Wie werde ich Einkäufer?

Bild: Chaay_tee/Adobestock

02.05.2019

Wie werde ich Einkäufer?

Einkäufer ist kein Ausbildungsberuf, eher die Bezeichnung einer Tätigkeit. Daher führen auch viele Wege nach Rom. Wir sagen, welche Möglichkeiten es gibt, Einkäufer zu werden.

Waren Einkaufsabteilungen früher die „Bestellsammelstelle“ eines Unternehmens, haben sie sich mit abnehmender Fertigungstiefe in der Produktion zu einer strategischen Schnittstelle gemausert.

Was macht ein Einkäufer?

Ganz verkürzt gesagt: Ein Einkäufer ermittelt den Bedarf an Materialien, Rohstoffen oder Waren in einem Unternehmen und sorgt dafür, dass alles zur richtigen Zeit in der richtigen Menge am richtigen Ort ist.

Das betrifft alle Branchen – vom Einzelhandel über Dienstleistungsunternehmen bis zur Industrie.

Nicht nur Preisdrücker

In Einkaufsabteilungen geht es nicht nur darum, das Benötigte möglichst billig zu beschaffen. Der operative Einkäufer ist dabei vornehmlich derjenige, der feststellt, welche Waren und Dienstleistungen benötigt werden, der die Bestellungen abwickelt und die Lagerbestände zu überblicken.

Zunehmend wichtiger, vor allem im Zuge der Digitalisierung, wird der strategische Einkäufer. Dieser entwickelt eine Einkaufsstrategie aus systematisch aufeinander abgestimmten Maßnahmen. Dabei untersucht der Beschaffer nicht nur unterschiedliche Märkte und Entwicklungen im In- und Ausland und beurteilt Lieferanten, er minimiert auch die Risiken im Einkauf und der Lieferkette.

Schnittstellenfunktion des Einkäufers

Das macht den Einkauf zu einer Schnittstelle sowohl nach außen zu den Lieferanten als auch zu allen Abteilungen innerhalb des eigenen Unternehmens: Vertrieb, Produktion, Entwicklung und Logistik.

Daher sind auch eine Vielzahl von Fähigkeiten gefragt: Kommunikationsstärke, Verhandlungsgeschick, technisches Verständnis sowie kaufmännisch-wirtschaftliche Kenntnisse und analytisches Denken.

Welche Ausbildung brauche ich für den Beruf des Einkäufers?

Wer den Weg über eine Ausbildung in den Einkauf wählt, sollte auf einen kaufmännischen Beruf wählen. Früher waren der Groß- und Außenhandels- sowie der Industriekaufmann die Klassiker. Auch heute noch machen Schulabgänger damit nichts falsch, je nach Branche sind aber auch andere Ausbildungsberufe möglich.

Meist verlangen die Unternehmen eine Weiterbildung, etwa zum Fachwirt für Einkauf (IHK). Dieser hat den geprüften Fachkaufmann/-frau für Einkauf und Logistik 2015 abgelöst. Die Fortbildung dauert mehrere Wochen, wobei der Abschluss ungefähr dem Niveau eines Bachelor-Absolventen entspricht. Je nach Weiterbildungsanbieter kann das in Vollzeit oder Teilzeit geschehen.

Voraussetzungen für die Weiterbildung sind:

  • fachspezifische Ausbildung (meist kaufmännisch oder verwaltend) plus 1 Jahr Berufserfahrung im Bereich Einkauf
  • fachfremde Ausbildung plus 2 Jahre Berufserfahrung im Einkauf
  • ohne Berufsausbildung mit 5 Jahren Berufserfahrung im Einkauf

Darüber hinaus bieten die IHKn sowie andere Bildungsträger zahlreiche Fachseminare für (angehende) Einkäufer an – mit IHK-Prüfung.

Akademischer Weg zum Einkäufer

Auch wenn ein akademischer Abschluss keine Grundvoraussetzung für einen Job in der Beschaffung ist, lässt sich auch hier eine fortschreitende Akademisierung feststellen. Besonders in großen Unternehmen ist mittlerweile meist ein Studium Voraussetzung, um in den Einkauf zu kommen.

Und das hat einen handfesten Grund: Einkäufer übernehmen – gerade im Zug der zunehmenden Digitalisierung – immer mehr strategische Aufgaben.

Wirtschaftswissenschaftler sind besonders gefragt

Entsprechend gut sind die Chancen für Absolventen der Wirtschaftswissenschaften (BWL, VWL, Wirtschaftsingenieure), die in einem Studium gelernt haben, in Zusammenhängen zu denken.

Für spezielle Branchen, etwa die Industrie, die einen sehr technischen Einkauf haben, ist darüber hinaus auch noch Fachwissen von Vorteil. Daher sind hier Techniker oder Ingenieure mit ihrem Verständnis technischer Zusammenhänge ebenfalls gefragt. Das können Fachingenieure mit wirtschaftlichen Kenntnissen oder auch Wirtschaftsingenieure sein.

Wer ein eher fachfremdes Studium mitbringt oder ganz neu in den Einkauf quereinsteigen will, kann ein Masterstudium mit entsprechendem Schwerpunkt draufsatteln. Die Angebote, auch für berufsbegleitende Einkaufsausbildungen, gibt es an zahlreichen Hochschulen und Universitäten, meist verbunden mit Logistik und/oder Supply Chain Management.

Wie werde ich technischer Einkäufer?

Technische Einkäufer sind sowohl in Industriekonzernen als auch im Mittelstand gefragt. Sie beschaffen – wie der Name bereits vermuten lässt – technische Produkte – von C-Teilen (wie Schrauben oder Nägel) bis hin zu großen Werkzeugmaschinen. Aber auch Betriebsstoffe fallen unter diese Kategorie.

Die Aufgabe von technischen Einkäufern liegt in der Optimierung des Preis-/Leistungsverhältnisses der beschafften Güter, er vergleicht Angebote, verhandelt und behält den Markt im Blick.

Dafür benötigt er in der Regel ein abgeschlossenes Studium. Am besten geeignet ist dafür ein Ingenieurstudium. Auch ein gutes wirtschaftliches Verständnis, gute Sprachkenntnisse sowie Grundkenntnisse im Vertragsrecht sind für einen guten Einkäufer nützlich. Das lässt sich oft mit Weiterbildungen erreichen oder man  entscheidet sich für einen zusätzlichen Master..

Einkäufer wird zum Supply Chain Manager

Der Supply Chain Manager vereint aus prozessualer Sicht den Einkauf und die Logistik: Was kaufe ich beim wem wann ein und wie bekomme ich meine Bestellung unter Risiko-, Nachhaltigkeits- und Compliance-Aspekten am besten in mein Unternehmen? Das fängt beim Rohstoff an und geht über die gesamte Lieferkette – auch über Ländergrenzen hinweg.

Oft sind diese Funktionen jedoch noch eigenständig und unabhängig voneinander in Unternehmen vorhanden, so eine Studie der Supply Chain Management Fakultät der University of Tennessee.

Ein Supply Chain Manager ist im Endeffekt dafür verantwortlich, dass der Warenstrom innerhalb eines Unternehmen so gut wie möglich geölt ist – unter Berücksichtigung  von Kosten, anderen Abteilungen und natürlich Lieferantenbeziehungen.

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Autor: Dörte Neitzel

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