Rohstoff-Dossier: Kupfer - rotes Gold der Anden
17.05.2017

Rohstoff Kupfer – rotes Gold der Anden

Nur wenige Metalle lassen sich so vielseitig verwenden wie Kupfer. Gleichzeitig lässt sich das Buntmetall ohne Qualitätsverlust recyceln. Diese Qualität gleicht die steigende Nachfrage aus und minimiert Risiken für die Lieferkette.

Rohstoff Kupfer Dossier

Die Menschheit verbraucht Kupfer nicht – sie gebraucht es. Denn da sich das Metall ohne Qualitätsverlust wiederverwerten lässt, bleibt theoretisch das gesamte jemals abgebaute Kupfer für immer nutzbar. In der Praxis liegt die weltweite Recyclingquote des Buntmetalls nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, UNEP, heute allerdings erst bei gut 50 Prozent.

Kupfer-Recycling in Deutschland gering

Deutschland recycelt sogar nur 41 Prozent des in Altprodukten enthaltenen Buntmetalls. Allerdings betreibt die Hamburger Aurubis AG in Lünen eine der größten Kupferrecyclinganlagen der Welt. Sie steuert mit 210.000 Tonnen wiedergewonnenen Kupfers über sechs Prozent zum weltweiten Recycling des Metalls bei. Insgesamt stammen knapp 18 Prozent der 19 Millionen Tonnen Kupfer, die Bergwerke und Veredler jedes Jahr produzieren, aus der Wiederverwertung.

Die Wiederverwertbarkeit des Elements hat in den vergangenen zehn Jahren dafür gesorgt, dass der Kupferpreis zwar stark schwankte, mit knapp 6.000 US-Dollar heute aber immer noch ungefähr so hoch ist wie 2007. Ob das so bleibt, ist allerdings ungewiss.

Lachsrotes Allroundgenie

Denn kaum einen Rohstoff nutzt die Menschheit häufiger als das schon seit der Steinzeit bekannte lachsrote Metall. Da Kupfer Wärme fast genauso gut leitet wie Elektrizität, auch bei tiefen Temperaturen nicht versprödet, formbar, säurebeständig, zäh und widerstandsfähig gegen Schwingungen ist und kaum korrodiert, weil es sich davor durch eine stabile Patina schützt, ist das Metall aus einer Vielzahl von Anwendungsbereichen nicht wegzudenken. Nicht zuletzt bildet Kupfer leicht Legierungen – etwa gemeinsam mit Zinn Bronze oder Messing in Verbindung mit Zink.

Vor allem aufgrund seiner Leitfähigkeit verarbeitet die Elektroindustrie 57 Prozent der knapp 1,2 Milliarden Tonnen Kupfer, die Deutschland jedes Jahr importiert, zu Leitungen und Kabeln. Die Baubranche stellt mit weiteren 15 Prozent Rohre für den Sanitär- und Heizungsbereich sowie die Trinkwasser-, Öl- und Gasversorgung, Dachrinnen, Fassadenverkleidungen und Dacheindeckungen her. Weitere neun Prozent verarbeiten Automobilkonzerne unter anderem zu Bremsleitungen in Fahrzeugen. In einem Mittelklasse-Pkw sind heute bis zu 25 Kilogramm Kupfer verbaut.

Kupfernachfrage wird sich mehr als verdreifachen

Für Elektrofahrzeuge werden Autobauer künftig sogar bis zu 80 Kilogramm des Buntmetalls pro Fahrzeug benötigen, erwartet der Bergbaukonzern BHP Billiton. Experten rechnen deshalb damit, dass die Nachfrage nach Kupfer künftig rasant steigt.

Manche Fachleute erwarten einen Zuwachs von bis zu 340 Prozent bis zum Jahr 2050.

Ohne Recycling werden weder die heute vorhandenen Reserven noch die bekannten Ressourcen des roten Elements diese Nachfrage lange befriedigen können. Nach Informationen des US-Geological Survey verfügt die Menschheit derzeit über 720 Millionen Tonnen Kupferreserven und 2100 Millionen Tonnen Ressourcen, die den aktuellen Bedarf noch etwa 38 beziehungsweise 110 Jahre decken können. Vorausgesetzt, dieser steigt nicht.

Chile und Peru bauen 41 Prozent des weltweiten Kupfers ab

Gut 24 Prozent dieser Vorkommen liegen in Chile, weitere 14 Prozent im Nachbarland Peru, etwas über zwölf Prozent in Australien. Auch bei der Förderung des Erzes führen Chile und Peru das internationale Feld an. Aus den beiden Andenstaaten stammen über 41 Prozent des weltweit geschürften Kupfers. Weit abgeschlagen folgen China mit einem Anteil von 7,4 Prozent, die USA mit 6,7 Prozent und die Demokratische Republik Kongo mit 5,3 Prozent. So stehen hinter mehr als 60 Prozent des globalen Kupferabbaus zwar nur fünf Staaten. Auch auf die drei größten Förderunternehmen – die chilenische Corporacion Nacional del Cobre, die US-amerikanische Freeport McMoRan Copper & Gold Inc. und die australische BHP Billiton Group entfällt fast ein Drittel der globalen Kufpergewinnung.

Kaum Risiken für die Lieferkette beim Nachschub mit Kupfer

Da Kupfer jedoch in vielen Staaten vorkommt, halten Rohstoffökonomen die Risiken nicht für bedenklich, die sich aus dieser Konzentration ergeben. Weitere nennenswerte Kupfervorkommen gibt es auch in Indonesien, Mexiko, den USA, Russland und Polen. In Europa bauen Bergwerksbetreiber das rote Metall zudem in Portugal, Spanien und Schweden ab. Selbst in Deutschland finden sich bescheidene Vorkommen im Kupferschiefer von Spremberg in der Lausitz. Als Beiprodukt fallen außerdem geringe Mengen Kupfer-Silber-Konzentrat beim Schwer- und Flussspatabbau in der Grube Clara in Oberwolfach in Baden-Württemberg an.

Kommt es in den größten Kupferminen der Welt wie dem Escondida-Tagebau in Chile oder der Grube Grasberg im indonesischen Papua-Neuguinea zu Streiks oder Betriebsstilllegungen wie zuletzt zu Jahresbeginn 2017, können andere Abbaustaaten diese Ausfälle dennoch nicht kompensieren, da ihre Fördermengen dafür zu klein sind. Schürfen doch allein die Kumpels in Escondida fünf Prozent des weltweit abgebauten Kupfers. Ihre Kollegen in Grasberg steuern weitere vier Prozent bei. Zwischenfälle in diesen Minen lassen den Kupferpreis somit zwangsläufig durch die Decke gehen.

 

Zusammenfassung Rohstoff Kupfer
Beschreibung: · Chemisches Element ‚Cu‘ mit der Ordnungszahl 29
· Kupfer leitet Wärme und Elektrizität besser als die meisten anderen Metalle
· Es ist extrem säure- und korrosionsbeständig, formbar und schwingungsresistent
· Auch bei tiefen Temperaturen versprödet Kupfer nicht
· Kupfer bildet leicht Legierungen mit anderen Metallen. In Verbindung mit Zinn wird daraus Bronze hergestellt zusammen mit Zink Messing.
Verwendung: · Elektrische Infrastruktur (41%)
· Baubranche (13%)
· Maschinenbau (13%)
· Automobilindustrie (10%)
Größte Förderländer: · Chiile (33,9%)
· Peru (7,8%)
· China (7,4%)
Größte kupferfördernde Unternehmen (mit Anteil an der weltweiten Kupferförderung) · Corporacion Nacional del Cobre (11%)
· Freeport McMoRan Copper & Gold Inc (10%)
· BHP Billiton Group (7%)
· Xstrata Plc (6%)
· Rio Tinto plc (5%)

Die 10 größten Kupferproduzenten der Welt (2016)

Vorhandene Reserven*: 720 Mio. Tonnen
Vorhandene Ressourcen**: 2.100 Mio. Tonnen
Statistische Reichweite der Reserven: 38 Jahre
Statistische Reichweite der Ressourcen: 110 Jahre
Recyclingquote: · Kupfer kann theoretisch zu 100 Prozent ohne Qualitätsverlust wiedergewonnen werden.
· Derzeit liegt die weltweite Recyclingquote allerdings nur bei 50 Prozent.
· In Deutschland beträgt sie sogar nur 41 Prozent.
Substituierbarkeit: Kupfer kann in einzelnen Anwendungen durch andere Rohstoffe wie Aluminium, Titan, Glasfaser oder Plastik ersetzt werden.
Jahresproduktion von Kupfer 2016: 19 Mio. Tonnen.

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

 

*Reserven = aktuell bekannte, mit der vorhandenen Technologie rentabel ausbeutbare Vorkommen

**Ressourcen = aktuell bekannte, aber noch nicht rentabel ausbeutbare Vorkommen

 

Bilder: Scanrail/Shutterstock.com (Teaser), 3desc/Fotolia.de (Aufmacher)

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