Rohstoff Zinn - Kein Spielzeug mehr
26.09.2017

Rohstoff Zinn – Kein Spielzeug mehr

Kein Rohstoff könnte so schnell zu Ende gehen wie Zinn. Glücklicherweise lässt sich das Metall in vielen Legierungen und als Grundstoff zur Produktion von Weißblechen gut durch andere Rohstoffe ersetzen.

Einst marschierten bunte Soldaten durch Deutschlands Kinderzimmer, belagerten den Schreibtisch für die Hausaufgaben und beschossen Gebirge aus Steiff-Teddybären. Heute ist Zinn viel zu teuer, um daraus Spielzeugsoldaten zu gießen.

Rohstoff Zinn löten

Bei einem Preis von 20.800 US-Dollar zahlen Einkäufer für die Tonne Zinn an der Londoner Metallbörse LME derzeit 60 Prozent mehr als noch zu Jahresbeginn 2016. Da weltweit jedes Jahr nur etwa 310.000 Tonnen Zinn angeboten werden, Unternehmen aber 360.000 Tonnen nachfragen, hat sich der Preis für das silber-weiße Metall in den vergangenen 20 Jahren sogar mehr als verzehnfacht.

Während die weltweite Nachfrage nach Zinn unaufhaltsam steigt, geben vor allem die Minen in Indonesien immer weniger von dem Rohstoff her. Der Inselstaat war bislang der größte Zinnlieferant der Welt. Zwischenzeitlich stammte bis zu 38 Prozent des weltweit angebotenen Zinns aus dem südosasiatischen Staat. Inzwischen jedoch hat die Regierung in Jakarta ein Ausfuhrverbot für das Metall verhängt.

Zinnreserven könnten schon 2026 erschöpft sein

Andere Staaten können das rückläufige Angebot nicht ausgleichen. „Denn Zinn ist der Rohstoff mit den geringsten Reserven“, erklärt Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). „Die bekannten Lagerstätten, die auch wirtschaftlich abbaubar sind, reichen für weniger als acht Jahre“, befürchtet der Zinn-Experte.

Die Kollegen des US-amerikanischen Geological Survey sind zwar etwas optimistischer als Elsner. Doch auch sie gehen nur von globalen Reserven in Höhe von rund 4,7 Millionen Tonnen aus. Diese wären in gut 16 Jahren erschöpft – vorausgesetzt Minenbetreiber bauen mit weltweit 280000 Tonnen auch künftig nur so viel Zinn ab wie 2016.

Größte Zinnreserven in Asien

Ein großer Teil der Reserven lagert im sogenannten südostasiatischen Zinngürtel, auf dem neben Indonesien auch Myanmar, Thailand, Malaysia und Vietnam liegen. Insgesamt finden sich in diesen Staaten Vorkommen in Höhe von über 1,3 Millionen Tonnen. Das entspricht 28 Prozent der weltweiten Zinnreserven. Außerhalb Südostasiens verfügt vor allem China über große Lagerstätten des Metalls.

Die Volksrepublik hat mit 1,1 Million Tonnen mehr Zinnreserven als jedes andere Land. Weitere nennenswerte Vorkommen finden sich in Brasilien, wo es mit 700.000 Tonnen (14,9 Prozent der globalen Reserven) fast ebenso große Vorkommen gibt wie in Indonesien, sowie Bolivien, Australien und Russland, die jeweils über rund acht Prozent der weltweiten Vorkommen verfügen. Peru besitzt zwar nur 2,12 Prozent der Reserven an dem silberweißen Schwermetall, dennoch stammen gut neun Prozent des auf dem Weltmarkt angebotenen Zinns aus dem Andenstaat.

Damit ist das Land der drittgrößte Anbieter von Zinn nach Indonesien und China, die nach Angaben der BGR 38,3 beziehungsweise 32,1 Prozent des globalen Angebots bereitstellen. Damit stammen fast 80 Prozent des angebotenen Zinns aus nur drei Staaten. Etwas geringer, wenn auch noch immer bedenklich ist die Konzentration bei den Minenbetreibern, die den Rohstoff fördern. Die fünf größten Anbieter – die chinesischen Minenbetreiber, die indonesische PT Timah Tbk, Minsur SA aus Peru, die bolivianische Comibol und Metals X Ltd aus Australien – kontrollieren zusammen knapp 60 Prozent des Weltmarkts.

In Sachsen lagert Zinn für 2,8 Milliarden Euro

Trotz dieser bedenklichen Entwicklung, müssen sich deutsche Einkäufer keine Sorgen machen, dass sie eines Tages kein Zinn mehr für ihre Unternehmen beschaffen können. Denn in Sachsen hat die Deutsche Rohstoff AG vor wenigen Jahren eines der weltweit größten Zinnvorkommen entdeckt. In Gottesberg im Vogtland sowie in Geyer im Erzgebirge lagern knapp 160000 Tonnen Zinn. Das entspricht der gemeinsamen Jahresförderung von Indonesien und China und ist beim gegenwärtigen Preis für den Rohstoff ein Schatz im Wert von über 2,8 Milliarden Euro. Neben Zinn sollen die Lagerstätten auch größere Mengen Indium, Zink, Kupfer sowie Molybdän enthalten. Wann Unternehmen den Rohstoff aus sächsischen Minen als Lötzinn oder zur Herstellung von Konservendosen verarbeiten können, steht allerdings noch nicht fest.

Breites Anwendungsspektrum von Konservendosen bis Orgelpfeifen

Etwa die Hälfte des jedes Jahr in Deutschland verarbeiteten Zinns dient in Metalllegierungen als Lötzinn, mit dem die Elektronikindustrie ihre Bauteile verbindet. Zinn bietet sich dazu aufgrund seines niedrigen Schmelzpunkts von nur 231 Grad Celsius sowie seiner guten elektrischen Leitfähigkeit an. Etwa 23 Prozent der verfügbaren Menge dienen der chemischen Industrie als Zusatzstoffe.

Mit weiteren 17 Prozent des Angebots stellt die Metallindustrie Weißbleche her, die unter anderem zu Konservendosen weiterverarbeitet werden. Gut fünf Prozent des Zinns legiert die Metallindustrie mit Kupfer zu Bronze. Außerdem kommt Zinn in zahlreichen weiteren Legierungen zum Einsatz. So stellen Medizintechniker damit Amalgam für Zahnfüllungen her. Orgelbauer legieren Zinn mit Blei, um daraus Pfeifen zu gießen. Die Hersteller von Supramagneten verschmelzen Zinn mit Niobium. Die Stahlindustrie setzt das Metall Stählen zu, die in besonders salzhaltigen Umgebungen wie Küstenregionen die Korrosion von Brücken oder Stromleitungsmasten verhindern. Die korrosionsgeschützten Stähle kommen auch in kalten Klimazonen zum Einsatz, in denen Straßenmeistereien im Winter viel Streusalz ausbringen.

 

Zusammenfassung Rohstoff Zinn
Beschreibung: · chemisches Element ‚Sn‘ (vom lateinischen Begriff stannum für Zinn) mit der Ordnungszahl 50
· Zinn ist ein silbrig-weiß glänzendes Schwermetall, das gut dehn- und formbar ist. Es schmilzt bereits bei 231,9 Grad Celsius
· Das Metall ist so weich, dass es sich mit dem Fingernagel anritzen lässt
· An der Luft überzieht sich Zinn mit einer grauen Oxidschicht
Verwendung (einzelne Anteile unbekannt): · Lötzinn (52%)
· Zusatzstoff in Chemikalien (23%)
· Herstellung von Weißblechen (17%)
· Legierung von Bronze (6%)
Größte Förderländer von Zinn: · China (35,7%)
· Indonesien (19,6%)
· Myanmar (11,8%)·Brasilien (9,3 Prozent)·Bolivien (7,1 Prozent)
Größte zinnfördernde Unternehmen : · Chinesische Minenbetreiber (31,9%)
· PT Timah Tbk (10,5%)
· Minsur SA (10,4%)
· Corporación Minera de Bolivia (COMIBOL) (4,2%)
· de Bolivia (COMIBOL) (1%)
Vorhandene Reserven*: 4,7 Mio. Tonnen
Vorhandene Ressourcen**: k.A.
Statistische Reichweite der Reserven: 16,8 Jahre
Statistische Reichweite der Ressourcen: k.A.
Recyclingquote: k.A.
Substituierbarkeit:· Zinn kann in Verpackungen durch Aluminium, Glass, Papier oder Kunststoffe ersetzt werden. Als Lötstoff lässt es sich durch Epoxidharze substituieren, in einigen Chemikalien durch Blei-Natrium-Verbindungen.
Jahresproduktion von Zink 2016 weltweit: 280.000 Tonnen

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, US Geological Survey

*Reserven = aktuell bekannte, mit der vorhandenen Technologie rentabel ausbeutbare Vorkommen
**Ressourcen = aktuell bekannte, aber noch nicht rentabel ausbeutbare Vorkommen

Bild: Björn Wylezich/Fotolia.de (Teaser),Ioraks/Shutterstock.com (Aufmacher)

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