfen Bukarest, Cluj, Timisoara, Ia, Sibiu
Autobahnnetz 749 Kilometer
Eisenbahnnetz 20.730 Kilometer

Risiken bei der Beschaffung in Rumänien

Rumänien liegt in einer seismisch sehr aktiven Region der Balkanhalbinsel. Deshalb bebt in dem Land immer wieder die Erde. Ein weiteres Beschaffungsrisiko könnte entstehen, wenn die politische Führung des Landes den bisherigen harten Kurs im Kampf gegen die Korruption aufgeben sollte.

Quellen: gtai, Auswärtiges Amt, UNESCO, UNDP, WEF

Bild: Pixabay

Autor: Gerd Meyring

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Autor: Dörte Neitzel

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