Aluminium-PortlandAustralia_2006_QuelleAlcoa

Aluminium wird weltweit produziert. Aber ein Land ist besonders fleißig. (Bild: Alcoa)

Handwerker, die Solaranlagen auf Dächer montieren, merken es aktuell am eigenen Leib: Die weltweite Nachfrage nach Aluminium ist hoch. Oft zu hoch für kleine und mittlere Unternehmen wie Solateure. Sie würden gerne mehr Photovoltaikanlagen auf Dächer schrauben. Allerdings fehlen ihnen wichtige Schienen und Befestigungsziegel mit Aluhaken. Sie sind aktuell nur für teures Geld zu haben, wenn sie überhaupt lieferbar sind. Unternehmen berichten von Lieferfristen von weit über drei Monaten. Nicht selten werden diese dann erneut verlängert.

Was treibt die Nachfrage nach dem Leichtmetall? Bis 2018 stiegen Produktion und Nachfrage von Aluminiumoxid und Hüttenproduktion kontinuierlich an, vor allem getrieben durch die Branchen Verkehr, Maschinenbau und Bauwesen. Allerdings sanken die Wachstumsraten der Aluminiumnachfrage seit dem Boomjahr 2014 auf untere einstellige Werte.

2019 verharrte die Produktion auf hohem Niveau. Die Menge des produzierten Aluminiumoxids lag 2018 und 2019 bei 129 Millionen Tonnen. Die Raffinerieproduktion betrug im Jahr 2019 etwa 63,7 Millionen Tonnen, das sind etwas weniger als im Jahr zuvor.

Auch Recycling-Aluminium wird mehr. Laut des Gesamtverbands der Aluminiumindustrie stammt mehr als 30 Prozent des eingesetzten Aluminiums aus recycelten Aluminiumprodukten. Vor allem Asien recycelt viel Aluminium. Im Jahr 2018 waren es 11,3 Millionen Tonnen, dahinter folgt Amerika mit 4,9 Millionen Tonnen.

Doch welche Unternehmen weltweit produzieren das meiste Aluminium? Die Antwort darauf finden Sie in unserem Ranking – gemessen an ihrer Produktionsmenge 2019.

Hoher Aluminiumpreis

Der Aluminiumpreis bewegt sich seit seiner Delle im März 2020 mit Beginn der Coronakrise immer weiter aufwärts. Seinen vorläufigen Höhepunkt hatte er im Mai 2021 mit 2.554 US-Dollar pro Tonne.

Die hohe Nachfrage lebt von der wieder anziehenden Konjunktur, aber auch von Sorgen vor einem knapper werdenden Angebot. Denn die EU plant CO2-Importsteuern, der zweitgrößte Aluminiumproduzent Russland hat Exportsteuern auf Rohstoffe wie Aluminium erlassen.

Rohstoffexperten erwarten daher, dass sich die Preise vorerst auf dem hohen Niveau halten werden.

Hier erfahren Sie mehr über den aktuell hohen Aluminiumpreis.

Chart mit einer Kurve des Aluminiumpreises von Januar 2020 bis Ende Juni 2021
Der Aluminiumpreis kennt seit der Corona-Delle nur eine Richtung: aufwärts. (Quelle: Finanzen.net)

Arten der Aluminiumproduktion

Es gibt unterschiedliche Arten der Aluminiumproduktion. Diese haben für die deutsche Industrie jeweils eine unterschiedliche Bedeutung.

Mit Aluminiumformguss werden Fertigbauteile hergestellt. Ja nach Produkt kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz: Sandguss, Druckguss oder Kokillenguss. Formenguss ist vor allem für den Großabnehmer Automobilindustrie von Bedeutung. Im Formguss produzierten Unternehmen im Jahr 2019 rund 996.100 Tonnen. Das ist ein leichter Anstieg von zwei Prozent im Vergleich zu 2018.

Quantitativ ist das Aluminiumhalbzeug der wichtigste Teil der deutschen Aluminiumindustrie. Darunter fallen Produkte wie Walzfabrikate, Stangen, Profile, Rohre und Drähte sowie Freiform- und Gesenkschmiedestücke und Leitmaterial. Die Produktion von Aluminiumhalbzeug belief sich in 2019 auf 2,576 Millionen Tonnen. Die wichtigste Unterkategorie ist die der Walzfabrikate. Von ihnen stellten deutsche Unternehmen 2,029 Millionen Tonnen her. Dahinter kommen Profile (461.300 Tonnen) und Stangen (50.700 Tonnen).

Als dritten Bereich gibt es noch die Aluminiumweiterverarbeitung. Das sind Verpackungen von Medikamenten oder anderen Produkten in Folien, Tuben oder Dosen sowie Aluminiumpulver. Ihre Produktion schrumpfte 2019 ein wenig von 378.000 Tonnen auf 353.900 Tonnen.

Primär- und Sekundäraluminium

Deutschland produziert etwa 1,2 Millionen Tonnen Aluminium pro Jahr (Stand 2019). Davon sind rund 508.000 Tonnen Primäraluminium und 692.000 Tonnen Sekundäraluminium. Die Produktion ging seit2009 fast stetig aufwärts - bis 2017.

Primäraluminium bezeichnet unmittelbar aus Aluminiumoxid gewonnenes Aluminium. Sekundäraluminium ist durch Recycling gewonnenes Aluminium. Deutschland setzt also beim Alu mehr auf Recycling.

Wer braucht wie viel Aluminium?

Der Umsatz der deutschen Aluminiumindustrie sank im Jahr 2019 um 5,4 Prozent auf 20,6 Milliarden Euro im Vergleich zu 2018. Sowohl das Auslandsgeschäft (9,3 Milliarden Euro) als auch das Inlandsgeschäft (11,3 Milliarden) gingen 2019 zurück.

Grund für den Umsatzrückgang war in erster Linie der gesunkene Metallpreis an der London Metal Exchange. Er sank um 10 Prozent von durchschnittlich 1.785 Euro auf 1.600 Euro je Tonne Aluminium. Das war vor allem der weltweiten Konjunkturabkühlung zu verdanken. Die wichtigsten Kundenindustrien fragten schlicht weniger Aluminium nach.

Donut-Diagramm, welche Absatzmärkte die deutsche Aluminiumindustrie bedient
Der Verkehr benötigt am meisten Aluminium. (Quelle: Gesamtverband der Aluminiumindustrie, Grafik: TECHNIK+EINKAUF)

Platz neun bis fünf der größten Aluminiumproduzenten

Norsk Hydro

Norsk Hydro ASA ist ein internationaler Aluminiumproduzent mit Sitz in Oslo (Norwegen). Seit der Abspaltung der Sparte Erdöl & Energie im Jahr 2007 (diese fusionierte mit dem Statoil-Konzern zu StatoilHydro) konzentriert sich Hydro auf sein Aluminiumgeschäft.

2002 erwarb Hydro den führenden deutschen Aluminiumproduzenten VAW vom deutschen Versorgungsunternehmen E.ON. Norsk Hydro unterhält Geschäftsaktivitäten in 40 Ländern der Erde, auf allen Kontinenten. Der norwegische Staat hält 43,8 Prozent der Firmenanteile.

2018 hatte der Konzern die weltweit größte Anlage zur Herstellung von Aluminiumoxid geschlossen. Um die Aluminiumraffinerie Alunorte in Barcarena an der brasilianischen Amazonasmündung hatte es einen monatelangen Streit gegeben. Grund war ein angeblich illegales Verbindungsrohr zum Ableiten von Regenwasser zwischen der Raffinerie und der Schmelze. Die Raffinerie war per Gesetz verpflichtet, jedwedes Abwasser - auch Regenwasser - zu reinigen, bevor es in den Rio Para geleitet werden durfte.

Produktionsmenge 2019: 2 Mio. Tonnen

Alcoa

Alcoa Inc. (Aluminum Company of America) ist ein US-amerikanischer Aluminiumhersteller. Den Namen Aluminum Company of America erhielt das Unternehmen 1907. Die Abkürzung Alcoa wurde dann ab 1910 verwendet und 1999 als offizieller Firmenname angenommen.

2015 spaltete sich Alcoa in zwei unabhängige börsennotierte Unternehmen auf: Der Geschäftsbereich mit den Hochleistungsprodukten für die Luftfahrt- und Autoindustrie verblieb im Unternehmen unter dem Namen Arconic. Die Bauxit-, Aluminiumoxid- und Aluminiumproduktion ging in die heutige Alcoa Corporation über.

Produktionsmenge 2019: 2,1 Mio. Tonnen

SPIC

State Power Investment Corporation (SPIC) ist einer der fünf größten staatlichen Stromproduzenten der Volksrepublik China. Aber nicht nur das: SPIC engagiert sich nach eigenem Bekunden auch in den Bereichen Kohle, Aluminium, Logistik und Hightech.

SPIC ist in 36 Ländern aktiv, darunter Japan, Indien, Türkei, Brasilien und Australien.

Produktionsmenge 2019: 2,5 Mio. Tonnen

EGA

Emirates Global Aluminium (EGA) wird zu gleichen Teilen von den Unternehmen Mubadala Development Company (Abu Dhabi) und Invetment Corportaiton (Dubai) gehalten. EGA, als Fusion von Dubal (Dubal Aluminium) und Emal (Emirates Aluminium), gibt es in dieser Form seit 2014.

Der Zusammenschluss katapultierte die Unternehmen in die Top 10 der weltgrößten Aluminium-Hersteller.

Produktionsmenge 2019: 2,6 Mio. Tonnen

Rio Tinto Aluminium

Rio Tinto Aluminium mit Sitz in Montreal (Kanada) gehört zu den drei größten Aluminiumherstellern der Welt und ist eine Tochtergesellschaft der Rio Tinto Group. Das Unternehmen ist in die drei Sparten Bauxit und Tonerde, Primäraluminium und technische Produkte gegliedert.

Gegründet wurde das heutige Unternehmen 1902 als Tochtergesellschaft von Alcoa. Es erhielt den Namen „Northern Aluminum Company Limited“. 1925 firmierte es erneut um in Alcan (Aluminium company of Canada Ltd), 1928 wurde es selbstständig. 2007 wollte Alcoa Alcan wieder übernehmen und lieferte sich eine Übernahmeschlacht mit Rio Tinto. Alcan ging für 38,7 Milliarden US-Dollar an den britisch-australischen Bergwerkskonzern. Alcan wurde zu Rio Tinto Alcan. Seit 2015 ist auch Alcan aus dem Namen gestrichen.

Hüttenwerke betreibt Rio Tinto in Australien, Peru, Kanada, China, Frankreich, Holland, Großbritannien sowie Island und den USA.

Produktionsmenge 2019: 3,2 Mio. Tonnen

Platz vier bis eins der größten Aluminiumhersteller

Xinfa

Die Xinfa-Gruppe besitzt und betreibt Stromerzeugungsanlagen und Aluminium-Raffinierien sowie eine Aluminiumschmelze. Sie ist eines der größten privaten Unternehmen in diesem Sektor.

Allerdings ist Xinfa auch in der Kritik, als Low-Cost-Produzent wenig Rücksicht auf Umweltstandards zu nehmen – insbesondere im Hinblick auf die giftigen Nebenprodukte, die bei der Verarbeitung des Rohstoffs Bauxit entstehen (roter Schlamm).

Produktionsmenge 2019: 3,5 Mio. Tonnen

Rusal

Rusal ist der größte russische Aluminium-Produzent und seit der Fusion mit der Siberian-Urals Aluminium Company (SUAL) im Jahr 2007 auch einer der größten Aluminiumhersteller weltweit.

Das Unternehmen hat seinen Sitz in Moskau und ist eine Aktiengesellschaft. Mehrheitseigner ist der umstrittere Oligarch Oleg Deripaska, dem Einmischung in den US-Wahlkampf 2016 vorgeworfen wird. Daher war Rusal auch massiv von US-Sanktionen betroffen. Diese wurden jedoch Anfang 2019 aufgehoben, da der Oligarch seine Anteile an Rusal verringert hatte. Die Sanktionen hatten die US-Nachfrage nach Aluminium zu chinesischen Unternehmen umgelenkt.

Produktionsmenge 2019: 3,8 Mio. Tonnen

Hongqiao

Hongqiao ist derzeit das weltweit zweitgrößte aluminiumproduzierende Unternehmen der Welt. 2015 hatte es seinen Konkurrenten Rusal überholt. Es wurde 1994 gegründet und ist eine privatwirtschaftlich geführte Aktiengesellschaft mit Sitz in Shandong, China.

Seit dem Börsengang 2011 erlebt Hongqiao ein Rekordwachstum, was zum weltweiten Problem der Aluminium-Überkapazitäten beiträgt.

Produktionsmenge 2019: 5,7 Mio. Tonnen

Chalco

Aluminium Corporation of China Ltd. (Chalco) ist ein chinesischer Aluminiumhersteller. Das Mutterunternehmen ist der chinesische Staatskonzern Chinalco. Erst im Jahr 2019 schwang es sich mit einer Rekordproduktion zur neuen Nummer Eins auf und löste Hongqiao an der Spitze ab.

Produktionsmenge 2019: 6,1 Mio. Tonnen

Immer informiert mit den Newsletter von TECHNIK+EINKAUF

Hat Ihnen gefallen, was Sie gerade gelesen haben? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Zwei Mal pro Woche halten wir Sie auf dem Laufenden über Neuigkeiten, Trends und Wissen rund um den technischen Einkauf - kostenlos!

Newsletter hier bestellen!

Die größten Aluminiumhersteller 2016

Im Jahr 2016 verteilte sich die Produktion von Aluminium auf diese zehn Unternehmen.

1. Honquiao: 5,9 Millionen Tonnen

2. Rusal: 3,7 Millionen Tonnen

3. Rio Tinto: 3,6 Millionen Tonnen

4. Xinfa: 3,2 Millionen Tonnen

5. Chalco: 3 Millionen Tonnen

6. EGA: 2,5 Millionen Tonnen

7. Alcoa: 2,4 Millionen Tonnen

8. SPIC: 2,3 Millionen Tonnen

9. East Hope: 2,1 Millionen Tonnen

10. Norsk Hydro: 2,1 Millionen Tonnen

Kostenlose Registrierung

Newsletter
Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Ich habe die AGB, die Hinweise zum Widerrufsrecht und zum Datenschutz gelesen und akzeptiere diese.

*) Pflichtfeld

Sie sind bereits registriert?