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Versicherungen & Co: 6 Tipps gegen unterbrochene Lieferketten

Versicherungen & Co: 6 Tipps gegen unterbrochene Lieferketten

03.04.2017

Versicherungen & Co: 6 Tipps gegen unterbrochene Lieferketten

Viele Lieferkettenunterbrechungen sind nicht vorhersehbar. Doch mit diesen sechs Tipps und der notwendigen Aufmerksamkeit, lassen sich die Risiken im Zaum halten.

Mit diesen sechs Tipps machen Einkäufer ihre Lieferkette sicherer, indem sie Ausfallrisiken besser beurteilen können:

  1. Notfallpläne: Alternative Materialien, Designs oder Lagerhaltung

Zu diesem Risikoscreening sollten Einkaufsmanager Kollegen aus möglichst vielen Unternehmensbereichen wie der Logistik, Forschung und Entwicklung, der Produktion, dem Controlling sowie der Rechts- und Versicherungsabteilung hinzuziehen. So lässt sich einerseits ermitteln, ob sich Risiken in der Lieferkette nicht auch durch ein verändertes Produktdesign, den Einsatz alternativer Materialien, Anpassungen des Herstellungsprozesses oder eine umfangreichere Lagerhaltung minimieren ließen. Andererseits lassen sich so verlässliche Frühwarnindikatoren entwickeln, mit deren Hilfe Einkäufer rechtzeitig erkennen können, wann von einem Lieferanten eine Gefahr für den eigenen Nachschub ausgehen könnte.

Schließlich sind Ablaufpläne für den Fall zu erstellen, dass eine Lieferquelle wirklich einmal versiegt. Je umfassender die in diesen Plänen niedergelegten Informationen zu den im Unternehmen betroffenen Bereichen, zu alternativen Lieferanten, Lieferwegen und Krisenszenarien für die Anpassung der Produktion sind und je mehr Abteilungen an der Erstellung der Notfallszenarien beteiligt waren, desto schneller und zuverlässiger funktioniert bei einem Zwischenfall die in den Plänen beschriebene Informationskette und umso schneller ist die Krise entschärft.

  1. Zulieferer strategisch auswählen

Doch egal, wie gut derartige Krisenpläne sein und wie viel Schutz sie bieten mögen, das geringste Risiko geht von dem Lieferanten aus, der gar nicht erst ausfällt. Deshalb müssen Einkaufsmanager ihre Partner heute sorgfältiger denn je auswählen und regelmäßig auf ihre Zuverlässigkeit hin überprüfen. Schließlich begeben sich Unternehmer, die die Zahl ihrer Zulieferer zurückfahren, um Kosten zu sparen und ihre Lieferkette übersichtlicher zu gestalten, damit auch in größere Abhängigkeit von ihren Lieferanten.

Dieses Risiko begrenzen gute Einkäufer bereits durch die geschickte Auswahl ihrer Zulieferer. So sourcen 84% der von PwC befragten Beschaffungsmanager die gleichen Vorprodukte sowohl global wie bei einem Lieferanten in der eigenen Region. Acht von zehn Einkaufsmanagern begrenzen dabei zugleich die Volumina, die sie bei einem einzelnen Partner beschaffen.

  1. Zulieferer bis zur dritten Lieferebene bewerten

Drei von vier Unternehmen unterziehen jeden einzelnen Lieferanten außerdem einem internen Monitoring, bei dem sie auf Kriterien wie Pünktlichkeit, Lieferzuverlässigkeit und Qualität der gelieferten Komponenten und Vorprodukte ebenso achten, wie darauf, wie umsichtig die Partner ihre Betriebe führen. So lassen sich 54% der 800 vom BCI befragten Beschaffungsmanager unter anderem die Business-Continuity-Programme ihrer Lieferanten zeigen. Mit 46% verlangen fast ebenso viele der Umfrageteilnehmer, dass sich ihre Zulieferer nach ISO 22301 zertifizieren lassen. Die Norm legt Standards für die Prozesse fest, mit denen Unternehmen das Risiko von Betriebsunterbrechungen minimieren.

Zwei Drittel der von PwC befragten Sourcingmanager legen außerdem Wert auf eine vertrauensvolle persönliche Beziehung zu ihren Zulieferern und treffen sich deshalb regelmäßig mit deren Geschäftsführung.

Da jede dritte Störung in der Lieferkette ihren Ausgang nach Angaben des BCI nicht bei den direkten Lieferanten des betroffenen Unternehmens sondern in der zweiten oder dritten Linie der Supply Chain nimmt, ist es allerdings wichtig, dass Einkäufer nicht nur die Zuverlässigkeit ihrer Tier-1-Partner regelmäßig bewerten. „Jeder Hersteller muss die gesamte Lieferkette im Blickfeld haben und gegebenenfalls auf Qualitätsprüfungen und Lieferkontrollen vorgeschalteter Lieferanten bestehen“, rät  PwC-Supply-Chain-Experte Fischer.

  1. Scoring: Liquiditätsprobleme beim Lieferanten erkennen

Besonderes Augenmerk muss beim Monitoring eines Lieferanten zudem dessen finanzieller Leistungsfähigkeit gelten. Denn aus einem Liquiditätsengpass beim Partner wird – vor allem wenn die Weltkonjunktur schwächelt – schnell ein Versorgungsengpass in der eigenen Produktion. Immerhin 54% der von PwC befragten Einkaufsmanager beobachten daher die finanzielle Lage ihrer Lieferanten. Jeder zweite Befragte nutzt dazu öffentlich zugängliche Bilanzdaten, immerhin 43% ziehen Daten von Kreditversicherern zu Rate oder beauftragen Ratingagenturen oder Finanzdienstleister, die Unterlagen beim Zulieferer anfordern und mit Scoringsystemen auswerten.

Aufmerksame Einkaufsverantwortliche achten bei der Überprüfung der finanziellen Situation ihrer Lieferanten auch darauf, wie sich deren Umsatz zusammensetzt. Denn das Risiko einer Insolvenz des Partners ist umso geringer, je mehr Kunden er hat und je unterschiedlicher deren Anteile am Gesamtumsatz des Zulieferers sind. Zugleich raten Experten dazu, den eigenen Anteil am Umsatz des Lieferanten nicht über etwa ein Drittel steigen zu lassen, damit der Partner nicht in finanzielle Nöte gerät, wenn die eigenen Bestellungen bei ihm zurückgehen.

  1. Daten-Durchblick: Lieferanten-Monitoring per Software

So erfolgsentscheidend es für Einkaufsmanager einerseits ist, die finanzielle wie operative Situation ihrer Lieferanten kontinuierlich zu beobachten und zu bewerten, so schwierig ist das Monitoring in der Praxis umzusetzen. Denn zwei von fünf der von PwC befragten Einkäufern fehlt es an den für die Lieferantenbewertung erforderlichen Daten. Jeder fünfte Sourcingmanager gab sogar an, dass er Schwierigkeiten hat, den Durchblick durch die sich ständig wandelnde mehrstufige Lieferantenlandschaft zu behalten.

Spezielle Supply-Chain-Risk-Management-Software wie sie Anbieter wie Semantic Visions, Axit, Llamasoft oder riskmethods entwickeln, hilft Einkäufern, zumindest über einen Teil des Lieferkettenrisikos den Überblick zu behalten. Mit derartigen Programmen lässt sich die komplette Supply Chain vom Zulieferer, über Zollagenten und Logistikdienstleister bis hin zum Wareneingang und Lager des eigenen Unternehmens abbilden.

Dazu werden alle Stationen und Partner in der Lieferkette auf einer zentralen IT-Platform vernetzt. Außerdem speist die Einkaufsabteilung die Programme mit Angaben dazu, wann die Produktion welche Mengen eines Vorprodukts benötigt und welche Mindestbestände an Komponenten und Materialien immer im Lager vorhanden sein müssen. Um zu gewährleisten, dass diese Werte nicht unterschritten und Zeitpläne nicht verletzt werden, gleicht die Software die gespeicherten Parameter kontinuierlich mit Daten aus einer Vielzahl von Quellen ab und schlägt automatisch Alarm, wenn Informationen darauf hindeuten, dass Lieferungen verzögert werden oder gar nicht erfolgen könnten.

Dazu suchen SCRM-Programme automatisch in den Webseiten und Onlinedatenbanken von Nachrichtenagenturen, Wetterdiensten, Erdbebenüberwachungszentren, Reedereien oder Hafenbetreibern nach relevanten Informationen. Finden sie Nachrichten zu einem Vorfall, der einen geografischen Bezug zu einem Lieferanten aufweist, erkennen sie die Gefahr für die Lieferkette selbst dann, wenn die Quelle den Zulieferer gar nicht explizit erwähnt. Die so gewonnenen Erkenntnisse bildet die Software übersichtlich auf einer Weltkarte ab und visualisiert das Ausmaß der Gefahr, die von einem Vorfall ausgehen könnte, mit unterschiedlichen Farben. Einzelne Programme erlauben es Einkaufsmanagern zudem, die Folgen einzelner Störfälle für die eigene Fertigung simulieren.

  1. Teure Police: Versicherung für die Lieferkette

Seit die Zurich Gruppe Ende 2011 die erste Lieferkettenpolice auf den Markt gebracht hat, können sich Einkäufer gegen die finanziellen Folgen einer Unterbrechung ihrer Supply Chain auch versichern. Allerdings sind derartig Versicherungen selbst dann teuer, wenn sie zahlreiche Schadenfälle ausschließen und nur dann zahlen, wenn die Störung der Lieferkette durch einen Sachschaden und nicht etwa Streiks, Protektionismus, Terrorismus oder einen Angriff aus dem Internet versursacht wurde.

Kein Wunder also, dass sich Lieferkettenversicherungen bislang allenfalls bei Großunternehmen durchgesetzt haben. So haben nach Angaben des BCI nur vier von zehn Mittelständlern eine derartige Police im Safe, wohingegen sich immerhin zwei von drei Konzernen gegen Störungen ihrer Lieferketten versichert haben. Aufgrund der hohen Prämien sind jedoch 96% der vom BCI untersuchten Unternehmen unterversichert.

Selbst wer in Kauf nimmt, dass seine Versicherung im Schadenfall nur einen Teil der entgangenen Gewinne und entstandenen Mehraufwendungen ersetzt, kann seine Beiträge nur dann überschaubar halten, wenn er nachweist, dass er das Risiko in seiner Lieferkette kontinuierlich überwacht und Vorkehrungen getroffen hat, die eine Unterbrechung möglichst von Anfang an verhindern.

Bild: Gajus/Shutterstock.com

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Autor: Dörte Neitzel

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